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Unternehmensnachrichten

Galeria Karstadt Kaufhof steht vor Chefwechsel

A shop of the German department store chain Galeria Karstadt Kaufhof is seen, during the spread of coronavirus disease (COVID-19) in Berlin, Germany, April 20, 2020. REUTERS/Axel Schmidt

Düsseldorf (Reuters) - Der angeschlagene Warenhausriese Galeria Karstadt Kaufhof steuert mitten im Kampf um sein Überleben auf einen Chef-Wechsel zu.

Vorstandschef Stephan Fanderl schlug dem österreichischen Eigner Signa die Trennung vor, wie er am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Insider hatten zuvor erklärt, Fanderl stehe vor dem Aus. Bei dem Warenhausunternehmen kamen Mitarbeiter am Vormittag zu Betriebsversammlungen zusammen. Sie erhoffen sich Klarheit über die Sanierungspläne für den Konzern, dessen Umsätze in der Corona-Krise wegbrechen. Die Pläne müssen bis Ende des Monats stehen.

Über eine Trennung von Fanderl wird schon länger spekuliert - denn der Manager war in der Galeria-Zentrale schon seit einiger Zeit nicht mehr an Bord. Fanderl befinde sich in einer Reha-Maßnahme, erklärt der Konzern seit Wochen. “Krankheitsbedingt war ich seit Mitte März nicht mehr in die Führung der Geschäfte eingebunden”, teilte der Manager dazu mit. Der Ausbruch der Corona-Pandemie habe “die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die fusionierte Warenhaus-Gesellschaft wie für den Handel insgesamt fundamental verändert”, fügte er hinzu: “Deswegen ist jetzt - im Rahmen des laufenden Schutzschirm-Verfahrens – Zeit für einen Neuanfang, und ich habe Signa eine einvernehmliche Trennung vorgeschlagen.” Er gehe davon aus, dass es in Kürze eine Einigung geben werde.

Von dem Konzern-Eigner Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko und Galeria waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten. Fanderl ist seit 2015 auch Geschäftsführer bei Benkos Signa Retail, die Gesellschaft bündelt Benkos Handelsbeteiligungen. Auch hier wolle er ausscheiden. Der bei Galeria bislang für Finanzen zuständige Vorstand Miguel Müllenbach könnte nach einer Trennung von Fanderl Interimschef bei dem Konzern werden, sagten Insider.

ZAHLREICHE WARENHÄUSER VOM AUS BEDROHT

Der Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Faktisch hatten mit der Umsetzung des Schutzschirm-Verfahrens der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz die Macht übernommen. Sie arbeiten an einem Sanierungskonzept für den Handelskonzern, das auch auf die Schließung von Filialen und den Abbau von Arbeitsplätzen abzielt. Bis zu 80 der 172 Kaufhäuser sind vom Aus bedroht, endgültige Entscheidungen gibt es aber noch nicht, hatten sie gesagt. Die Gewerkschaft Verdi sprach von einer “beabsichtigten Schließungsorgie”, die sie als Angriff auf die Existenz Tausender Warenhausbeschäftigter und ihrer Familien kritisierte. Die Gewerkschaft fordert in Verhandlungen mit dem Management einen Sozialtarifvertrag, der die Folgen von Schließungen für die Beschäftigten abfedern soll. Die Betriebsversammlungen seien der “Auftakt für eine aktive Tarifbewegung”.

Benkos Signa Holding hatte die Warenhaus-Gruppe und zahlreiche ihrer Immobilien im vergangenen Jahr vollständig übernommen. Der ehemalige Karstadt-Chef Fanderl - er hatte 2014 das Ruder bei den Essenern übernommen - führte den fusionierten Warenhaus-Riesen seit November 2018. Er hatte Karstadt und dann auch Kaufhof einen strikten Sparkurs verordnet. Fanderl war auch von der Arbeitnehmerseite kritisiert worden. Deren Vertreter hatten ihm vorgeworfen, kein schlüssiges Konzept für die Zukunft des Warenhausriesen vorgelegt zu haben. Verdi fordert einen solchen Plan auch vom Management und vom Eigner Benko.

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