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Wirtschaftsnachrichten

Autobauer können Konjunkturpaket wenig abgewinnen

BMW German luxury carmaker new CEO Oliver Zipse, speaks at the 2019 Frankfurt Motor Show (IAA) in Frankfurt, Germany. September 10, 2019. REUTERS/Wolfgang Rattay

Hamburg (Reuters) - Die neuen Konjunkturhilfen der Bundesregierung werden von der Autobranche mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bedauerte am Donnerstag, dass es die als Anschub in der Corona-Krise erhoffte Neuauflage der Abwrackprämie für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht geben wird. Die Senkung der Mehrwertsteuer und die Verdopplung des staatlichen Anteils an der E-Auto-Prämie könnten aber einen Beitrag leisten, um die schwache Autonachfrage anzukurbeln, sagte VDA-Chefin Hildegard Müller. Während BMW, Daimler und Volkswagen das Paket grundsätzlich begrüßten, kam von Betriebsratschefs teils harsche Kritik.

An der Börse senkten die Anleger den Daumen: Aktien der drei großen deutschen Autokonzerne büßten teils kräftig ein, weil nicht auch Verbrenner gefördert werden.

VDA-Chefin Müller fürchtet, dass auch der Juni ein schwieriger Monat für die Branche wird. Weitere Verzögerungen dürfe es nicht geben, deshalb müssten die Beschlüsse des Koalitionsausschusses schnell in Gesetze überführt werden. Sie wies darauf hin, dass Hersteller, Lieferanten und Autohäuser mitten im Umbruch steckten und massiv in die Elektromobilität investierten. “Ohne eine belastbare wirtschaftliche Perspektive werden sie die weitere Entwicklung in Richtung Klimaschutz und Digitalisierung nicht in dem Tempo und dem Umfang gestalten können, wie Deutschland sie braucht”, betonte sie. “Um wettbewerbsfähig zu bleiben und um Klimaschutz und Konjunktur zusammen zu denken, brauchen wir weiterhin einen Mix an Angeboten, der auch moderne und effiziente Verbrenner umfasst.” Müller stellte in Aussicht, dass die im Verband organisierten Hersteller die Mehrwertsteuersenkung “in vollem Umfang” an die Kunden weitergeben werden. Die einzelnen Unternehmen prüften zudem, inwieweit deren Wirkung durch eigene Maßnahmen verstärkt werden könne.

Daimler erklärte, die Absenkung der Mehrwertsteuer sei ein wichtiges Signal zur Stärkung der Binnennachfrage. “Die im Zukunftspaket enthaltenen Maßnahmen für klimafreundliche Mobilität von Nutzfahrzeugen und Pkw sind sinnvoll und unterstützen unsere zentralen Aufgaben der Transformation der Automobilindustrie: Digitalisierung und CO2-Neutralität.” VW sieht in dem Paket einen Hebel, um Konsum und Nachfrage anzuregen und damit die Wirtschaft in Gang zu bringen. “Volkswagen ist bereit, dazu beizutragen”, erklärte der Konzern. Die Niedersachsen stecken viele Milliarden in neue Elektroautos und wollen in wenigen Jahren zum Marktführer in umweltschonender Mobilität aufsteigen. Konzernchef Herbert Diess hatte sich für eine staatliche Kaufprämie unabhängig von der Antriebsart stark gemacht. BMW-Chef Oliver Zipse sagte, die beschlossenen Maßnahmen seien “ein wertvoller Transformationsbeschleuniger”.

“WERDEN ARBEITSPLÄTZE DAUERHAFT VERLIEREN”

Besonders scharf kritisierte Daimlers Betriebsratschef Michael Brecht das Paket. “Ich bin enttäuscht darüber, dass die Kaufprämie für Neufahrzeuge mit der neuesten Technologie für Verbrenner nicht kommt”, sagte er der Branchenzeitung Automobilwoche. “Wie stark uns der Corona-Schock trifft, werden die Bilanzen des zweiten Quartals schonungslos offenlegen. Wir werden Arbeitsplätze dauerhaft verlieren. Nun geht es darum, diese Zahl so gering wie möglich zu halten.” Audi-Betriebsratschef Peter Mosch sagte der “Augsburger Allgemeinen”, die einseitige Fokussierung auf E-Fahrzeuge gehe an den Kaufoptionen der Kunden vorbei. Dadurch werde nicht der gewünschte kräftige Nachfrage-Impuls für die heimische Automobil- und Zulieferindustrie entstehen.

Auch der Autohandel und die Werkstätten zeigten sich enttäuscht. “Damit wurde der krisengeschüttelten Automobilwirtschaft mit ihren 1,3 Millionen Beschäftigten ein Bärendienst erwiesen”, erklärte der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Wirtschaftlich sei dies nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der auf den Höfen und in den Büchern der Automobilhändler stehenden unverkauften Neuwagen im Wert von rund 15 Milliarden Euro, sagte Verbandspräsident Jürgen Karpinski.

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