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Wirtschaftsnachrichten

Weniger Pleiten im Halbjahr trotz Corona - "Pleitewelle kommt"

Euro currency bills are pictured at the Croatian National Bank in Zagreb, Croatia, May 21, 2019. Picture taken May 21, 2019. REUTERS/Antonio Bronic

Berlin (Reuters) - Trotz Rekord-Rezession wegen der Corona-Krise ist die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland im ersten Halbjahr gesunken.

Ein Grund dafür sei, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen als Hilfsmaßnahme gegen die Folgen der Virus-Pandemie seit dem 1. März bis Ende September ausgesetzt sei, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Von Januar bis Juni meldeten die Amtsgerichte 9006 Unternehmensinsolvenzen, was einem Rückgang von 6,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der Trend hielt auch im August an: Hier sanken die eröffneten Regelinsolvenzen um 38,9 Prozent.

Die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen, die aber nicht zahlungsunfähig sind, bleibt nach einem Beschluss der Bundesregierung bis zum Jahresende ausgesetzt. Experten erwarten, das früher oder später das böse Erwachen kommt. “Ich fürchte, wir werden uns auf eine Welle von Unternehmensinsolvenzen einstellen müssen”, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Eine Insolvenz sei nicht immer schlecht. Schließlich könnten betroffene Unternehmen ihre Verbindlichkeiten umstrukturieren und sich neu aufstellen. Problematisch sei, wenn Insolvenzen auf die lange Bank geschoben werden und damit Gläubiger und Zulieferer mit in Schieflage geraten. “Die Zurückhaltung bei der Stellung von Insolvenzanträgen ist ausgesprochen riskant”, kritisierte der Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID), Christoph Niering. “Neben der Verlagerung von wirtschaftlichen Risiken auf die Gläubiger, die sich zu einer grundsätzlichen Vertrauenskrise entwickeln kann, tritt auch die Gefahr der persönlichen Haftung der Handelnden.”

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger erhöhten sich in der ersten Jahreshälfte zugleich deutlich auf 16,7 Milliarden Euro, nachdem sie vor Jahresfrist noch bei 10,2 Milliarden Euro gelegen hatten. Das deute darauf hin, “dass im ersten Halbjahr 2020 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten”, betonte das Statistikamt.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen fiel im ersten Halbjahr deutlich, und zwar um 14,5 Prozent auf 27.992. Dies erkläre sich durch den eingeschränkten Betrieb der Insolvenzgerichte während der Pandemie und einer damit verlängerten Bearbeitungszeit. Zudem hätten Verbraucher vermutlich den Zeitpunkt ihres Insolvenzantrages aufgrund der Pandemie zeitlich nach hinten verschoben, so das Statistikamt.

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