April 28, 2020 / 7:59 AM / a month ago

Ifo - Wirtschaft bricht während Corona-Schließungen um 16 Prozent ein

The skyline with its financial district is photographed during sunset in Frankfurt, Germany, April 22, 2020, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Während der Corona-Schließungen ist die deutsche Wirtschaftskraft nach Schätzung des Ifo-Instituts um 16 Prozent eingebrochen.

Das ergebe eine Auswertung der April-Umfrage unter 8800 Unternehmen aus fast allen Branchen, teilten die Münchner Forscher am Dienstag mit. “Damit dürfte das Bruttoinlandsprodukt bereits im ersten Vierteljahr um 1,9 Prozent gesunken sein und dann im zweiten um 12,2 Prozent einbrechen”, erläuterte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Insgesamt dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr um 6,2 Prozent schrumpfen und damit stärker als während der Finanzkrise 2009 mit 5,7 Prozent. Der Mittelstand verlor einer KfW-Studie zufolge allein im März 75 Milliarden Euro Umsatz und so zwei Prozent seiner Jahreserlöse.

“Geschäftsschließungen, Reisebeschränkungen und Kontaktverbote führen zu Umsatzeinbrüchen, schmelzenden Liquiditätspolstern und unsicheren Geschäftsaussichten - und bedrohen die Existenz vieler kleiner und mittlerer Unternehmen”, teilte die staatliche Förderbank KfW zu einer Umfrage unter rund 3400 Unternehmen mit. Über 2,2 Millionen Mittelständler und damit rund 58 Prozent hatten im März Umsatzeinbußen aufgrund der Corona-Eindämmungsmaßnahmen. Im Schnitt geht den Unternehmen etwa die Hälfte (53 Prozent) der üblicherweise zu erwartenden Umsätze verloren. Dies entspreche etwa 39.000 Euro je Firma.

Die schrittweise Lockerung der Maßnahmen lasse auf eine Entspannung für die Mittelständler hoffen, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. “Doch eine Rückkehr zum Vor-Corona-Alltag wird für die meisten nicht reibungslos möglich sein, niedrigere Umsätze und Liquiditätsengpässe dürften die Mittelständler auch in den nächsten Wochen begleiten.” Ifo-Experte Wollmershäuser äußerte sich für die Gesamtwirtschaft ähnlich: “Zurück zum Zustand vor Corona sind wir erst Ende 2021.” Dann würden wieder so viele Waren und Dienstleistungen produziert wie in einer Situation ohne Pandemie. Das Bruttoinlandsprodukt müsse dafür im kommenden Jahr um 8,5 Prozent zulegen.

UMSATZMINUS DRÜCKT AUF LIQUIDITÄT - FINANZPOLSTER SCHMILZEN

Den größten Einbruch der Geschäfte im April meldeten laut Ifo Reisebüros und ‑veranstalter mit einem Minus von 84 Prozent, gefolgt von der Luftfahrt (minus 76 Prozent), dem Gastgewerbe (minus 68 Prozent), dem Gesundheitswesen (minus 45 Prozent), Kunst, Unterhaltung und Erholung (minus 43 Prozent) sowie dem Fahrzeugbau (minus 41 Prozent). Selbst der Handel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak verzeichnete ein Minus von sechs Prozent. Einziger Gewinner sei die Pharmaindustrie: Hier stieg die Auslastung um sieben Prozent.

Nach Ende der Einschränkungen dürften sich die einzelnen Branchen in sehr unterschiedlichem Tempo erholen. “Vor allem dort, wo Dienstleistungen für Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Beherbergung und Gaststätten erbracht werden, werden die Folgen der Corona-Krise bis weit ins nächste Jahr hinein zu spüren sein”, betonte Wollmershäuser. In der Industrie dürfte die Wertschöpfung ihr Vorkrisenniveau in einem Jahr wieder erreichen. Dabei ist unterstellt, dass das Virus in den nächsten Monaten zwar nicht besiegt, seine Ausbreitung aber eingedämmt und eine zweite Infektionswelle vermieden werden kann.

Die Umsatzeinbrüche belasten die Liquidität der Firmen deutlich. Rund 44 Prozent berichten laut KfW von schwindenden Finanzpolstern. Sofern die aktuelle Lage anhalte oder sich nicht verbessere (gerechnet ab 1. April 2020), verfügten ungefähr die Hälfte aller Unternehmen über Liquiditätsreserven, die bis maximal zwei Monate ausreichten. “Danach droht die Einstellung beziehungsweise Aufgabe der Geschäftstätigkeit.” Bei vier Prozent der Unternehmen reichten die liquiden Mittel nur ein bis zwei Wochen, bei weiteren 14 Prozent bis zu einem Monat. Dennoch stehe der Mittelstand vergleichsweise gut dar, sagte Köhler-Geib. “Die in den vergangenen Jahren aufgebauten Finanzpolster helfen in der aktuellen Krise, Verluste temporär zu verkraften und den Druck auf die Liquidität zu mindern.”

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