September 10, 2019 / 10:14 AM / 7 days ago

Baubranche noch immun gegen Konjunkturkrise - erhöht Prognose

A construction worker is pictured at the construction site of the new terminal 3 of Frankfurt Airport in Frankfurt, Germany April 29, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski

Berlin (Reuters) - Die Baubranche kann sich noch von der Konjunkturflaute in Deutschland abkoppeln und boomt weiter.

Der mittelständische Verband ZDB erhöhte seine Prognose für das Umsatzwachstum 2019 von sechs auf 8,7 Prozent und peilt Erlöse von 137,5 Milliarden Euro an. “Damit ist die Bauwirtschaft momentan die Konjunkturlokomotive Nummer eins”, sagte ZDB-Präsident Reinhard Quast am Dienstag in Berlin. Für 2020 sei mit einem Plus von fünf Prozent zu rechnen. Klammert man hier steigende Baupreise aus, dürften die Umsätze real stagnieren. Die Zahl der Beschäftigten werde 2019 um rund 18.000 auf 855.000 steigen. Die Gewerkschaft IG BAU forderte, die Beschäftigten stärker an der guten Entwicklung zu beteiligen: “Es ist überfällig, dass Bauarbeiter ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen.”

Die Binnennachfrage stützt sich derzeit auf die Kauflaune der Verbraucher sowie gute Geschäfte am Bau und bei Dienstleistern. Da die exportorientierte Industrie wegen der Zollkonflikte und der Brexit-Unsicherheit schwächelt, droht Deutschland in eine vorübergehende Rezession zu rutschen. Deshalb schauen Ökonomen derzeit mit Argusaugen, ob und wann die Industrieschwäche auf andere Branchen übergreift.

Für den Wirtschaftsbau erwartet der ZDB trotz weniger Baugenehmigungen dank steigender Aufträge vor allem der Dienstleister bis zum dritten Quartal eine positive Umsatzentwicklung. Zum Jahresende erwartet Quast einen “Tempoverlust”. Im Gesamtjahr dürfte die Sparte um 7,5 Prozent zulegen. Allerdings werde sich die produzierende Industrie - wie etwa die Autobauer - mit Investitionen wohl künftig zurückhalten. “Wir glauben, dass es 2020 einen Einbruch gibt.”

BAUARBEITER - “DER SCHÖNSTE JOB DER WELT”

Der Wohnungsbau, der wegen guter Konjunktur und niedriger Zinsen seit Jahren floriert, wird nach ZDB-Schätzung um neun Prozent wachsen. “Wir gehen davon aus, dass das Baukindergeld in den folgenden Monaten auch im Neubau Wirkung zeigt”, erläuterte Quast. Die anziehenden Investitionen der Öffentlichen Hand - und hier vor allem des Bundes - seien positiv. Allerdings beobachte man die weiter zurückhaltenden Ausgaben der Gemeinden mit Sorge. “Ihnen gelingt es nicht, den Verschleiß ihrer öffentlichen Infrastruktur aufzuhalten und abzubauen.”

Die traditionell eher renditeschwachen Baufirmen konnten laut ZDB ihre Gewinnmargen zuletzt von zwei auf rund drei Prozent steigern. Der Verbandchef warb in Zeiten des Fachkräftemangels für den Beruf des Bauarbeiters als “schönsten Job” der Welt. “Du bist draußen, kannst dich bewegen, siehst was du gemacht hast und wirst noch dafür bezahlt - besser geht’s nicht”, sagte Quast.

Die Gewerkschaft fordert derweil nicht nur beim Tariflohn, sondern auch bei den Mindestlöhnen “ein kräftiges Plus”, wie IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt betonte. Höhere Mindestlöhne und eine untere Lohngrenze für Facharbeiter im Osten seien zudem “ein entscheidender Beitrag gegen den Dumping-Wettbewerb in der Branche”. Arbeitgeber und Gewerkschaft verhandelt am 23. September über das Thema.

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