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Kaufhof will nach Verlusten an Löhne der Beschäftigten
10. Oktober 2017 / 10:13 / vor 12 Tagen

Kaufhof will nach Verlusten an Löhne der Beschäftigten

Düsseldorf (Reuters) - Die defizitäre Warenhauskette Galeria Kaufhof will bei den Löhnen und Gehältern ihrer Mitarbeiter sparen.

The shopping mall "Galeria Kaufhof" in Frankfurt, Germany, March 15, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Kaufhof wolle in Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi einen neuen Tarifvertrag durchsetzen, der für die Beschäftigten Einschnitte mit sich bringen werde, sagte Arbeitsdirektor Peter Herlitzius am Dienstag. Kaufhof brauche eine “wettbewerbsfähige Kostenstruktur”, forderte der Chef des Europa-Geschäfts des nordamerikanischen Kaufhof-Eigners HBC, Wolfgang Link. Das Unternehmen müsse wieder nachhaltig Gewinne erzielen. Verdi prüft nun den Antrag des Konzerns, in Verhandlungen einzusteigen. Die Gewerkschaft setze alles daran, dass den Beschäftigten nicht in die Tasche gegriffen werde, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzender Uwe Hoepfel.

Ziel sei eine “Atempause”, bis der Umbau der Kette vollständig greife, erklärte Kaufhof weiter. Ein neuer Tarifvertrag sei notwendig, um wettbewerbsfähig zu sein und damit die rund 21.500 Arbeitsplätze zu erhalten, sagte Arbeitsdirektor Herlitzius. Kaufhof könnte sich bei einem Sonder-Tarifvertrag etwa Lohnerhöhungen aus den Tarifverträgen für den Einzelhandel sparen sowie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld antasten. Auch Konkurrent Karstadt hatte am Personal gespart. Die Kette hatte den Einzelhandelstarifvertrag gekündigt, ist aber inzwischen in die Tarifbindung zurückgekehrt.

Verdi stimmt Tarifverträgen zur Beschäftigungssicherung aber nur in Einzelfällen zu. Voraussetzung ist etwa die wirtschaftliche Schieflage eines Unternehmens. Unter anderem ein unabhängiger, von der Gewerkschaft benannter Gutachter soll nun die Kaufhof-Zahlen prüfen. Erst danach kann es Verhandlungen geben.

INSIDER - BENKO STRECKT FÜHLER NACH KAUFHOF AUS

Kaufhof kommt nicht zur Ruhe. Die Kette kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten, viele Kunden kehren Innenstädten und Warenhäusern den Rücken und bestellen ihre Einkäufe im Internet. Ein US-Investor hat die Kaufhof-Mutter HBC bereits aufgefordert, sich vom Europa-Geschäft rund um Kaufhof zu trennen. Ein möglicher Käufer stünde bereit: Insidern zufolge hat der österreichische Karstadt-Eigner Rene Benko seine Fühler nach dem Konkurrenten ausgestreckt. Die Nordamerikaner hatten Kaufhof 2015 vom Handelsriesen Metro übernommen, damals hatte Benko das Nachsehen. Benko habe weiter Interesse am Kaufhof, hatten Insider Reuters jüngst gesagt. Eine konkrete Offerte hat er aber noch nicht vorgelegt. Benkos Gesellschaft Signa hatte aber bereits verkündet, eine Milliarde Euro eingesammelt zu haben, das Eigenkapital bei Signa Prime summiere sich auf über vier Milliarden Euro.

HBC hat indes immer wieder betont, sich nicht von der Kette trennen zu wollen. Dabei läuft es bei Kaufhof nicht rund - der Kreditversicherer Euler Hermes hatte jüngst Insidern zufolge Garantiezusagen für Lieferungen an die Warenhauskette gekürzt. Zudem muss Kaufhof nach der Übernahme höhere Mieten zahlen.

Die Nordamerikaner haben Investitionen in die Modernisierung der Kette angekündigt und den Umbau eingeleitet, sie wollen die Verschränkung zwischen klassischen Warenhaus-Geschäft und den Online-Shops der Kette verbessern. Der seit rund einem halben Jahr als HBC-Europa-Chef amtierende Link hat eingeräumt, die Neuordnung werde lange andauern. “Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon”, sagte er jüngst einem Mitarbeiter-Magazin.

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