August 27, 2018 / 8:13 AM / 4 months ago

Waffenstillstand mit Trump verbessert Stimmung in Wirtschaft

- von Rene Wagner und Jörn Poltz

FILE PHOTO: Aerial view of containers at a loading terminal in the port of Hamburg, Germany August 1, 2018. REUTERS/Fabian Bimmer/File Photo

München/Berlin (Reuters) - Aufatmen in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft: Der vorläufige Verzicht von US-Präsident Donald Trump auf Strafzölle auf europäische Autos dreht die Stimmung.

Der Geschäftsklima-Index des Münchner Ifo-Instituts kletterte im August mit 2,1 auf 103,8 Punkte nicht nur erstmals in diesem Jahr, sondern auch so kräftig wie seit Ende 2014 nicht mehr. “Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Sommerhoch”, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Montag zu der monatlichen Umfrage unter 9000 Führungskräften. “Der Waffenstillstand von Juncker und Trump sorgt für deutliche Erleichterung”, ergänzte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Trump hatte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Ende Juli zugesagt, vorerst auf Sonderzölle auf europäische Autos zu verzichten. Stattdessen soll es Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren geben. Dadurch verbesserten sich die Geschäftsperspektiven der deutschen Autobauer deutlich: Der Saldo der positiven und negativen Erwartungen, der im Juli noch bei minus 10,0 Punkten gelegen hatte, stieg in der August-Umfrage auf plus 4,9. Das Geschäftsklima in der Autobranche kletterte von 15,3 auf 20,9 Zähler.

An der Börse legten Aktien der Autobauer BMW, Volkswagen und Daimler zum Wochenbeginn merklich zu, zumal es wohl Fortschritte bei den Verhandlungen zur Überarbeitung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens gibt. Die Auto-Hersteller profitieren von einem reibungslosen Handel zwischen den USA und Mexiko, denn sie verkaufen in mexikanischen Fabriken produzierte Fahrzeuge auf dem US-Markt. Autos sind der größte deutsche Exportschlager. Höhere Zölle würden deshalb die gesamte Wirtschaft treffen.

“Auch dass die beiden wirtschaftlichen Supermächte USA und China Handelsgespräche führen, dürfte bei den deutschen Firmenlenkern positiv aufgenommen worden sein”, erklärte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. “Damit zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab.” Die beiden Länder haben sich gegenseitig mit Strafzöllen in Milliardenhöhe überzogen und damit die Sorge vor einem Abschwung des globalen Handels geschürt.

ABER NOCH KEINE ENTWARNUNG

Entwarnung geben Experten aber noch nicht. “Die Sorgen vor einem Konjunkturabschwung sollten einstweilen vertrieben sein, Euphorie wäre jedoch gleichwohl nicht angebracht”, sagte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank LBBW. “Eine Trendwende wird traditionell erst nach drei Anstiegen in Folge diagnostiziert.” Ähnlich sieht das der Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier: “Eine Eskalation des Konflikts der USA mit China könnte der deutschen Wirtschaft wehtun.” Im ersten Halbjahr wurden Waren “Made in Germany” im Wert von 101,5 Milliarden Euro in diese beiden Länder geliefert, was fast einem Sechstel der Gesamtexporte entspricht. Läuft es dort schlechter, bekommen das die Unternehmen zwischen Rügen und Bodensee rasch zu spüren.

Die Führungskräfte beurteilten in der Ifo-Umfrage ihre Geschäftslage diesmal besser, die Aussichten für die kommenden sechs Monate ebenfalls. In allen Branchen zog die Stimmung an. In der Industrie endete damit eine Serie von sechs Rückgängen in Folge. Auch bei den Dienstleistern, im Handel und in der Baubranche hellte sich die Stimmung auf. “Die starke Binnenkonjunktur überstrahlt die Unsicherheitsfaktoren”, so Ifo-Konjunkturexperte Wohlrabe. Vor allem die Touristikbranche habe vom sonnigen Wetter profitiert und blicke auch optimistisch auf die kommenden Monate. “Die Reisebranche erwartet einen goldenen Herbst.”

Konsum und Bauboom kurbelten die Konjunktur zuletzt an. Dadurch wuchs Europas größte Volkswirtschaft im zweiten Quartal um 0,5 Prozent, nachdem es zu Jahresbeginn nur zu 0,4 Prozent gereicht hatte. “Die aktuellen Zahlen deuten auf ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent im dritten Quartal hin”, sagte Ifo-Chef Fuest. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2018 mit 1,8 bis 1,9 Prozent aber etwas schwächer zulegen als in den beiden Vorjahren mit jeweils 2,2 Prozent.

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