October 15, 2019 / 10:32 AM / in a month

Börsenprofis sehen Konjunktur skeptisch - Auch Merkel besorgt

The skyline with its banking district is photographed in Frankfurt, Germany, August 13, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Börsianer schätzen die deutschen Konjunkturaussichten weiter sehr skeptisch ein.

Das Barometer für ihre Erwartungen für das nächste halbe Jahr sank im Oktober um 0,3 auf minus 22,8 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 190 Analysten und Anlegern mitteilte. Ökonomen hatten gar mit einem Rückgang auf minus 27,0 Zähler gerechnet. Die Konjunkturlage bewerteten die Börsianer so schlecht wie zuletzt im April 2010. Die Experten erwarteten nach wie vor eine sich weiter verschlechternde Konjunktur in Deutschland, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. “Die jüngst erzielte Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China scheint derzeit nicht zu einer Verringerung der Konjunkturskepsis zu führen.”

Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich ebenso skeptisch. “Die konjunkturelle Entwicklung ist besorgniserregend”, sagte sie vor allem mit Blick auf die Maschinenbauer beim Verband VDMA. Diese Branche sei “so etwas wie ein Frühindikator.” Merkel machte für die Lage insbesondere internationale Handelskonflikte und hier die USA verantwortlich.

Den erfolgsverwöhnten und exportorientierten Firmen macht immer mehr die Unsicherheit der Kunden wegen des Zollstreits zu schaffen. “Die Party ist noch nicht vorbei, aber man sollte nahe am Ausgang tanzen”, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. Auch die deutsche Bahnindustrie verzeichnet Einbußen wegen zunehmenden Protektionismus’. Während das Inlandsgeschäft im ersten Halbjahr 2019 um drei Prozent verlor, sackte der Exportumsatz laut Branchenverband VDB um fünf Prozent. Die Abschottung internationaler Märkte etwa durch überzogene Zölle mache sich massiv bemerkbar.

Das Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal wegen schwächelnder Exporte um 0,1 Prozent geschrumpft. Im abgelaufenen Sommerquartal dürfte es erneut ein Minus gegeben haben, womit Deutschland erstmals seit dem Jahreswechsel 2012/13 in eine Rezession rutschen würde. Die Bundesregierung rechnet mit einer anhaltenden Flaute, sieht aber keine Konjunkturkrise heraufziehen. “Ein stärkerer Abschwung oder gar eine ausgeprägte Rezession sind gegenwärtig nicht zu erwarten”, hieß es jüngst im Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums.

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