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Deutsche Wirtschaft trotz zäher Regierungsbildung im Aufwind
November 23, 2017 / 8:42 AM / 21 days ago

Deutsche Wirtschaft trotz zäher Regierungsbildung im Aufwind

Berlin (Reuters) - Trotz der schwierigen Regierungsbildung gewinnt die deutsche Wirtschaft an Schwung.

An employee works on a track of a MACK Rides rollercoaster at the production plant in Waldkirch near Freiburg, Germany April 28, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Die Industrie wuchs im November so stark wie seit fast sieben Jahren nicht mehr, fand das Markit-Institut bei seiner am Donnerstag veröffentlichten Umfrage unter 800 Unternehmen heraus. Der Einkaufsmanagerindex stieg überraschend um 1,9 auf 62,5 Punkte und liegt damit weit über der Marke von 50 Zählern, ab der das Barometer Wachstum signalisiert. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang auf 60,4 Punkte erwartet. “Der deutschen Wirtschaft geht es prächtig”, sagte Markit-Experte Phil Smith. “Die Industrie verzeichnet momentan sogar den stärksten Boom seit über zwei Jahrzehnten.” Die Betriebe profitierten von Bestellungen aus Asien und den USA und würden insgesamt “mit Neuaufträgen geradezu überflutet.”

Das Barometer für die Dienstleister stieg leicht um 0,2 auf 54,9 Punkte. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - also Industrie und Service-Branche zusammen - kletterte überraschend deutlich um 1,0 Punkte auf 57,6 Zähler. Die Daten signalisierten, dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresende noch eine Schippe drauflege, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Er rechne mit einem Wachstum von 0,9 Prozent im vierten Quartal. Zwar wurde die Umfrage vor dem überraschenden Abbruch der Sondierungsgespräche zwischen Union, FDP und Grünen abgeschlossen, doch zeichneten sich schwierige Gespräche bereits in den Wochen davor ab.

BRUMMENDER EXPORT TREIBT WIRTSCHAFT AN

Bereits im abgelaufenen Sommer-Quartal hatte es ein kräftiges Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,8 Prozent gegeben. Dafür sorgten steigende Exporte und Investitionen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist mehr als im Frühjahr mit 0,6 Prozent, aber weniger als zu Jahresbeginn mit 0,9 Prozent. Ein besseres Abschneiden verhinderten diesmal zurückhaltende Verbraucher: Ihre Konsumausgaben schrumpften erstmals seit fast vier Jahren. Trotzdem gehört Deutschland zu den am schnellsten wachsenden Industrienationen: Die USA schafften nur ein Plus von 0,7 Prozent, die Euro-Zone von 0,6 Prozent und Großbritannien von 0,4 Prozent.

“Deutschlands Erfolgsgeschichte geht weiter und weiter und weiter”, sagte ING-Ökonom Carsten Brzeski. Garant dafür sind die florierenden Exporte. Sie nahmen mit 1,7 Prozent schneller zu als die Importe mit 0,9 Prozent. Grund ist die verbesserte Weltkonjunktur. “Die Ausfuhrwirtschaft profitiert vor allem von der sich erholenden Wirtschaft in der Euro-Zone”, sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Im Vertrauen auf anhaltend gute Geschäfte investierten die Unternehmen mehr, vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge: Diese Ausrüstungsinvestitionen erhöhten sich um 1,5 Prozent. “Nehmen die Investitionen Geschwindigkeit auf, dann wird das Fundament für einen sich selbsttragenden Aufschwung gelegt”, erklärte Gitzel. “Unternehmen fragen Produkte anderer Unternehmen nach. Dadurch füllen sich die Auftragsbücher.”

Dagegen schrumpften die privaten Konsumausgaben erstmals seit Ende 2013, wenn auch nur um 0,1 Prozent. “Die Schwäche ist nur vorübergehender Natur und wird im Rückblick wie ein statistischer Ausrutscher aussehen”, ist sich DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle sicher. Rekordbeschäftigung und steigende Löhne sprechen dafür, dass die Verbraucher wieder mehr Geld ausgeben. Der Staatskonsum blieb im Sommer stabil, während die Bauinvestitionen um 0,4 Prozent schrumpften. “Die Auftragsbücher der Bauwirtschaft sind gut gefüllt”, sagte Gitzel. “Der Bau- und Renovierungsboom wird sich fortsetzen.”

Der Sachverständigenrat erwartet für 2017 ein BIP-Wachstum von 2,0 Prozent. Es wäre das achte Jahr mit einem Plus in Folge. Für 2018 werden 2,2 Prozent vorausgesagt. Die meisten Experten gehen nicht davon aus, dass sich das Scheitern der Sondierung zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen zur Bildung einer Bundesregierung kurzfristig negativ auf die Konjunktur auswirkt.

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