June 12, 2018 / 9:34 AM / 3 months ago

Handelsstreit verschreckt Börsenprofis - OECD optimistisch

Berlin (Reuters) - Börsenprofis beurteilen die Aussichten für die deutsche Konjunktur so skeptisch wie seit fast sechs Jahren nicht mehr.

Two Euro coins are seen at the Money Service Austria company's headquarters in Vienna, Austria, November 16, 2017. REUTERS/Leonhard Foeger

Das ergibt sich aus der monatlichen Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, die am Dienstag vorgelegt wurde. Das Barometer für die Erwartungen der 207 befragten Analysten und Anleger für das nächste halbe Jahr sank im Juni unerwartet stark um 7,9 Zähler auf minus 16,1 Punkte. “Die jüngste Eskalation im Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten sowie Befürchtungen hinsichtlich einer das Finanzsystem destabilisierenden Politik der neuen italienischen Regierung hinterlassen ihre Spuren im Konjunkturausblick für Deutschland”, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Hinzu kämen enttäuschende Daten zu Export, Produktion und Aufträgen der deutschen Industrie im April. “Der Ausblick für die nächsten sechs Monate hat sich in Folge deutlich verschlechtert”, ergänzte Wambach. Der Index fiel auf den tiefsten Stand seit September 2012 und blieb klar unter dem langfristigen Durchschnitt von plus 23,3 Punkten. Auch die aktuelle Lage schätzten die Experten schlechter ein als zuletzt.

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal mit 0,3 Prozent so langsam gewachsen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Einige Experten gehen davon aus, dass das Tempo im Frühjahr wieder angezogen ist. Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein warnte jedoch: “Vermutlich kommt die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal kaum vom Fleck.” Denn die Ängste vor einem Handelskrieg mit den USA nähmen zu.

Die Industriestaaten-Gruppe OECD hingegen sieht trotz aller Belastungsfaktoren weiter günstige Aussichten für die deutsche Wirtschaft. Sie sagt für 2018 und 2019 jeweils einen arbeitstäglich bereinigten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,1 Prozent voraus. OECD-Generalsekretär Angel Gurria sprach in Berlin von einer “etwas schwierigen und holprigen Phase” der deutschen Wirtschaft zu Jahresbeginn, die jedoch keine Korrektur der Prognose für das Gesamtjahr erforderlich mache.

HANDELSBILANZÜBERSCHUSS UNTER DER LUPE

Die Organisation bescheinigt den deutschen Exporteuren zwar eine hohe Leistungsfähigkeit. Sie verweist zugleich aber auf den von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochenen Zollstreit. Es gebe durchaus Risiken einer Abschwächung der Ausfuhren durch protektionistische Tendenzen oder eine geringere Nachfrage aus China: “Dies könnte die Wirtschaftsaussichten trüben.”

OECD-Generalsekretär Gurria warnte, hohe Leistungsbilanzüberschüsse könnten Handelspartnern als Vorwand dienen, Abschottungsmaßnahmen einzuleiten. Offenbar mit Blick auf die USA fügte der Mexikaner hinzu: “Das ist zwar nicht legitim, wird aber gemacht.” Staaten wie Deutschland mit sehr hohen Leistungsüberschüssen würden nun “unter die Lupe” genommen. Für Deutschland erwartet die OECD allerdings einen Rückgang der Kennziffer auf 7,9 Prozent des BIP im kommenden Jahr von 8,3 Prozent im laufenden.

Trump ist insbesondere das Defizit der USA im Handel mit Deutschland ein Dorn im Auge. Er sieht sein Land unfair behandelt und hat bereits Zölle auf Autos ins Spiel gebracht - was insbesondere die deutsche Wirtschaft hart treffen würde.

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