October 31, 2018 / 9:17 AM / 17 days ago

Regierung will mit Gesetz Zahl der Organspenden erhöhen

Cardiologists are seen during a heart catheterization at the Heidelberg University Hospital (Universitaetsklinikum Heidelberg) in Heidelberg, Germany, August 14, 2018. Picture taken August 14, 2018. To match Insight HEALTHCARE-MEDICAL TECHNOLOGY/AI REUTERS/Ralph Orlowski

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will mit einem Bündel von Maßnahmen die Zahl der Organspenden erhöhen.

Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch ein Gesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn, das in der ersten Jahreshälfte 2019 in Kraft treten soll. Vorgesehen sind mehr Geld für die Organentnahme in den Kliniken, die Freistellung und Aufwertung der Transplantationsbeauftragen in den Krankenhäusern sowie ein verlässlicheres Erfassungssystem.

Spahn sagte, das Hauptproblem bei der Organspende sei nicht die Spendebereitschaft, die in den vergangenen Jahren sogar zugenommen habe. Ein Schlüssel liege bei den Kliniken. Ihnen fehlten häufig Zeit und Geld, um mögliche Organspender zu identifizieren. Der CDU-Politiker rief dazu auf, das Gesetz im Bundestag zügig zu beschließen, denn es werde Leben retten.

Der Bundesregierung zufolge warten seit Jahren rund 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Die Zahl der Spenden ist aber seit 2012 kontinuierlich zurückgegangen. Mit nicht einmal 800 Organspenden habe es im vergangenen Jahr einen traurigen Rekord gegeben, sagte Spahn.

Der Entwurf sieht vor, dass die Transplantationsbeauftragten durch Freistellungen mehr Zeit für ihre Aufgaben erhalten. Hat ein Entnahmekrankenhaus mehr als eine Intensivstation, soll für jede dieser Stationen mindestens ein Beauftragter tätig sein. Deren Aufgabe ist es, potenzielle Organspender zu erkennen, zu melden und mit Angehörigen zu sprechen. Auch ihre Rolle soll gestärkt werden: So sind die Transplantationsbeauftragten auf den Intensivstationen hinzuzuziehen, wenn Patienten nach ärztlicher Beurteilung als Organspender in Betracht kommen. Sie erhalten auch ein Zugangsrecht zu den Intensivstationen und Einsicht in Patientenakten.

Die Entnahmekrankenhäuser sollen für den gesamten Prozess einer Organspende besser vergütet werden. Damit soll laut Spahn gewährleistet werden, dass nicht die Kliniken finanziell bestraft werden, die sich um eine Organspende kümmern.

Ein Rufbereitschaftsdienst soll gewährleisten, dass jederzeit flächendeckend und regional qualifizierte Ärzte bei der Feststellung des irreversiblen Ausfalls der Hirnfunktion zur Verfügung stehen. Vor allem kleinere Entnahmekrankenhäuser werden so unterstützt.

Potenzielle Organspender sollen besser erkannt und erfasst worden. Dazu ist die Einführung eines klinikinternen Qualitätssicherungssystems vorgesehen, das die Grundlage für ein flächendeckendes Berichtssystem bei der Spendererkennung und Spendermeldung schaffen soll. Künftig wird auch ausgewertet, weshalb bestimmte Kliniken bei Patienten die Möglichkeit von Organspenden nicht erkannt oder wahrgenommen haben. Weiter ist vorgesehen, Angehörige besser zu betreuen.

Unabhängig von diesem Gesetz macht sich Spahn, der im Dezember für den CDU-Vorsitz kandidieren will, seit längerem für eine Widerspruchslösung stark. Dabei gilt jeder automatisch als Organspender, außer wenn er selbst dies zu Lebzeiten ablehnt oder Angehörige sich dagegen aussprechen. Bisher sind Entnahmen in Deutschland nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt.

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