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Wirtschaftsnachrichten

Corona wirft Wirtschaft um Jahre zurück - "Krise noch lange nicht ausgestanden"

A general view of the Brandenburg gate, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Berlin, Germany, April 16, 2020. Picture taken April 16, 2020. REUTERS/Christian Mang

Berlin (Reuters) - Die Corona-Pandemie wirft die deutsche Wirtschaft laut den führenden Forschungsinstituten um Jahre zurück.

Diese treffe die Konjunktur härter als noch im Frühjahr angenommen, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten Herbstgutachten der Institute um das Kieler IfW. Die Wirtschaftsleistung wird in ihrer Vorhersage dieses Jahr mit 5,4 Prozent fast so stark einbrechen, wie in der Finanzkrise 2009 mit damals 5,7 Prozent. Für die Aufholjagd braucht es wohl einen langen Atem: Das vor Ausbruch der Pandemie erreichte Niveau wird voraussichtlich erst Ende 2021 erreicht. Und erst ein Jahr später dürfte die deutsche Wirtschaft dann wieder normal ausgelastet sein. “Mit dem Aufholen des Einbruchs sind die Krisenfolgen keineswegs ausgestanden”, warnte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.

Die maximal mögliche Leistung des Konjunkturmotors dürfte demnach mittelfristig gut ein Prozent niedriger sein, als es Vorkrisenschätzungen ergaben. Im nächsten Jahr soll dieser aber zumindest auf Touren kommen und die Wirtschaft dann um 4,7 Prozent anziehen. “Ein Gutteil des Einbruchs aus dem Frühjahr ist zwar schon aufgeholt, aber der verbleibende Aufholprozess stellt die mühsamere Wegstrecke zurück zur Normalität dar”, warnte der Kieler Forscher Kooths. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier äußerte sich optimistisch, dass nächstes Jahr ein kräftiger Aufschwung zu erwarten sei: “Dies alles steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Corona-Infektionszahlen nicht unkontrolliert ausbreiten und ein zweiter Lockdown verhindert wird.”

Bundesfinanzminister Olaf Scholz strich die positiven Aspekte des Gutachtens heraus, das der Regierung als Basis für ihre eigenen Projektionen dient. “Wir hören gute Nachrichten von den Wirtschaftsforschern”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Konjunktur erhole sich schneller. Die Maßnahmen zur Stabilisierung und Belebung der Wirtschaft entfalteten sich gewissermaßen “mit dem erhofften Wumms”, sagte der SPD-Kanzlerkandidat mit Blick auf das im Juni beschlossene Konjunkturpaket - das größte seit Bestehen der Bundesrepublik.

ÜBERBRÜCKUNGSHILFEN IM FOKUS

Die Gutacher vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie deren Kollegen vom Berliner DIW, dem Münchner Ifo-Institut, dem IWH Halle und dem Essener RWI halten die Corona-Hilfen jedoch nur teilweise für passend. Es sei fragwürdig, ob das Konjunkturpaket notwendig gewesen und zweckmäßig sei. Vor allem die auf das zweite Halbjahr befristete Mehrwertsteuersenkung wird als zu pauschal kritisiert und daher als ungeeignet.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will Reuters-Informationen zufolge die bislang kaum genutzten Überbrückungshilfen für kleine und mittlere Unternehmen anpassen und auch verlängern. Kritiker bemängeln, dass die Vorgaben zu rigide seien. Altmaier plant den Informationen zufolge, die Hilfen nun um ein halbes Jahr bis Ende Juni 2021 zu verlängern. Anders als bei der Mehrwertsteuersenkung erhält die Politik von den Instituten diesmal Beifall für diese Pläne: Wenn Betriebe diese Gelder bislang nur wenig abgerufen hätten, seien die Hilfen entweder nicht nötig oder zu bürokratisch, kritisierte IfW-Forscher Kooths. Wichtig sei, die am stärksten von der Krise Betroffenen zu unterstützen.

Gebremst werde die Konjunkturerholung durch Branchen, die in besonderem Maße auf soziale Kontakte angewiesen seien - etwa Gaststätten und Tourismus, das Veranstaltungsgewerbe oder der Luftverkehr. “Dieser Teil der deutschen Wirtschaft wird noch längere Zeit unter der Corona-Pandemie leiden”, sagte Kooths. Eine Belebung werde es hier erst geben, “wenn Maßnahmen zum Infektionsschutz weitgehend entfallen, womit wir erst im nächsten Sommerhalbjahr rechnen”.

In ihrem Frühjahrsgutachten vom April hatten die Ökonomen für dieses Jahr noch eine Rezession von 4,2 Prozent veranschlagt und für 2021 ein Wachstum von 5,8 Prozent prognostiziert. Der Kampf gegen die Virus-Pandemie mit Einschränkungen für das öffentliche Leben, die Produktion und viele Dienstleister hat die Wirtschaft dann aber stärker lahmgelegt als angenommen.

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