April 2, 2019 / 9:10 AM / in 19 days

Extremwetter 2018 hilft deutscher Klimabilanz

The sun rises behind the billowing chimneys of a power station in Berlin, November 27, 2013. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: ENERGY ENVIRONMENT TPX IMAGES OF THE DAY)

Berlin (Reuters) - Der heiße Sommer, höhere Benzin- und Kohlepreise sowie der Ökostrom-Ausbau haben den Treibhausgas-Ausstoß Deutschlands erstmals seit Jahren wieder gedrückt.

2018 wurden knapp 869 Millionen Tonnen Klimagase in die Atmosphäre geblasen und damit 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr, wie die am Dienstag veröffentlichte vorläufige Berechnung des Umweltbundesamtes zeigt. Damit ging erstmals seit vier Jahren der Ausstoß wieder nennenswert zurück. Dies schloss auch den Verkehrssektor ein. Neben dem Ausbau von Wind- und Solarstrom machte sich der heiße Sommer und der milde Winter bemerkbar: So wurde zum einen weniger geheizt. Zum anderen verteuerte das Niedrigwasser vieler Flüsse die Transportkosten für Kohle, Heizöl oder Benzin. Dadurch wurde weniger gefahren und auch weniger Kohle in Kraftwerken verbrannt.

Umweltministerin Svenja Schulze sprach von einem Extremwetter-Jahr, das den Menschen die Folgen des Klimawandels vor Augen geführt habe. “Nach dem außergewöhnlichen Klimawandeljahr 2018, muss 2019 jetzt zum Klimaschutzjahr werden.” Die Zahlen zeigten einerseits, dass man die Instrumente für den Klimaschutz in der Hand habe. Zum anderen gelte aber: “Es ist vollkommen klar, dass wir noch mehr Tempo aufnehmen müssen.”

Denn trotz des Rückgangs ist Deutschland von seinen Klimazielen weit entfernt. Im Vergleich zu 1990 ging der Treibhausgas-Ausstoß um 30,6 Prozent zurück. Bis 2020 sollten es eigentlich 40 Prozent sein. Prognosen sagen bis dahin jedoch allenfalls einen Rückgang um 32 bis 33 Prozent voraus. Damit wenigstens das international verbindliche Ziel für 2030 von 55 Prozent erreicht wird, hat Schulze den Entwurf eines Klimaschutzgesetzes vorgelegt. Er ist allerdings in Koalition und der Regierung umstritten und liegt auf Eis. “Dieses Gesetz muss dieses Jahr beschlossen werden, ebenso wie Maßnahmenpakete in allen Bereichen, damit Deutschland wieder auf Zielkurs kommt”, forderte die SPD-Politikerin.

AUCH VERKEHRSSEKTOR VERBUCHT RÜCKGANG

Vom Rückgang der Emissionen von insgesamt 38 Millionen Tonnen entfielen mehr als ein Drittel auf die Kraftwerke. Die Transportprobleme auf den Flüssen aber auch der deutlich gestiegene Preis für Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte führte zum Aus einer Reihe von Kohlekraftwerken. Wegen des gestiegenen Heizölpreises und des milden Winters wurden in den Haushalten 15 Millionen Tonnen Treibhausgas weniger produziert: Die ebenfalls so gestiegenen höheren Diesel- und Benzinpreise trugen wiederum zum Rückgang von fünf Millionen Tonnen im Verkehr bei.

Der Verkehr steht in der Klimadebatte im Fadenkreuz, da der Sektor im Vergleich zu 1990 praktisch kein CO2 eingespart hat. Eine Regierungskommission konnte sich kürzlich nicht auf Paket verständigen, um die Ziele des Sektors für 2030 zu erreichen. Kanzlerin Angela Merkel verlangte einschneidende Änderungen: “Das können wir nur durch einen radikalen Wandel zu Elektromobilität oder Wasserstoff oder ganz anderen Dinge erreichen”, sagte sie bei einer Diskussion mit Schülern in Berlin. Kommende Woche tage erstmals das Klimakabinett der Regierung. Diese Ministerrunde soll dafür sorgen, dass das Klimaschutzgesetz dieses Jahr beschlossen werden kann.

Umweltgruppen wie der WWF sprachen von einer Klimabilanz der Blöße für die Regierung. Die Verbesserungen seien witterungsbedingt und nicht auf das Handeln der Regierung zurückzuführen. Greenpeace-Experte Karsten Smid sagte: “Ein warmer Winter kann keine erfolgreiche Klimapolitik ersetzen.”

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