May 28, 2019 / 12:40 PM / in a month

Statistikamt will Konjunkturdaten früher liefern - "Überfällig"

A two Euro coin is pictured next to a computer screen showing a stock graph in this illustration photo taken in Bordeaux, France, March 31, 2016. REUTERS/Regis Duvignau

Berlin (Reuters) - Die vom Statistischen Bundesamt angekündigte raschere Veröffentlichung wichtiger Konjunkturdaten findet den Beifall von Ökonomen.

“Es ist überfällig, dass das Statistische Bundesamt seine Daten schneller liefert”, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. “So haben die Wiesbadener Statistiker das deutsche Bruttoinlandsprodukt bisher erst veröffentlicht, nachdem die Brüsseler Statistiker das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für den Euroraum bekanntgegeben hatten.”

Deutschland ist die mit Abstand größte Volkswirtschaft Europas und weltweit die Nummer vier hinter den USA, China und Japan. Deutsche Konjunkturdaten können daher an den weltweiten Finanzmärkten die Anlageentscheidungen von Investoren und damit Börsenkurse beeinflussen, etwa von Euro und Staatsanleihen. “Das wäre gut für die Märkte”, sagte deshalb der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, zu den BIP-Plänen des Statistikamtes. “Bisher kommt nach etwa 30 Tagen eine Schätzung von Eurostat zur Euro-Zone, die ja auch Annahmen über Deutschland enthält. Erst zwei Wochen später kommt dann die deutsche Zahl. Das macht wenig Sinn.” Dass Deutschland derzeit seine erste Schnellschätzung zwei Wochen nach Frankreich, Spanien und anderen Euro-Ländern veröffentliche, “ist ja eher peinlich”.

“SOLLTE DER REALITÄT SCHON ZIEMLICH GENAU ENTSPRECHEN”

“Unsere Daten müssen dann, wenn der Entscheidungsträger sie braucht, mit hoher Qualität zur Verfügung stehen”, begründete der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel, in der “Frankfurter Rundschau” (Dienstagausgabe) den Vorstoß. Deshalb versuche man, die Erhebung und Verarbeitung der Daten zu beschleunigen. Als Beispiel nannte Thiel das Bruttoinlandsprodukt. “Da stehen wir kurz davor, den Zeitraum zwischen dem Ende des Quartals und der Veröffentlichung der Daten von 45 auf 30 Tage zu verkürzen”, sagte der Behördenchef. “In experimentellen Studien, die wir gerade durchführen, sehen wir, dass wir noch schneller werden können.”

Ökonomen hoffen, dass das höhere Tempo nicht dazu führt, dass die Ergebnisse später deutlich revidiert werden müssen. “Dann kann meines Erachtens auf den Aufwand verzichtet werden”, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. “Eine frühere Schnellschätzung sollte der Realität schon ziemlich genau entsprechen.”

Die Statistiker wollen mit der Einführung eines “Lkw-Maut-Fahrleistungsindex in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Güterverkehr” für ein deutlich beschleunigtes Konjunkturbarometer sorgen. “Wirtschaft und Politik bekommen damit bessere Gradmesser dafür, wie es gerade aussieht”, sagte Thiel. Damit könnten Regierung und Firmen früher auf Entwicklungen reagieren. Doch auch für die Akzeptanz der Arbeit des Statistischen Bundesamtes seien die Fortschritte von großer Bedeutung. “Für die Statistik ist es überlebenswichtig, dass wir näher an den Erfassungszeitraum der Daten herankommen”, sagte Thiel. “Es bringt uns wenig, wenn einer bei den großen Suchmaschinen sucht und etwas findet, was nicht die amtliche Statistik ist, weil unsere Daten zu alt sind.”

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