January 25, 2012 / 1:57 PM / 7 years ago

Schuldenkrise perlt an deutschen Firmen weitgehend ab

Berlin/München (Reuters) - Trotz Schuldenkrise und globaler Wirtschaftsflaute schieben die deutschen Unternehmen aufkommende Rezessionsängste beiseite.

Die Stimmung der Firmenchefs stieg im Januar den dritten Monat in Folge und signalisierte damit eine konjunkturelle Trendwende. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte um einen Punkt auf 108,3 Zähler und erreichte den höchsten Stand seit August 2011, wie das Münchener Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. “Die deutsche Wirtschaft startet mit Elan ins neue Jahr”, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die überraschend guten Zahlen dürften den Gewerkschaften in der anstehenden Tarifrunde Rückenwind geben, trotz der konjunkturellen Unsicherheit höheren Lohnabschlüsse durchzusetzen. Die IG Metall Baden-Württemberg will für die Metall- und Elektroindustrie bis zu 6,5 Prozent mehr Geld fordern. “Es besteht ein großer Nachholbedarf”, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann in Sindelfingen. Die Forderung werde endgültig am 23. Februar festgelegt. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hatte sich jüngst für eine Fortsetzung moderater Lohnpolitik ausgesprochen, die der heimischen Wirtschaft zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und boomenden Exporten verholfen hat.

“KEINE REZESSION”

Die positiven Ifo-Daten sind ein weiterer Beleg, dass sich die Wirtschaft erfolgreicher gegen die Schuldenkrise stemmt als gedacht. “Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Deutschland in eine tiefe Rezession rutschen wird”, sagte UniCredit-Experte Andreas Rees. “Die Konjunktur am Horizont hellt sich wieder auf. Es gibt einigen Grund zum Optimismus.” Der Internationale Währungsfonds hatte jüngst ein düsteres Konjunkturbild für die Euro-Zone gezeichnet und eine “milde Rezession” vorausgesagt. Der deutschen Wirtschaft traut der IWF 2012 nur 0,3 Prozent Wachstum zu. Laut Industrieverband BDI legt die Konjunktur zum Jahreswechsel nur eine Verschnaufpause ein. Der britischen Wirtschaft hingegen droht eine weitere Rezession. Sie schrumpfte zwar ähnlich wie die deutsche Ende 2011 um rund 0,2 Prozent zum Vorquartal, dürfte aber noch eine längere Durststrecke vor sich haben. “Dies sind wirtschaftlich extrem schwierige Zeiten”, räumte Premier David Cameron ein.

Die deutschen Firmenchefs hingegen blicken optimistisch auf die kommenden sechs Monate. Das Ifo-Barometer für die Geschäftsaussichten legte unerwartet stark um 2,3 auf 100,9 Zähler zu. Der Index für die Geschäftslage fiel dagegen leicht um 0,4 auf 116,3 Punkte. In der Industrie verbesserte sich die Stimmung besonders stark, ebenso in der Baubranche und bei den Dienstleistern. Im Groß- und Einzelhandel ließ sie etwas nach. “Es gibt keine Anzeichen, dass wir in eine Rezession rutschen, die auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen könnte”, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger zu Reuters.

RISIKO SCHULDENKRISE

Besonders die Außenhändler sind wieder zuversichtlicher. “Die Stimmung ist nicht euphorisch, aber im Export haben wir den Boden gefunden”, sagte Abberger, warnte aber: “Das Thema Schuldenkrise ist noch ganz wichtig, die kann die Konjunktur noch beschädigen. Auch Wirtschaftsminister Rösler sieht noch Risiken für die erwartete Belebung im ersten Halbjahr. “Voraussetzung hierfür ist, dass die Bewältigung der Euroschuldenkrise in geordneten Bahnen verläuft”, sagte der FDP-Politiker.

Neben der strengeren Regulierung macht die ungelöste Schuldenkrise auch der Finanzbranche weiter zu schaffen. Der CFS-Finanzplatzindex sank im vierten Quartal 2011 auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2009.

Der Ifo-Index gilt als wichtigstes deutsches Konjunktur-Barometer und sagt die Entwicklung der kommenden Monate recht zuverlässig vorher. Die Bundesbank rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 0,6 Prozent. Es soll sich 2013 auf 1,8 Prozent verdreifachen. Im abgelaufenen Jahr hatte es noch ein Plus von drei Prozent gegeben. Größtes Standbein dürfte 2012 die Binnennachfrage sein, angetrieben von zunehmender Beschäftigung und steigenden Einkommen.

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