25. September 2017 / 11:51 / vor 23 Tagen

Neue Regierung kann auf gute Konjunktur bauen

An employee checks spools of plastic fibre in a giant loom at the Open Hybrid Lab Factory, which is a research and development center of several companies like German car maker Volkswagen, during a media tour to present Volkswagen's so called "Blaue Fabrik" (Blue Factory) environmental program, in Wolfsburg, Germany May 19, 2017. REUTERS/Fabian Bimmer

Berlin/München (Reuters) - Die künftige Bundesregierung kann mit einer robusten Wirtschaft im Rücken loslegen.

Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen ließ zwar vor der Bundestagswahl überraschend nach, ist aber immer noch ausgezeichnet. Der Geschäftsklima-Index fiel im September um 0,7 auf 115,2 Punkte, wie das Ifo-Institut bei seiner Umfrage unter 7000 Managern herausfand. “Die neue Legislaturperiode startet trotzdem mit dem Rückenwind einer starken Konjunktur”, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Montag. Schließlich liege der wichtigste Frühindikator für die Konjunktur klar über seinem langfristigen Mittelwert von 102,1 Punkten und nur knapp unter seinem im Sommer erreichten höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Allerdings könnte die Stimmung unter dem überraschenden Wahlausgang noch leiden.

“Das Bundestags-Wahlergebnis wird manchen überrascht haben”, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. “Jamaika” - wie das als erste Option geltende Bündnis aus Union, FDP und Grünen genannt wird - werde schwer zu realisieren sein. “Auch Neuwahlen sind nicht auszuschließen. Da kann sich schon Verunsicherung breit machen.” Die September-Umfrage wurde bereits vor der Wahl abgeschlossen.

Die Manager beurteilten dabei sowohl ihre Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter als zuletzt. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe trübte sich die Stimmung ein. “Die Industriefirmen waren auf hohem Niveau deutlich weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage”, so Fuest. “Auch die Erwartungen wurden etwas zurückgenommen.” Dieses Bild zeige sich in vielen wichtigen Industriesparten. Die Produktionspläne blieben jedoch expansiv ausgerichtet. Auch im Großhandel trübte sich das Klima ein, während es im Einzelhandel besser wurde und in der Baubranche sogar einen Rekordwert erreichte.

“KLEINE VERSCHNAUFPAUSE”

Eine Trendwende signalisiere der zweite Rückgang des Ifo-Index in Folge aber nicht, betonte Wohlrabe: “Wir sind auf einem so hohen Niveau, dass es nicht überraschend ist, dass die Wirtschaft eine kleine Verschnaufpause einlegt.” Viele Analysten sehen das ähnlich: “Die Stimmung ist trotz der jüngsten Eintrübung weiterhin außergewöhnlich gut, die Wirtschaft läuft”, sagte etwa der Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, Jörg Zeuner. “Dennoch wartet einiges an Arbeit auf die kommende Regierung, damit das auch in Zukunft so bleibt und niemand abgehängt wird.” Deutschland brauche nicht nur mehr Investitionen unter anderem in die Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum, sondern auch ein Bildungssystem, das keine Talente zurücklasse. Auch eine Gründungs-, Innovations- und Digitalisierungsoffensive sei vonnöten.

Experten erwarten nicht, dass der Aufschwung durch die Bundestagswahl akut gefährdet wird. “Aus Unternehmenssicht dominieren andere Themen”, sagte Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der Landesbank LBBW. “Da sieht es mit dem niedrigen Zinsniveau und den Zeichen der Belebung in den übrigen Staaten der Euro-Zone weiterhin gut aus.” Dafür dürften die Exportchancen durch den stärkeren Euro etwas gesunken sein, der deutsche Waren in anderen Währungsräumen verteuert. “Aber noch dürfte die Industrie damit gut zurechtkommen”, so Burkert.

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