December 18, 2019 / 9:21 AM / a month ago

Firmenstimmung steigt - "Wirtschaft geht zuversichtlicher ins neue Jahr"

Containers are seen at a terminal in the port of Hamburg, Germany November 14, 2019. REUTERS/Fabian Bimmer

Berlin (Reuters) - Nach langer Unsicherheit wegen Brexit und Handelskonflikten geht das Jahr 2019 für die deutsche Wirtschaft etwas versöhnlich zu Ende.

Das wichtigste Konjunkturbarometer für Deutschland, der Ifo-Index, kletterte im Dezember überraschend kräftig um 1,2 auf 96,3 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Juni. “Die deutsche Wirtschaft geht zuversichtlicher ins neue Jahr”, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Mittwoch zur Umfrage des Münchner Instituts unter rund 9000 Managern. Die Firmenchefs beurteilten ihre Aussichten und ihre Geschäftslage günstiger als zuletzt. “Das Ifo-Geschäftsklima hat mit seinem recht deutlichen Anstieg die Hoffnungen auf eine wieder bessere Konjunktur im kommenden Jahr gestärkt”, sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen.

Die Schwäche der Industrie und die Unwägbarkeiten rund um den britischen EU-Austritt sowie die von den USA angefachten Zollkonflikte hatten zuletzt Spuren in der erfolgsverwöhnten Exportwirtschaft hinterlassen. Im Frühjahr war die deutsche Wirtschaft geschrumpft und hatte im Sommer mit einem Mini-Wachstum eine vorübergehende Rezession nur knapp vermieden. Zuletzt stieg der Ifo-Index allerdings drei Mal in vier Monaten. “Die Wirtschaft arbeitet sich langsam aus ihrem Tief heraus”, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters. Die Konjunktur dürfte im Schlussquartal 2019 um 0,2 Prozent zulegen. “Die Industrie ist noch in der Rezession und wird noch eine Weile brauchen, um sich daraus zu befreien.” Solange das nicht der Fall sei, könne man aber noch nicht von einer “echten Trendwende” reden.

Der LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert sprach ebenfalls von einem “versöhnlichen Abschluss eines etwas verkorksten Jahres”. Nun müsse man hoffen, “dass mit der Entspannung in Sachen Brexit und Handelsstreit auch die Industriekonjunktur wieder Tritt fasst”. Nach dem klaren Wahlsieg des britischen Premierministers Boris Johnson dürfte der britische EU-Austritt nun Ende Januar über die Bühne gehen. Doch neue Risiken drohen, denn eine Übergangsfrist für die Handelsbeziehungen soll wohl nur bis Ende 2020 gelten. “Zum Jahresende scheint die Talsohle endlich durchschritten und der Konjunkturhimmel für Deutschland hellt sich trotz fortbestehender Belastungen auf”, sagte NordLB-Chefökonom Christian Lips.

BAUBRANCHE PEILT FÜR 2020 REKORDUMSATZ AN

In den deutschen Industriebetrieben sind die Produktionspläne derzeit aber weiter auf Kürzungen ausgerichtet, wie Ifo-Chef Fuest betonte. “Zudem kommen die Firmen zurzeit schwieriger an neue Kredite.” Im Dienstleistungssektor stieg der Index auf den höchsten Wert seit einem halben Jahr. Im Handel jedoch habe sich das Geschäftsklima verschlechtert. Im Bauhauptgewerbe sank das Barometer wegen pessimistischerer Erwartungen. “Die aktuelle Lage hielt sich hingegen auf sehr hohem Niveau.” Die Baubranche peilt für 2020 allerdings ein Umsatzplus von 5,5 Prozent auf den Rekordwert von 145 Milliarden Euro an. Zudem sollen 13.000 neue Jobs geschaffen werden und die Zahl der Beschäftigten damit im Jahresschnitt auf 870.000 steigen, wie der Industrieverband HDB und der mittelständische ZDB in Berlin erklärten.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet in seiner neuen Konjunkturprognose für nächstes Jahr mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,9 Prozent, nach 0,5 Prozent 2019. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) geht in seiner neuen Schätzung von 0,8 Prozent Wachstum für 2020 aus. Sollte der Handelsstreit aber wieder eskalieren oder es dennoch zu einem harten Brexit kommen, könnte das Wachstum “erheblich schwächer ausfallen oder zum Stillstand kommen”.

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