25. August 2017 / 08:14 / in einem Monat

Ifo-Index stabil - Firmen-Stimmung vor Wahl nahe Rekordhoch

Clemens Fuest, Co-Director of the Centre for European Economic Research (ZEW) speaks during an interview with Reuters in Frankfurt February 10, 2014. The European Central Bank's flagship crisis-fighting tool has been severely blunted by the assertion of Germany's top court that it exceeded the ECB's mandate, the head of the German ZEW think tank said. Picture taken February 10, 2014. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: BUSINESS)

Berlin (Reuters) - Vier Wochen vor der Bundestagswahl bleibt die Stimmung der deutschen Wirtschaft überraschend dicht am Rekordniveau.

Der Geschäftsklimaindex sank im August zwar minimal auf 115,9 Punkte nach dem Höchstwert von 116 Zählern im Juli, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Dennoch sei die Stimmung in den Chefetagen der Firmen wie bisher sehr gut, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. “Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs.” Ifo-Experte Klaus Wohlrabe sieht auch keine Gefahr einer Überhitzung: “Die deutsche Wirtschaft ist noch nicht am Limit. Da ist noch Luft nach oben.”

Das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur hatte zuletzt dreimal in Folge einen Rekordwert erzielt. Der letzte Index vor der Bundestagswahl am 24. September sank nun zwar etwas, fiel aber besser aus als von Ökonomen mit 115,5 Punkten erwartet. Der leichte Rückgang sei kein Beinbruch, sagten viele Experten wie Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank aus Liechtenstein. “Letztlich handelt es sich um statistisches Rauschen.” Auch KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner sieht keinen Anlass zur Sorge: “Die deutsche Wirtschaft brummt.” Die staatliche KfW-Bankengruppe erhöhte ihre Wachstumsprognose für 2017 von 1,6 auf 2,0 Prozent und ist auch für das nächste Jahr optimistischer.

DIESELAFFÄRE UND KARTELLVORWÜRFE ALS STIMMUNGSBREMSE

Die Ifo-Daten signalisieren Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer zufolge, dass derzeit vor allem der Konsum die Wirtschaft antreibe. Die Nachfrage der privaten Haushalte sei viel stabiler als etwa der Export, der früher oft den Aufschwung bestimmt habe. “Die Unternehmen sehen mit Blick auf die Konjunktur deshalb zu Recht weniger Risiken.” Die Manager beurteilten nach Ifo-Angaben ihre Geschäftslage zwar nicht mehr ganz so günstig wie zuletzt, die Aussichten für die kommenden sechs Monate aber so gut wie seit Anfang 2014 nicht mehr. “Der Ifo-Index trotzt weiter der Schwerkraft”, sagte Nordea-Analyst Holger Sandte. “Auch der feste Euro kann den rosigen Erwartungen der Unternehmen bislang nichts anhaben.”

Allerdings wirft die Dieselkrise um manipulierte Abgaswerte in der Autoindustrie einen Schatten auf die positiven Zahlen. “Die Dieselaffäre und die Kartellvorwürfe haben zwar in der Industrie bisher keine Spuren hinterlassen”, sagte Ifo-Fachmann Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. “Aber die Kfz-Händler leiden deutlich darunter. Sie spüren die Zurückhaltung der Kunden.” Deshalb habe sich auch die Stimmung im gesamten Einzelhandel - anders als in anderen Branchen - deutlich eingetrübt. Während es im Großhandel leicht bergab ging, kletterte die Stimmung in der Industrie auf einen Höchstwert. Auch im Bauhauptgewerbe sei der Index “weiter auf Rekordjagd”, betonte Ifo-Chef Fuest.

INVESTITIONEN UND KONSUM KURBELN WIRTSCHAFT AN

Steigende Bauausgaben, kauffreudige Verbraucher und mehr Investitionen sorgten dafür, dass die Wirtschaft auch im Frühjahr ihr kräftiges Wachstum fortgesetzte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte zwischen April und Juni um 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte und eine frühere Schätzung bekräftigte. Damit nimmt das BIP nunmehr seit drei Jahren Quartal für Quartal zu. Das hat es seit dem vorigen Jahrzehnt nicht mehr gegeben, als die Finanzkrise 2008 dem damaligen Boom ein jähes Ende bereitete.

Dank des Rückenwinds der Konjunktur und sprudelnder Steuereinnahmen erzielte der deutsche Staatshaushalt im ersten Halbjahr wieder einen kräftigen Überschuss. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen 18,3 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Der Überschuss entspricht 1,1 Prozent des BIP. Damit ist der deutsche Staat nicht wie viele andere Euro-Länder in den roten Zahlen. Die EU-Verträge sehen eine Höchstgrenze beim Defizit von drei Prozent des BIP vor.

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