March 19, 2020 / 9:05 AM / 17 days ago

DIW - Absturz in die Rezession wegen Corona-Krise unvermeidlich

The skyline is pictured at the end of the first day under a partial lock down of the city by authorities due to the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Frankfurt, Germany, March 18, 2020. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält wegen der Corona-Krise eine Rezession für unvermeidlich.

“Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr sicher in eine Rezession stürzen”, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen am Donnerstag in Berlin. Wie genau es weitergehe, sei derzeit unvorhersehbar. Denkbar seien zwei Szenarien. “Entweder ein V, also baldige Nachholeffekte von Produktion und Konsum nach einem rapiden Absturz, so wie es bei anderen Epidemien wie Sars, der Schweine- oder Vogelgrippe der Fall war”, sagte der Experte. Dann könnte das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,1 Prozent schrumpfen.

“Es kann aber – und das scheint derzeit realistisch – auch zu einem L-Verlauf der Wirtschaft kommen, in dem nach dem Absturz eben erstmal nichts groß nachgeholt wird und Konsum und Produktion auf einem deutlich niedrigeren Niveau bleiben”, sagte Michelsen. “Die Rezession würde dann noch deutlich schwerer ausfallen.” Eine konkrete Prognose dazu wollte das DIW nicht wagen.

Dieses Szenario zu vermeiden, müsse vordringlichste Aufgabe der Politik sein. “Vor allem kleine Unternehmen und Solo-Selbständige wissen nicht einmal, ob sie die Krise wirtschaftlich überleben werden”, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. “Es kommt nun darauf an, schnell und unbürokratisch Finanzhilfen bereitzustellen. Oberste wirtschaftspolitische Priorität sollte die Stabilisierung von Beschäftigung und die Verhinderung von Insolvenzen sein.” Mehr internationale Kooperation und europäische Lösungen seien notwendig.

Fratzscher kann sich angesichts der Ausbreitung von Kurzarbeit und einem erwarten Anstieg der Arbeitslosigkeit auch Helikoptergeld vorstellen, wobei Konsumenten pauschal Geld vom Staat bekommen würden. “Das ist eine Option”, sagte er. Bei 1000 Euro pro Kopf würde das den Staat insgesamt rund 83 Milliarden Euro kosten, was etwa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entsprechen würden. “Das wäre machbar für eine Bundesregierung, die finanziell hervorragend dasteht”, sagte Fratzscher. “Der deutsche Staat kann sich immer noch zu negativen Zinsen refinanzieren.” Er habe in den vergangenen Jahren Schulden abgebaut und Überschüsse erzielt.

Der DIW-Chef warnte vor einer neuen Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone. “Es gilt, ähnlich einem Virus, die Ansteckung über Ländergrenzen hinweg zu vermeiden”, sagte er. Sorgen bereite vor allem Italien. “Italien hat eine sehr angeschlagene Wirtschaft. Sie ist in den vergangenen Jahren kaum gewachsen”, sagte Fratzscher. “Es muss in deutschem Interesse sein, dass Italien nicht in Schieflage kommt.” Dagegen könnten etwa Coronavirus-Anleihen helfen.

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