June 18, 2020 / 8:30 AM / 24 days ago

Institut - Deutsche Wirtschaft verliert in Corona-Krise 390 Mrd Euro

A general view of the Brandenburg Gate, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Berlin, Germany, April 17, 2020. REUTERS/Christian Mang

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft verliert durch die Corona-Pandemie nach Schätzung des Kieler IfW-Instituts weit mehr als eine Drittel Billion Euro.

Der krisenbedingte Ausfall an Wirtschaftsleistung summiere sich 2020 und 2021 auf mehr als 390 Milliarden Euro, teilte das Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag mit. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 6,8 Prozent einbrechen und damit so stark wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. “Wir rutschen jetzt in eine tiefe Rezession”, sagte auch die neue Wirtschaftsweise Veronika Grimm der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. “Es kann auf einen Wirtschaftseinbruch von 6,3 bis sieben Prozent übers Jahr hinauslaufen.” Zudem sei mit Blick auf die Virus-Pandemie unklar, “ob uns noch eine zweite Welle erwischt.”

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte in einer Regierungserklärung im Bundestag, dass Europa den Weg aus der Virus-Krise gemeinsam gehen müsse. “Die Pandemie und der mit ihr verbundene Wirtschaftseinbruch sind die größte Herausforderung in der Geschichte Europas.”

Die Kieler Forscher um Konjunkturchef Stefan Kooths warnten derweil, dass Deutschland als Europas größte Volkswirtschaft im April zwar seine Talsohle durchschritten habe. Auch dürften die Firmen mit den im Mai begonnenen Lockerungsmaßnahmen einen Teil der Produktionsverluste rasch wieder wettmachen. “Allerdings wird die vollständige Erholung von der Krise einige Zeit in Anspruch nehmen.” So seien wichtige Abnehmerländer von der Corona-Pandemie wirtschaftlich stärker betroffen als Deutschland, weshalb die Exporte nur nach und nach wieder anziehen dürften. “Die Achillesferse für die Erholung der deutschen Wirtschaft ist das Exportgeschäft.” Im nächsten Jahr dürfte das BIP aber kräftig um 6,3 Prozent zulegen.

MITTELSTAND VERLIERT PREISMACHT - FLAUTE BEI REISEBRANCHE

Unternehmen dürften sich daher vorerst noch mit Investitionen zurückhalten. Grund ist laut IfW die hohe Unsicherheit über den Fortgang der Pandemie und das durch die Absatzflaute geschwächte Eigenkapital. Etwas rascher dürfte sich der private Konsum erholen - trotz Einkommensverlusten vieler Verbraucher und der Sorge um die Job-Sicherheit.

Die Corona-Krise sorgt beim deutschen Mittelstand für Preisdruck, wie aus einer Umfrage der DZ Bank unter 1500 Betrieben hervorgeht. Demnach sahen sich im Februar und März nur noch knapp 20 Prozent der Firmen dazu in der Lage, ihre Absatzpreise zu erhöhen. Vor rund einem halben Jahr hätten noch fast 30 Prozent ihre Preise gesteigert. Zehn Prozent erwarten nun sogar Preissenkungen. Die Krise setzt vor allen den Reiseanbietern besonders stark zu. Die Umsätze von Reisebüros und -veranstaltern in Deutschland brachen im ersten Quartal binnen Jahresfrist um rund 23 Prozent ein. “Dies ist der stärkste Umsatzeinbruch in der Reisebranche seit 2008”, erklärte das Statistische Bundesamt.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below