March 20, 2018 / 11:42 AM / 4 months ago

Handelsstreit sorgt für starken Rückgang beim ZEW-Index

Berlin (Reuters) - Der Handelskonflikt mit den USA dämpft den Konjunkturoptimismus von Börsianern überraschend deutlich.

Two men talk at the G20 Meeting of Finance Ministers in Buenos Aires, Argentina, March 19, 2018. REUTERS/Marcos Brindicci

Das Barometer für ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaft im kommenden halben Jahr sank im März um 12,7 auf 5,1 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit September 2016, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 220 Analysten und Anlegern mitteilte. Es ist bereits der zweite Rückgang in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 13,0 Zählern gerechnet. “Die Sorge vor einem durch die USA ausgelösten globalen Handelskonflikt lässt die Experten vorsichtiger in die Zukunft blicken”, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Auch der starke Euro belaste die Konjunkturaussichten für Deutschland als Exportnation.

US-Präsident Donald Trump sorgt mit seiner Ankündigung von Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium für Unmut bei den Handelspartnern und zugleich für Unsicherheit in der US-Wirtschaft. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier versucht derzeit bei Verhandlungen in Washington mit Vertretern der US-Regierung eine Verschärfung des Konflikts abzuwenden.

Ökonomen zeigen sich derzeit eher kritisch: “Die Wolken des Protektionismus am Konjunkturhorizont verdüstern die Erwartungen der Finanzmarktanalysten”, so Dekabank-Experte Andreas Scheuerle. Hier spielten allerdings weniger die Zölle auf Stahl und Aluminium eine so große Rolle, “sondern die Gefahr einer Eskalation der Handelsstreitigkeiten”. Auch Thomas Gitzel von der VP Bank aus Vaduz sprach von einem “Damoklesschwert”.

DEUTSCHE UNTERNEHMEN BESORGT ÜBER HANDELSSTREIT

Die Wirtschaft schlägt bereits Alarm. “Die deutschen Unternehmen hoffen sehr auf Tauwetter im US-Stahlstreit”, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Entscheidend sei jetzt, dass die USA wieder eine gemeinsame Basis mit der EU fänden. Denn es gehe nicht nur um einzelne Branchen oder Zölle, sondern auch um ein faires Miteinander auf Augenhöhe. “Genau wie die USA wollen wir in Europa einen fairen Welthandel.” Einseitig eingeführte Zölle seien dabei der “falsche, gefährliche Weg”.

ZEW-Chef Wambach warnte jedoch vor Pessimismus: “In Verbindung mit der immer noch sehr guten Lageeinschätzung ist der Ausblick weiter positiv.” Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage sank zwar ebenfalls - um 1,6 auf 90,7 Zähler. Das Barometer blieb aber auf hohem Niveau. Der Chefvolkswirt der Bank ING-Diba, Carsten Brzeski, sagte, ein schlechter Wert beim ZEW mache noch keinen Abschwung. Der Unterschied zwischen der Einschätzung von Lage und Erwartung sei jedoch bemerkenswert. “Diese Diskrepanz hat einen neuen temporären Höhepunkt erreicht, den höchsten Stand seit Ende 2011.”

Die deutsche Wirtschaft war Ende 2017 um 0,6 Prozent gewachsen und die Bundesbank geht davon aus, dass sich der kräftige Aufschwung im laufenden Quartal fortsetzt.

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