May 22, 2020 / 10:50 AM / 3 days ago

Wirtschaft macht Druck - Fehlende Kinderbetreuung bremst Neustart

Hans Peter Wollseifer, head of the German central association of craftsmanship (Zentralverbandes des Deutschen Handwerks) addresses a news conference in Berlin, Germany, February 5, 2016 REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Handwerk und Einzelhandel pochen auf Schul- und Kitaöffnungen als Voraussetzung für das Wiederanlaufen der Wirtschaft.

“Damit Betriebe wieder vollumfänglich arbeiten und planen können, braucht es für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für ihre Azubis eine verlässliche und umfassende Kinderbetreuung”, sagte der Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. “Sobald es mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie vereinbar ist, müssen Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen wieder voll öffnen”, forderte der Hauptgeschäftsführer des HDE, Stefan Genth. Unternehmen und Mitarbeiter bräuchten mehr Planungssicherheit: “Die aktuelle Lage mit massiv gesunkenen Umsätzen ist bereits für viele Einzelhändler existenzbedrohend, da müssen weitere Unsicherheiten und Probleme dringend vermieden werden.” Der Landkreistag verwies auf enge Grenzen, die den Betreuungseinrichtungen gesetzt würden.

Die Bundesländer haben zwar in der Corona-Krise Notbetreuungen für sogenannte systemrelevante Beschäftigte wie etwa im Medizinsektor eingerichtet. Zudem öffnen sie - von Land zu Land unterschiedlich - schrittweise Schulen und Kitas. Allerdings können Kinder oft nur an wenigen Tagen in die Schule. Trotz sinkender Infektionszahlen und der Wiedereröffnung vieler Betriebe können viele Beschäftigte wegen der fehlenden Kinderbetreuung nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Die fehlende Betreuung sei ein “akuter Engpassfaktor”, denn als Folge fehlten viele dringend benötigte Mitarbeiter, sagte der ZDH-Präsident. “Damit der Neustart in Wirtschaft und Handwerk gelingen kann, müssen die Notbetreuungsmaßnahmen entsprechend den jüngsten politischen Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern nun auch tatsächlich und flächendeckend ausgeweitet werden.” Er verwies darauf, dass die Kinderbetreuung auch für Auszubildende sehr wichtig sei.

Auch der CDU-Wirtschaftsexperte Friedrich Merz bezeichnete Lockerungen als entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen wirtschaftlichen Neustart. “Dabei kommt der Wiedereröffnung der Schulen und Kitas wahrscheinlich auch volkswirtschaftlich eine sehr große Bedeutung zu”, fügte er im Reuters-Interview.

LANDKREISTAG: GESUNDHEITSSCHUTZ SETZT BETREUUNG GRENZEN

Beim Landkreistag sieht man das Problem. “Wir haben großes Verständnis dafür, wenn die Unternehmen eine weitere Öffnung von Kitas und Schulen fordern”, sagte Landkreistag-Präsident Reinhard Sager zu Reuters. “Mehr Kinderbetreuung ist aus unserer Sicht von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, die Betriebe wieder hochzufahren und zu geordneten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abläufen zurückzukehren.”

Die Kommunen täten alles in ihrer Macht Stehende, um die Gruppen in Kitas weiter zu vergrößern und alle Klassenstufen wieder zu beschulen. Der Gesundheitsschutz in den Länderregelungen setze dem aber zur Zeit enge Grenzen, so dass die Lockerungen als vergleichsweise langsam empfunden würden. “Zudem müssen Erzieherinnen oder Lehrer, die selbst zu Risikogruppen zählen, geschützt werden, was wiederum die Kapazitäten begrenzt”, sagte er. Daher sei Flexibilität auf allen Seiten notwendig. “Wir haben den Krisenmodus mit dem Ende der ersten Infektionswelle nicht verlassen, so dass schrankenlose Normalität unbedingt angestrebt werden sollte, derzeit aber noch nicht umsetzbar ist”, sagte Sager.

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