June 9, 2018 / 3:59 PM / 10 days ago

Polizei - Ali B. gesteht Tötung von Susanna nach Streit

Dohuk/Berlin (Reuters) - Der im Nordirak festgenommene Ali B. hat nach Angaben der dortigen Polizei die Tötung und Vergewaltigung der 14-jährigen Susanna aus Mainz gestanden.

German police wait close to the scene where they found a body near Wiesbaden-Erbenheim, Germany, June 6, 2018. REUTERS/Thorsten Wagner

“Das Mädchen war eine Freundin von ihm”, sagte der Polizei-Chef der nordirakischen Stadt Dohuk, Tarek Ahmed, Reuters TV am Samstag. “Sie haben einen Ausflug in den Wald gemacht und dort viel Alkohol getrunken und Drogen genommen.” Dann sei es nach den Worten von Ali B. zum Streit gekommen. Susanna habe versucht, die Polizei zu rufen. “Der Verdächtige bekam es mit der Angst zu tun, weil sie unter 18 ist und er wusste, dass es eine schwerwiegende Anklage geben würde, wenn die Polizei käme”, sagte Ahmed. “Er versuchte, sie zu überzeugen, nicht die Polizei zu rufen. Aber sie beharrte darauf, daher erwürgte er sie und begrub sie im Dreck.” Mehrere Medien berichteten, Ali B. solle noch am Samstagabend nach Deutschland ausgeliefert werden.

Tarek erklärte, nach seiner Ankunft im Nordirak habe sich der 20-Jährige zunächst in einem Hotel in Dohuk aufgehalten. “Als ihm klar wurde, dass die Polizei nach ihm fahndet, ist er nach Sacho abgereist, um bei Verwandten unterzuschlüpfen.” Als die Sicherheitskräfte kamen, um ihn festzunehmen, habe er geschlafen. “Wir arbeiten in diesem Fall eng mit Deutschland, den europäischen Ländern und Interpol zusammen”, sagte Ahmed. Ob der Verdächtige ausgeliefert werde, hänge davon ab, worauf die Kurdenregierung im Nordirak und die Bundesregierung sich verständigten.

Mehrere Medien berichteten, Ali B. solle bereits am Samstagabend am Frankfurter Flughafen landen. Der 20-Jährige werde im Gewahrsam der Bundespolizei aus dem Irak nach Deutschland gebracht. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Vom Bundesjustizministerium war keine Stellungnahme zu erhalten.

MUTTER VON ALI B. BESTREITET KENNTNIS VON VORWÜRFEN

Die Mutter von Ali B. reagierte ungläubig auf die Vorwürfe. “Das ist schwer zu glauben, das kann doch alles nicht wahr sein”, sagte Kalida M. in der nordirakischen Stadt Sacho der Deutschen Welle. Ihr Sohn habe ihr versichert, sich nicht an die Tat erinnern zu können, weil er zu betrunken gewesen sei. Die Familie habe erst durch die Verhaftung des 20-Jährigen im Irak und die Nachrichten im Internet von den Vorwürfen erfahren. Sie, ihr Mann und die sechs Kinder hätten Deutschland am 2. Juni freiwillig verlassen, weil ihr Mann schwer krank sei.

“Ich wollte nicht, dass er im Ramadan in der Fremde stirbt und ich dann ein schlechtes Gefühl habe”, sagte Kalida M. Sie wandte sich gegen eine Auslieferung ihres Sohnes an Deutschland. “Ich will nicht, dass mein Sohn in einem fremden Land bestraft wird. Wenn er wirklich schuldig ist, dann soll er hier im eigenen Land bestraft werden.” Sollte er wegen Mordes verurteilt werden, würde Ali B. im Irak die Todesstrafe drohen.

Susanna war zwei Wochen lang vermisst worden, bevor ihre Leiche am Mittwoch in einem Erdloch in Wiesbaden entdeckt wurde. Der Verdächtige lebte in einem Wiesbadener Flüchtlingsheim. Sein Asylantrag war im Dezember 2016 abgelehnt worden, wogegen er klagte. Gegen ihn laufen mehrere Verfahren, unter anderem wegen des Verdachts auf Raub. Bevor er zur Fahndung ausgeschrieben wurde, reiste der Mann nach Angaben des Bundesinnenministeriums mit seiner Familie am vergangenen Wochenende legal über den Düsseldorfer Flughafen aus und setzte sich nach Erbil im Nordirak ab. Dort wurde er auf Bitten Deutschlands durch kurdische Sicherheitskräfte festgenommen.

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