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Wirtschaftsnachrichten

Firmenpleiten sinken trotz Corona-Rezession - 2021 Anstieg erwartet

FILE PHOTO: A view of a closed bar in the district of Kreuzberg during coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Berlin, Germany March 20, 2020. REUTERS/Michele Tantussi

Berlin (Reuters) - Trotz der konjunkturellen Talfahrt wegen der Corona-Krise ist die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland im Juli gesunken.

Ein Grund dafür sei, dass die Insolvenzantragspflicht als Hilfsmaßnahme gegen die Folgen der Virus-Pandemie für viele Unternehmen weitgehend bis zum 1. Oktober ausgesetzt worden sei, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Die 1369 Insolvenzanträge im Juli bedeuteten einen Rückgang von 16,7 Prozent binnen Jahresfrist. In den ersten sieben Monaten des Jahres gab es ein Minus bei den Firmenpleiten von 7,8 Prozent. Der Trend hielt auch im September an: Hier sanken die eröffneten Regelinsolvenzen - also alle Fälle außer Verbraucherpleiten - um 34,5 Prozent.

Seit dem 1. Oktober ist ein Insolvenzantrag bei Zahlungsunfähigkeit wieder verpflichtend, bei Überschuldung gilt die Befreiung für Firmen zunächst weiter bis Jahresende. Experten gehen deshalb davon aus, dass ab Oktober die Zahl der Pleiten zunimmt und sich dann etwa ab dem ersten Quartal 2021 beschleunigt. “Ich fürchte, wir werden uns auf eine Welle von Unternehmensinsolvenzen einstellen müssen”, sagte jüngst der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. “Viele Unternehmer warten ab und hoffen noch auf weitere Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung”, erklärte der Vorsitzende des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID), Christoph Niering. “Einen deutlichen Anstieg der Insolvenzzahlen werden wir wohl erst zum Jahresbeginn sehen.”

Das Bundesjustizministerium arbeitet derzeit an zwei Reformvorhaben, die zum einen bei Privatpersonen die Dauer des Insolvenzverfahrens auf drei Jahre reduzieren und bei Unternehmen durch ein Restrukturierungsverfahren Insolvenzen ganz vermeiden sollen. Die Pläne seien positiv und zum Teil auch längst überfällig, betonte der VID. “Aber sie werden in ihrer jetzigen Form weder mittelständischen Unternehmen noch Selbstständigen und Freiberuflern bei der Überwindung ihrer Krise weiterhelfen”, kritisierte Niering mit Blick auf einen Eingriff in die Rechte der Gläubiger. “Gerade die durch die Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmer brauchen dringend eine verlässliche Perspektive für eine nachhaltige Entschuldung und einen sofortigen Neustart.”

In der Folge steigender Firmenpleiten dürfte auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im nächsten Jahr spürbar zulegen. Derzeit halten sich Privatleute mit dem Gang zum Amtsgericht zurück, weil sie die Gesetzesänderung abwarten. Denn der Bund setzt eine EU-Richtlinie um, wonach Insolvenzantragsteller künftig schon nach drei Jahren schuldenfrei sind und nicht erst nach sechs Jahren. Dementsprechend sank die Zahl der Verbraucherinsolvenzen allein im Juli um gut 30 Prozent und lag in den ersten sieben Monaten mit 32.016 fast 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

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