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Produktion deutscher Firmen bricht ein wie zuletzt 2009
7. Oktober 2014 / 10:24 / vor 3 Jahren

Produktion deutscher Firmen bricht ein wie zuletzt 2009

Berlin (Reuters) - Die Produktion deutscher Unternehmen ist im August so kräftig eingebrochen wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr.

A plant belonging to Germany's largest drugmaker Bayer is seen in Leverkusen December 15, 2013. REUTERS/Ina Fassbender

Das produzierende Gewerbe - Industrie, Baubranche und Energie-Erzeuger - drosselten wegen später Ferien und Werksschließungen ihren Ausstoß insgesamt um vier Prozent zum Vormonat. “Die Industriekonjunktur durchläuft gegenwärtig eine Schwächephase”, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag, betonte aber, die Daten seien durch die Ferientage überzeichnet. Dies habe dazu geführt, dass etwa die Auto-Produktion so stark gesunken sei wie seit 30 Jahren nicht mehr, führten Ökonomen aus. Unbestritten ist jedoch, dass der Wirtschaft die Puste ausgeht. “Die konjunkturelle Dynamik in Deutschland ist zum Erliegen gekommen”, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim.

Einen größeren Produktionsrückgang hatte es zuletzt während der Rezession Anfang 2009 kurz nach der Lehman-Pleite gegeben. “Man merkt, dass sich die Unsicherheit der Unternehmen langsam in den harten Daten niederschlägt”, sagte Konjunktur-Fachmann Stefan Kipar von der BayernLB. Die Euro-Länder erholen sich nicht so schnell wie erhofft, die Ukraine-Krise mit den Russland-Sanktionen zeigt Wirkung, und es herrscht eine nur geringe globale Nachfrage.

SCHWACHES DRITTES QUARTAL - “KEIN GRUND ZUR PANIK”

Im Frühjahr ging das Bruttoinlandsprodukt erstmals seit einem Jahr zurück. “Im dritten Quartal könnte die Wirtschaft erneut leicht geschrumpft sein”, sagte Kastens. Daten dazu werden Mitte November veröffentlicht. “Wachstumsprognosen von 1,5 Prozent im nächsten Jahr erscheinen vor diesem Hintergrund eindeutig zu hoch”, mahnte die Ökonomin von Sal. Oppenheim. Zuletzt hatten viele Institute und die OECD ihre Schätzungen für die deutsche Wirtschaft heruntergeschraubt. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret sagte, auch im zweiten Halbjahr 2014 dürfte es nur “verhalten” nach oben gehen.

Optimisten warnten allerdings vor Schwarzmalerei. “Es gibt keinen Grund zur Panik”, sagte Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees von UniCredit. Zudem sei es verfrüht, von einer Rezession zu sprechen. Denn trotz aller Konjunkturschwäche habe vor allem die Lage der Ferien die jüngsten Zahlen verzerrt. So sei die Produktion von Autos und Zubehör im August um 25 Prozent gesunken und damit so stark wie seit Juni 1984 nicht mehr, als es Streiks wegen der 35-Stunden-Woche gegeben habe.

In der Folge drosselte auch die gesamte Industrie im August ihre Produktion um 4,8 Prozent, und die Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen meldeten mit 8,8 Prozent das größte Minus. Die Produzenten von Vorleistungsgütern wie Chemikalien stellten 1,9 Prozent weniger her, die Konsumgüterbranche 0,4 Prozent weniger. Die Bauproduktion fiel um 2,0 Prozent. Die Energieversorger fuhren ihre Fertigung dagegen um 0,3 Prozent hoch.

Die aktuelle Schwächephase trifft laut Ministerium nicht nur die Produktion, sondern auch Aufträge und Umsätze. Das Neugeschäft der Industrie war ebenfalls so stark weggebrochen wie zuletzt im Januar 2009 - um fast sechs Prozent.

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