May 14, 2018 / 11:07 AM / 3 months ago

IWF für mehr deutsche Investitionen - Scholz will "loslegen"

Berlin (Reuters) - Deutschland sollte dem Internationalen Währungsfonds zufolge angesichts der rund laufenden Konjunktur mehr in seine Zukunft investieren. Der Staat sollte sich mit Blick auf die alternde und schrumpfende Bevölkerung “kraftvoller” auf künftige Herausforderungen vorbereiten, mahnte der IWF am Montag in Berlin. Auch wenn die Bundesregierung verstärkt auf den Ausbau von schnellem Internet und digitaler Technologien setze, sei das Investitionswachstum im Inland zuletzt niedrig gewesen. Der Staat müsse es “entschlossener” anschieben, heißt es in den Empfehlungen des Fonds: “Es ist wichtig, die Gelegenheit zu nutzen, bei starker und guter Konjunktur in die Zukunft zu investieren”, forderte IWF-Expertin Julie Kozack.

A woman walks past the International Monetary Fund (IMF) logo at its headquarters in Washington, U.S., May 10, 2018. REUTERS/Yuri Gripas

Die gute Lage am Arbeitsmarkt dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass “ein großer Teil der deutschen Jobs” anfällig für den Technologiewandel sei. Deshalb müsse Deutschland mehr Geld in Bildung stecken: Neben mehr Mitteln für Grundschulen gelte es ebenfalls, lebenslanges Lernen stärker zu fördern. So fehlten Firmen in Deutschland einer Umfrage zufolge im April etwa 315.000 Fachleute aus technischen Berufen im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Das seien knapp ein Drittel mehr Arbeitskräfte als vor Jahresfrist und mehr als doppelt so viel wie Anfang 2015, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zu seiner Erhebung mit.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat Investitionen in die digitale Infrastruktur Deutschlands angekündigt: Schon in diesem Jahr sollen unter anderem 2,4 Milliarden Euro in einen entsprechenden Fonds fließen. Dank steigender Steuereinnahmen habe man nun die Spielräume dafür, so der SPD-Politiker beim Deutschen Steuerberaterkongress in Berlin. “Wir haben jetzt auch die Möglichkeit loszulegen mit einer verstärkten Offensive, was die Breitbandinfrastruktur unseres Landes und den Anschluss unserer Schulen an das Netz betrifft.” Wie die Grünen bemängelte auch die Linke, dass Scholz dennoch zuwenig Geld in Investitionen, die Verbesserung der Infrastruktur und den Ausbau von Bildungseinrichtungen stecke. Auch in den eigenen Reihen gab es Kritik: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller nannte Scholz Pläne unzureichend.

Verstärkte Investitionen würden laut IWF auch dazu beitragen, den international kritisch beäugten Leistungsbilanzüberschuss abzuschmelzen. Dieser sei mit acht Prozent der Wirtschaftsleistung 2017 “sehr hoch” ausgefallen. Er dürfte demnach auch auf kurze Sicht hoch bleiben, bevor er 2023 leicht absinke. Der hohe deutsche Handelsüberschuss gilt bei Kritikern als schädlich für ein stabiles und nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Er stößt in anderen Ländern auf Protest, unter anderem beim wichtigen Handelspartner USA.

Der Internationale Währungsfonds führt in der Regel jedes Jahr mit den Mitgliedern Gespräche. Ein Team des Mitarbeiterstabs besucht das Land, ermittelt Wirtschafts- und Finanzdaten und erörtert mit Beamten die wirtschaftlichen Entwicklungen und politischen Maßnahmen.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below