September 6, 2019 / 6:41 AM / 16 days ago

Deutsche Firmen drosseln Produktion - Industrie schwächelt

A long time exposure picture shows the nuclear power plant in Grohnde, Germany, March 5, 2013. Picture taken March 5, 2013. REUTERS/Fabian Bimmer

Berlin (Reuters) - Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Juli überraschend heruntergefahren.

Das war der zweite Rückgang in Folge. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,6 Prozent weniger her als im Juni, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. “Die Industriekonjunktur bleibt schwach”, erläuterte das Ministerium. Es erwartet vorerst keine Besserung. Fachleute fürchten, dass die maue Industrie andere noch gut laufende Bereiche wie Dienstleister und Baubranche mit in den Abwärtsstrudel zieht. “Damit festigt sich die Aussicht auf eine technische Rezession im Sommerhalbjahr”, sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt vom Bankhaus Lampe.

Die exportabhängige deutsche Wirtschaft leidet unter der schwächeren Weltkonjunktur, Handelskonflikten und Unsicherheiten etwa durch die Brexit-Hängepartie. Im Juli musste die Industrie wegen der sinkenden Nachfrage aus Übersee den stärksten Auftragsschwund seit einem halben Jahr wegstecken. Das Neugeschäft schrumpfte um 2,7 Prozent zum Vormonat. Bei der gesamten Produktion gab es nun bereits das vierte Minus seit Jahresanfang. Ökonomen hingegen hatten mit plus 0,3 Prozent gerechnet, nach einem Rückgang von revidiert 1,1 Prozent im Juni. “Das zweite Halbjahr startet für die Unternehmen verhalten”, sagte Konjunkturexpertin Katharina Huhn vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). “Allein die mehr binnenorientierten Wirtschaftszweige der Konsumgüter- und Bauproduktion steigen geringfügig.”

“DEUTSCHLAND BEFINDET SICH IN DER REZESSION”

Aber die Inlandsnachfrage könnte unter die Räder kommen, wenn die Flaute der Industrie anhält. “Die Industrie ist der Konjunktur-Macher”, betonte Stefan Kipar von der BayernLB. “Je länger sie schwach bleibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die anderen Bereiche der Wirtschaft schwächeln.” Auch Ökonom Krüger warnt vor zunehmender Ansteckungsgefahr: “Die gesamtwirtschaftliche Abwärtsspirale droht sich schneller zu drehen.” Für Experte Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein signalisiert der Produktionsrückgang bereits: “Deutschland befindet sich in der Rezession.” Die Regierung müsse nun schleunigst mit Investitionen gegensteuern. “Die Energiewende, der Glasfaserausbau und die stellenweise maroden Schulen können weitere Finanzspritzen vertragen.”

Am Bau stieg die Produktion im Juli leicht um 0,2 Prozent. Die Energieversorger hingegen meldeten ein Minus von 1,3 Prozent, und in der Industrie ging es um 0,8 Prozent bergab. Die gesamte Wirtschaft war im ersten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft. Experten gehen davon aus, dass die Konjunktur in eine vorübergehende (“technische”) Rezession rutscht und das Bruttoinlandsprodukt auch im zweiten Quartal gesunken sein dürfte.

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