March 1, 2012 / 2:23 PM / in 7 years

Heftige Kritik an Studie zu Integration junger Muslime

Berlin (Reuters) - Eine Studie des Bundesinnenministeriums über die Radikalisierung junger Muslime stößt beim Koalitionspartner FDP und in der Opposition auf massive Kritik.

“Ich muss mich schon wundern, dass das BMI erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse”, sagte der integrationspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Serkan Tören, der “Neuen Osnabrücker Zeitung” vom Donnerstag. Der Studie zufolge will sich knapp ein Viertel der jungen Muslime ohne deutschen Pass nicht integrieren. Die Autoren bezeichnen sie als Angehörige einer Gruppe der 14- bis 32-Jährigen, die als “streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz” in Deutschland leben. Unter den Muslimen mit deutschem Pass sind der Studie zufolge 15 Prozent dieser Gruppe zuzurechnen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich warnte davor, alle Muslime in eine Schublade zu stecken. “Es gibt nicht die Muslime, sondern es gibt eine Vielzahl von Menschen, die nach Deutschland gekommen sind”, sagte er in Potsdam. Allerdings sei er überrascht über die hohe Zahl von 24 Prozent der nicht-deutschen Muslime, die sich nicht integrieren wollten. Positiv sei dagegen, dass die Muslime in Deutschland mit Nachdruck jegliche Gewalt und Terrorismus ablehnten.

Die “Bild”-Zeitung hatte zuvor eine schärfere Reaktion Friedrichs auf die Studie veröffentlicht: “Wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, anti-demokratischer und religiös-fanatischer Ansichten. Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben.”

Bei jungen Muslimen, die sich mit Vorliebe über Politik durch türkische Fernsehsender informieren, verstärkt sich der Studie zufolge die negative Tendenz. Allerdings lehnten die meisten fundamentalistisch religiösen Muslime auch religiös motivierte Gewalt ab, sie wollten mit den “wahnsinnigen” und “kriminellen” extremistischen Gewalttätern nichts zu tun haben.

NRW-MINISTER: FRIEDRICHS VORGEHEN IST FATAL

Kritik erntete Friedrich vom nordrhein-westfälischen Integrationsminister Guntram Schneider, der die Ergebnisse der Studie als zweifelhaft bezeichnete. “Wir haben hier in NRW - und hier lebt immerhin ein Drittel der in Deutschland lebenden Muslime - ganz andere Ergebnisse erhalten”, erklärte Schneider. Einer nordrhein-westfälischen Studie aus dem Jahr 2011 zufolge sei die große Mehrheit der Muslime bereit, sich zu integrieren. Je höher der Bildungsgrad, desto mehr Kontakte zu Deutschen unterhielten die Muslime. Friedrichs Vorgehen sei fatal. Er trage zur Stigmatisierung junger Muslime bei. “Das ist geschmacklos, falsch und gefährlich in einer Zeit, in der Neonazis die Festen der Demokratie versuchen zu erschüttern und Hetzjagd auf Migranten machen”, warnte Schneider.

Der FDP-Politiker Tören sagte, viele junge Muslime nutzten das religiöse Bekenntnis lediglich zur Provokation und kulturellen Abgrenzung, es habe nichts mit tatsächlich gelebter Religion zu tun. Auch wenn junge Muslime gewalttätig würden, habe dies mit sozialen und nicht mit religiösen Fragen zu tun.

Die Grünen warfen der Bundesregierung eine populistische Darstellung durch die Erstveröffentlichung der Studie in der “Bild”-Zeitung vor. Auch die “mit Scheuklappen versehenen Kommentare von Unionspolitikern” zielten auf eine Spaltung der Gesellschaft ab, bemängelte der migrationspolitische Sprecher der Grünen, Memet Kilic. “Nicht Religion oder die Einwanderungsgeschichte sind die entscheidende Ursache für Jugendgewalt, sondern Chancen- und Perspektivlosigkeit.”

Auch die SPD sprach von Populismus. “Wer sich seriös mit der Abschottung und Gewaltbereitschaft von Jugendlichen befassen will, sollte dies nicht mit der offensichtlichen Intention tun, ganze Religionsgemeinschaften dem Populismus preiszugeben”, erklärte die SPD-Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz.

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