December 4, 2018 / 6:41 AM / 13 days ago

Altmaier - Künstliche Intelligenz nach Airbus-Vorbild vorantreiben

German Economy Minister Peter Altmaier arrives for a news conference of German Chancellor Angela Merkel following the Hesse state election in Berlin, Germany, October 29, 2018. REUTERS/Hannibal Hanschke

Nürnberg (Reuters) - Im Wettbewerb mit den USA und China in der Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz setzt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf eine europäische Lösung.

“Wir benötigen eine Art Airbus in der KI”, sagte der CDU-Politiker am Dienstag auf dem Digitalgipfel in Nürnberg mit Verweis auf den Erfolg des unter deutsch-französischer Führung stehenden Flugzeugbauers. Ein einzelnes europäisches Unternehmen könne es bei der künftigen Schlüsseltechnik KI mit den US-Technologiegrößen nicht aufnehmen. “Die Lösung liegt in der Kooperation und Bündelung von Kräften.”

Altmaiers Idee, die er erstmals im Sommer präsentiert hatte, findet in Wirtschaft wie Politik Anklang. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich für einen “digitalen Airbus” aus, auch um Forscher in Deutschland halten zu können. Der Chef der Münchner Medizintechnikfirma Brainlab, Stefan Vilsmeier, begrüßte den Vorstoß. Oberstes Gebot sei es, Fortschritte zu erzielen. Diese sind dringend nötig. “Im KI-Rennen sind derzeit nur zwei Pferde am Start – die USA und China. Deutschland spielt keine Rolle”, sagte Managing Director Svenja Falk von der Wirtschaftsberatung Accenture. Das müsse angesichts der Stärke in der Produktion und Menge an Maschinendaten nicht so bleiben.

Inzwischen vergleichen Experten den künftigen Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Wirtschaft gern mit der Erfindung der Dampfmaschine zu Zeiten der Industriellen Revolution oder der Erfindung der Elektrizität. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach von der lautlosesten Revolution, die es je gegeben habe. Einer Studie des Wirtschaftsprüfers PwC zufolge wird KI - bisher vielen über Sprachassistenten, die Sortierung von Fotos und Chatbots ein Begriff - die deutsche Wirtschaft bis 2030 um rund elf Prozent und damit um 430 Milliarden Euro ankurbeln. Im Ländervergleich ist das noch nichts: Chinas Wirtschaft kann auf ein Plus von mehr als einem Viertel hoffen, die USA auf 15 Prozent.

Bereits im November hatte die Bundesregierung ihre KI-Strategie festgezurrt. Demnach sollen 100 neue KI-Professuren geschaffen werden und bis 2025 unter anderem rund drei Milliarden Euro fließen. Bitkom-Präsident Achim Berg kritisierte die Summe als zu niedrig und verwies darauf, dass allein für die Pkw-Abwrackprämie fünf Milliarden Euro in die Hand genommen wurden.

ALTMAIER WIRBT FÜR MOBILITÄT MADE IN GERMANY

Neue Details zur Umsetzung der Strategie wurden auf dem Digitalgipfel nicht bekannt. Altmaier sprach sich für den Aufbau einer Mobilitätsplattform in Deutschland aus, ohne konkret zu werden. “Wir sind das klassische Mutterland der Mobilität.” Das Thema sei international noch nicht besetzt. Firmen wie die Deutsche Bahn und die Autokonzerne müssten “gemeinsam versuchen, PS auf die Straße zu bringen”. Auch größere Startups, die häufig Entstehungsorte für KI-Innovationen sind, will er stärker fördern. “Das ist bisher eine Achillesferse”, sagte der Minister. Beträge bis zu 150 Millionen Euro kämen in der Regel nicht mehr aus Deutschland. Das müsse sich ändern. Deswegen wolle er die regulatorischen Hindernisse beseitigen, die verhinderten, dass etwa Lebensversicherungen in sogenannte Wagniskapital-Fonds investierten.

Der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, mochte die von der Politik verbreitete Aufbruchstimmung nicht teilen. “Ich mache mir Sorgen, dass wir diese Technologie am Ende nicht in Europa haben”, sagte der Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Telekomkonzern. Man habe schließlich auch auf dem Cloud-Anbieter-Markt den Anschluss an Amazon, Microsoft und Google verpasst. Es sei wichtig, sich nicht in “politische Diskussionen zu verstricken.” Bundesjustizministerin Katherina Barley riet dazu, “ethische Fragen” im Zusammenhang mit KI immer mitzudenken. Man sei auf die Akzeptanz der Bürger angewiesen, um die Technologie voranzubringen. Dabei scheint die Stimmung in der Bundesregierung derzeit durchaus positiv. Einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zufolge sehen 62 Prozent der Befragten KI als Chance.

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