July 9, 2020 / 6:57 AM / a month ago

Zuletzt weniger Firmenpleiten - Insolvenzverwalter warnen vor dickem Ende

Euro currency bills are pictured at the Croatian National Bank in Zagreb, Croatia, May 21, 2019. Picture taken May 21, 2019. REUTERS/Antonio Bronic

Berlin (Reuters) - Trotz einer rückläufigen Zahl von Firmenpleiten droht laut Insolvenzverwaltern im Zuge der Coronakrise doch noch ein deutlicher Anstieg.

Hintergrund ist, dass die Insolvenzantragspflicht nur ausgesetzt ist - vorerst bis 30. September. Danach sei mit einem deutlichen Anstieg der Firmenpleiten zu rechnen, warnte der Berufsverband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) am Donnerstag: “Wir gehen davon aus, dass die Aussetzung nicht über den 30.09. verlängert wird, sofern wir in Deutschland keinen erneuten Anstieg der Infektionszahlen verzeichnen”, sagte VID-Chef Christoph Niering.

Auch bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) stellt man sich auf alle Eventualitäten ein, wie die “Wirtschaftswoche” berichtet: Die BA weise darauf hin, dass Insolvenzen meist “zeitlich verzögert” aufträten. Man sei jedoch “auf höhere Ausgaben vorbereitet”. Vorsorglich sei bereits “zusätzliches Personal für das Insolvenzgeld geschult” worden.

Trotz sinkender Insolvenzzahlen musste die BA laut dem Bericht im ersten Halbjahr bereits mehr Geld an Beschäftigte von Pleite gegangenen Unternehmen auszahlen. Demnach waren es bis Ende Juni insgesamt 490 Millionen Euro: “Das sind also 70 Millionen Euro mehr als im letzten Jahr, aber noch keine Explosion”, sagte ein BA-Sprecher der WirtschaftsWoche. Die Diskrepanz dürfte sich dadurch erklären, dass im ersten Halbjahr verstärkt größere Firmengruppen mit mehr Beschäftigten Insolvenz angemeldet haben. Die reine Anzahl der Unternehmensinsolvenzen sank hingegen zuletzt.

“WERDEN EINE PLEITEWELLE LEIDER ERLEBEN”

Im April haben die Amtsgerichte 1465 Firmeninsolvenzen gemeldet, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. Das sind 13,3 Prozent weniger als im April 2019. Neben den Pleite gegangenen Firmen meldeten 4857 übrige Schuldner im April Insolvenz an. Das waren 34,2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Darunter waren 3283 Insolvenzanträge von Verbrauchern sowie 1257 Anträge von ehemals Selbstständigen, die ein Verbraucher- beziehungsweise ein Regelinsolvenzverfahren durchlaufen.

Dieser sehr große Rückgang der Anträge von Verbrauchern erklärt sich laut Destatis zum einen durch den eingeschränkten Betrieb der zuständigen Insolvenzgerichte während der Corona-Krise und einer damit verlängerten Bearbeitungszeit. Zum anderen hätten Verbraucher ihren Insolvenzantrag wegen der Corona-Pandemie vielfach verschoben.

Dem Vorsitzenden der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU, Carsten Linnemann, schwant Böses: Er habe jeden Tag Kontakt “mit der Intensivstation der deutschen Wirtschaft”, sagte Linnemann in der ARD. Dort sei es oft “brutal”, etwa im Veranstaltungsbereich, dem stationären Handel, bei den Hoteliers und der Gastronomie: “Da werden wir eine Pleitewelle leider erleben.”

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