October 23, 2018 / 3:56 PM / 25 days ago

Experten - Insolvenzwelle lässt noch auf sich warten

100 Euro Banknotes are seen at the Money Service Austria company's headquarters in Vienna, Austria, November 16, 2017. REUTERS/Leonhard Foeger

Frankfurt (Reuters) - Namhafte Insolvenzexperten rechnen im kommenden Jahr auch bei steigenden Zinsen nicht mit einem steilen Anstieg der Unternehmenspleiten in Deutschland.

“Es wird nicht zu einer Schwemme von größeren Regelverfahren kommen - es sei denn, wir bekommen einen Tsunami”, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Dienstag in Frankfurt. Die niedrigen Zinsen führten sogar dazu, dass Unternehmen ohne tragfähiges Geschäftsmodell lange durchhielten, erklärte Hans Joachim Weidtmann, der sich für die Commerzbank um Sanierungsfälle kümmert. “Ich glaube nicht, dass wir 2019 in eine dramatische Situation kommen.” Für krisenanfällig halten die Fachleute nach dem Super-Sommer den Einzelhandel und die Textilbranche, aber auch Autozulieferer.

Bis die Zulieferer angesichts des technologischen Wandels in der Branche in Schwierigkeiten kämen, werde es aber noch dauern, sagte Branchenexperte Thomas Steinberger von der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsfirma PwC. “Wir sehen ein Anziehen der Fälle” - aber eher bei Mittelständlern, die von der Diesel-Krise oder dem stotternden Absatz der Autobauer wegen des neuen Prüfzyklus WLTP betroffen seien. Der strukturelle Umbruch zum Elektro-Auto werde die ersten Zulieferer in zwei oder drei Jahren treffen. Rechtsanwalt Frank Grell, der für die Kanzlei Latham & Watkins große Sanierungen begleitet, pflichtet ihm bei: “Ich sehe nicht, dass wir dort kurzfristig massive Verwerfungen sehen.” Erste Krisenzeichen zeigten sich aber bei Maschinenbauern, die für die Autoindustrie tätig sind.

Grell und der als Insolvenzverwalter von Schlecker bekannt gewordene Geiwitz glauben, dass viele Verwalter angesichts der geringen Zahl von Insolvenzen selbst in Schwierigkeiten kommen werden. Kleinere Kanzleien könnten das nicht ausgleichen. “Die Branche muss sich komplett neu aufstellen”, sagte Geiwitz. Mit rund 4000 gebe es in Deutschland zu viele Insolvenzverwalter. “Wenigen sehr großen, komplexen Fällen steht eine breite Masse von Verwaltern gegenüber, die zurzeit viel Zeit haben”, sagte Grell.

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