April 6, 2018 / 4:15 PM / 3 months ago

Magazin - Regierungspläne für umfassende Diesel-Nachrüstung

Berlin/Frankfurt (Reuters) - In der Bundesregierung wird nach einem Magazinbericht über eine umfassende Nachrüstaktion von Diesel-Autos mit finanzieller Unterstützung des Staates nachgedacht.

A market ready particulate filter retrofit system for passenger cars to avoid diesel emission is pictured in a garage of German exhaust aftertreatment technology group Baumot in Witten, Germany, March 7, 2018. Picture taken March 7, 2018. REUTERS/Thilo Schmuelgen

Es gebe “Überlegungen, zumindest einen Teil der Dieselflotte mit sogenannten SCR-Katalysatoren nachrüsten zu lassen”, berichtete der “Spiegel” am Freitag vorab. Zur Finanzierung der Aktion werde erwogen, dass die Autokonzerne fünf Milliarden Euro in einen Fonds einzahlen. “Die Regierung würde Geld zuschießen”, hieß es weiter, ohne dass dafür konkrete Zahlen genannt wurden. Die zuständigen Bundesminister wollten sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Kabinettsklausur nächste Woche auf Schloss Meseberg über das weitere Vorgehen in der Dieselkrise abstimmen.

Eine offizielle Bestätigung für die angeblichen Überlegungen gab es zunächst nicht - aber auch kein Dementi. Der neue Verkehrsminister Andreas Scheuer ließ auf Anfrage lediglich ausrichten: “Wir kommentieren nicht Spekulationen vor Meseberg, sondern arbeiten hart in Meseberg - mit dem Ziel, dass die Luftqualität in unseren Städten noch besser wird”. Das sei im Übrigen auch die Leitlinie im Koalitionsvertrag des schwarz-roten Regierungsbündnisses. Im Bundesfinanzministerium hieß es, von dem im Spiegel-Bericht genannte Programm sei dort nichts bekannt. Es gehöre auch nicht zu den im Koalitionsvertrag genannten prioritären Maßnahmen, für die zusätzliche Bundesmittel einzuplanen seien. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wusste ebenfalls nichts von solchen Plänen, wie eine Sprecherin sagte.

In den Regierungsüberlegungen ist nach dem “Spiegel”-Bericht nicht an eine flächendeckende Nachrüstaktion gedacht. Vielmehr sollen zunächst Diesel-Autos in den Regionen mit den genannten Katalysatoren versehen werden, in denen in besonderer Weise Fahrverbote drohen: etwa im Raum Stuttgart, Rhein-Main oder München. Nachgerüstet werden sollten Fahrzeug-Modelle, für die es schon entsprechende Sets gebe - etwa solche, die in die USA mit ihren strengeren Schadstoff-Grenzwerten exportiert werden.

Im Koalitionsvertrag bekannten sich SPD, CDU und CSU zu einer Förderung der Elektromobilität, aber auch zu effizienteren und sauberen Verbrennungsmotoren. Dabei wollen sie gemeinsam mit Ländern und Kommunen die Luftqualität insbesondere in außerordentlich stark belasteten Innenstädten verbessern. Fahrverbote sollen allerdings vermieden werden. Ausdrücklich wird auch die Möglichkeit technischer Nachrüstungen für Diesel-Fahrzeuge erwähnt, um den Stickoxid-Ausstoß zurückzuführen.

Die Autoindustrie lehnt eine Hardware-Lösung mit einem Umbau von Motoren ab. Da dies zwei bis drei Jahre für Entwicklung, Tests und neue Genehmigungen in Anspruch nehme, lohne es sich nicht, denn bis dahin seien genug Dieselwagen mit der neuesten Abgasreinigungstechnik auf dem Markt. Die deutschen Autobauer haben für Millionen Fahrzeuge jedoch eine Software-Nachrüstung zugesagt, die den Stickoxid-Ausstoß um 25 bis 30 Prozent senken soll. Es ist fraglich, ob das ausreicht, um die Luft in Ballungsgebieten sauber genug zu bekommen.

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