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Wirtschaftsnachrichten

Wirtschaft rutscht ins Lockdown-Tief - Impfstoff hellt Aussichten auf

Berlin (Reuters) - Trotz der Aussicht auf einen Corona-Impfstoff wird auf kurze Sicht eine Rezession in Deutschland immer wahrscheinlicher

A general view of the Brandenburg Gate, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues, in Berlin, Germany April 17, 2020. REUTERS/Christian Mang TPX IMAGES OF THE DAY

das Mannheimer Institut ZEW am Dienstag in seiner Umfrage unter Analysten und Anlegern ermittelte. Die Börsianer befürchten laut Institutschef Achim Wambach, dass die Wirtschaft “erneut in eine Rezession fallen könnte”. Nur ein kleinerer Teil der Antworten ging am Montag ein, als die Nachricht von einem aussichtsreichen Corona-Impfstoff die Finanzmärkte elektrisierte. Ein solches Mittel im Kampf gegen die Pandemie kann dem Top-Ökonomen Gabriel Felbermayr zufolge der Konjunktur hierzulande kräftig auf die Beine helfen.

“Ein wirksamer und nebenwirkungsarmer Impfstoff ändert alles”, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) der Nachrichtenagentur Reuters. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, gibt jedoch zu bedenken: “Es wird dauern, bis der Impfstoff eingesetzt werden kann und so viele Menschen geimpft sind, dass die Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden können. Insofern ist das eine gute Nachricht für die Konjunktur, aber kein Game Changer.”

Die deutschen Wirtschaftsweisen haben laut einem Insider bereits ihre Erwartungen an den Aufschwung im nächsten Jahr heruntergeschraubt. Die Sachverständigen um den Freiburger Ökonomen Lars Feld rechnen für 2021 nur noch mit einem Wachstum der Wirtschaftsleistung von 3,7 Prozent. Im Juni waren sie von einem Plus von 4,9 Prozent ausgegangen. Für das laufende Jahr haben sie dafür in ihrem am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Gutachten für die Bundesregierung nur noch einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,1 (bisher: minus 6,5) Prozent veranschlagt.

Auch die EU-Kommission rechnet nicht mit einer schnellen Konjunkturerholung nach der Corona-Krise. Die Wirtschaftsleistung der EU werde das Vorkrisenniveau vor 2022 nicht wieder erreichen, lautet ihre Prognose.

2021 WIRD ZUM HOFFNUNGSJAHR

Während 2020 konjunkturell als das Corona-Seuchenjahr in die Geschichtsbücher eingehen wird, haben sich die Aussichten aufgehellt, dass sich die Wirtschaft 2021 allmählich aus dem Klammergriff der Krise lösen kann. Denn die günstigen Ergebnisse bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes nähren weltweit die Hoffnung auf eine erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie. Biontech und Pfizer sind die weltweit ersten Unternehmen, die erfolgreiche Daten aus der für eine Zulassung entscheidenden Studie mit einem Corona-Impfstoff vorgelegt haben. Sie wollen 2020 weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen herstellen und 2021 bis zu 1,3 Milliarden.

Bundesregierung und Unternehmen bereiten sich fieberhaft auf eine schnelle Verteilung vor. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte in Berlin, er rechne mit einem zügigen Vertragsabschluss der EU-Kommission mit Biontech über den Bezug der Impfdosen. Bereits am Mittwoch soll der Liefervertrag festgezurrt werden.

MITTELFRISTIG WINKT WACHSTUM

Trotz dieser guten Aussichten ändert sich laut dem Ökonomen Michael Holstein von der DZ Bank kurzfristig nichts am schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld. “Der Ausblick für die kommenden sechs Monate hat sich vor allem durch den November-Lockdown eingetrübt. Eine erneute Rezession ist wahrscheinlich.” Mit Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie sei noch bis zum Frühjahr zu rechnen. Denn vor dem Sommer sei mit einer breiteren Verteilung des Impfstoffs nicht zu rechnen.

Somit bleiben die deutschen Konjunkturaussichten in Zeiten des Teil-Lockdowns vorerst getrübt, wie VP-Bank-Ökonom Thomas Gitzel erklärt. “Zweifelsohne wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal einen erneuten Rücksetzer hinnehmen müssen”, prognostizierte er. Insbesondere die Dienstleistungsbranche komme “unter die Räder”, allen voran das Hotel- und Gaststättengewerbe. Dennoch sei Licht am Ende des Tunnels absehbar, meint Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba: “Zwar wird das Wachstum des vierten Quartals wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen gedämpft, die mittelfristige Perspektive für die deutsche Wirtschaft heißt aber Wachstum.”

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