February 19, 2018 / 2:51 PM / 7 months ago

AfD überholt im Bund erstmals die SPD in Wählergunst

Berlin (Reuters) - Zum Auftakt des SPD-Mitgliederentscheids über eine große Koalition fallen die Sozialdemokraten in einer Umfrage erstmals bundesweit hinter die AfD zurück.

AFD leader Jorg Meuthen and co-leader Alexander Gauland (R) attend the anti-immigration party Alternative for Germany (AfD), congress in Hanover, Germany December 3, 2017. REUTERS/Fabian Bimmer

In der Insa-Erhebung für die “Bild” verbessert sich die rechtspopulistische Partei um einen Punkt auf 16 Prozent, während die Sozialdemokraten einen Punkt verlieren und bei 15,5 Prozent stehen. Dies sind nochmal fünf Punkte weniger als das historisch schlechte Ergebnis von 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl im September, wegen dem die Parteispitze zunächst in die Opposition gehen wollte. Die AfD wäre der am Montag vorab veröffentlichten Umfrage zufolge nun zweitstärkste Kraft.

Die Union kann sich dagegen um zweieinhalb Punkte auf 32 Prozent verbessern und bleibt auf dem ersten Platz. “Die Union ist derzeit die einzige Volkspartei. Die Erneuerungszusage scheint zu wirken”, sagte Insa-Chef Hermann Binkert zu “Bild”. Hinter der SPD folgen laut Umfrage die Grünen (13 Prozent), die Linkspartei (elf Prozent) und die FDP (neun Prozent). Die 2040 Teilnehmer wurden zwischen Freitag und Montag befragt. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel kommentierte das Ergebnis bei Twitter mit der Bemerkung: “Wir sind Volkspartei!”

Auch im wöchentlichen RTL/n-tv-Trendbarometer erreicht die SPD mit 16 Prozent den niedrigsten Wert, den das Institut Forsa in 25 Jahren für die Sozialdemokraten ermittelt hat. Im Vergleich zur Vorwoche ist das ein Punkt weniger.

Der Mitgliederentscheid über eine Neuauflage des Bündnisses mit der Union läuft gerade an. Bis Dienstag sollen alle abstimmungsberechtigten 463.723 Mitglieder die Unterlagen in ihren Briefkästen haben. Die im Ausland lebenden SPD-Mitglieder können ab diesem Tag online abstimmen. Die Stimmen müssen bis zum 2. März 24.00 Uhr beim Parteivorstand eingetroffen sein. Am 4. März soll das Ergebnis bekanntgegeben werden.

Hinter der SPD liegen schwierige Wochen, nachdem die Parteispitze nun doch in eine große Koalition eintreten will. Martin Schulz ist inzwischen als Parteichef zurückgetreten und hat auch von seinem Vorhaben Abstand genommen, Außenminister werden zu wollen. Beim Sonderparteitag am 22. April soll Nahles zur neuen Vorsitzenden gewählt werden.

FORSA-CHEF: SPD VERLIERT JEDEN FÜNFTEN WÄHLER

Der Forsa-Umfrage zufolge stehen die Deutschen der designierten Parteichefin aber skeptisch gegenüber. Ihr würden “nur wenige positive Eigenschaften” zugeordnet, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. “So halten sie nur 13 Prozent aller Bundesbürger für fähig, die Probleme des Landes in den Griff zu bekommen.” Damit liegt sie wie auch bei weiteren abgefragten Werten unter denen, die im September 2017 vor der Bundestagswahl für Schulz ermittelt worden waren.

Auch im direkten Vergleich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel schneidet Nahles schlechter ab. Bei einer Direktwahl würden sich nur 16 Prozent für die SPD-Fraktionsvorsitzende entscheiden. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. 47 Prozent (plus 1) würden Merkel wählen. Während 85 Prozent der Unions-Anhänger für Merkel votieren würden, könnte Nahles nur auf die Stimmen von 40 Prozent der SPD-Anhänger setzen.

Die SPD verliere im Vergleich zur Wahl im September jeden fünften ihrer Wähler, sagte Güllner. Von den SPD-Wählern, die sich nicht mehr für die Sozialdemokraten entscheiden würden, würde ein Drittel (34 Prozent) gar nicht mehr wählen. 24 Prozent würden zu den Grünen abwandern, 20 Prozent zu den Unionsparteien, elf Prozent zur Linkspartei, sechs Prozent zur FDP, vier Prozent zur AfD und ein Prozent zu einer sonstigen Partei.

Die Union kann auch bei Sonntagsfrage von Forsa zulegen - und zwar im Vergleich zur Vorwoche um drei Punkte auf 34 Prozent. Die Grünen bleiben mit 13 Prozent ebenso unverändert wie die Linke mit zehn Prozent. Die FDP verliert einen Punkt auf neun Prozent, die AfD verharrt bei 13 Prozent. Für die Umfrage interviewte Forsa vom 12. bis 16. Februar 2501 Wahlberechtigte.

Die SPD-Spitze um den kommissarischen Vorsitzenden Olaf Scholz und Fraktionschefin Nahles hatte am Wochenende begonnen, auf Regionalkonferenzen für die Annahme des Koalitionsvertrags zu werben. Insgesamt soll es sieben solcher Versammlungen an der Basis geben. Aber auch die Gegner einer neuen “Groko” - allen voran die Jusos und ihr Vorsitzender Kevin Kühnert - werben bis Anfang März auf bundesweiten Veranstaltungen für ihre Position.

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