January 8, 2018 / 3:04 PM / 3 months ago

Schüsse auf Auto von deutsch-türkischem Fußballer Naki

Berlin (Reuters) - Nach Schüssen auf den Wagen des deutsch-türkischen Fußballers Deniz Naki hat die Aachener Staatsanwaltschaft Untersuchungen aufgenommen.

FILE PHOTO: FC St. Pauli's Deniz Naki controls the ball during their German Bundesliga first division soccer match against Hannover 96 in Hanover, Germany, October 1, 2010. REUTERS/Christian Charisius/File Photo

Ermittelt werde wegen eines versuchten Tötungsdelikts, teilte die Anklagebehörde am Montag mit. Der Vorfall, bei dem niemand verletzt wurde, habe sich am Sonntag gegen 23.00 Uhr auf der A4 in Fahrtrichtung Köln nahe Düren ereignet. Naki gilt als Kritiker der türkischen Regierung. Der frühere Profi des FC St. Pauli spielt derzeit beim kurdischen Verein Amed SK in der dritten türkischen Liga.

In einem “Welt”-Interview sagte Naki, er gehe davon aus, dass hinter dem Anschlag ein Agent des türkischen Geheimdienstes MIT stehe oder jemand anderes, dem seine politische Haltung nicht passe. Konkrete Drohungen habe er vorher nicht erhalten, sagte der ehemalige deutsche Jugendnationalspieler. Er bekomme aber ständig Anfeindungen über soziale Netzwerke. Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts sagte zu einer möglichen MIT-Beteiligung: “Das können wir nicht bestätigen.” Es handele sich dabei zum jetzigen Zeitpunkt um Spekulationen und Hinweise. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Dem ehemaligen Bundesligaspieler zufolge wurden die Schüsse aus einem schwarzen Kombi abgegeben. “Eine Kugel traf mein Auto in der Mitte am Fenster, der andere Schuss landete nahe den Reifen. Die haben mich zum Glück nicht getroffen.” Anschließend sei er geduckt auf den Standstreifen gerollt. Dann habe er die Polizei gerufen. “Ich hätte sterben können. Es hat nicht viel gefehlt. Ich hatte Todesangst”, berichtete Naki. Er habe immer gewusst, dass so etwas kommen könne. “Aber dass mir so etwas in Deutschland passiert, damit hätte ich nie gerechnet.” Er lasse sich aber auch durch diesen Anschlag nicht einschüchtern.

Im April vergangenen Jahres wurde Naki in Diyarbakir im Südosten der Türkei zu einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Justiz wirft ihm Terrorpropaganda für die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK vor. Naki hatte sich über Twitter und Facebook kritisch zu Operationen der türkischen Regierung gegen kurdische Kämpfer im Südosten des Landes geäußert.

Linken-Fraktionsvize Sevim Dagdelen rief Politik und Behörden auf, die Gefährdung von türkischen und kurdischen Kritikern von Präsident Recep Tayyip Erdogan in Deutschland ernst zu nehmen. “Es ist hinlänglich bekannt, dass Erdogans Netzwerk aus Agenten, Spitzel-Imamen, Hackern, Hetzern und Schlägerbanden wie die Osmanen Germania die öffentliche Sicherheit in Deutschland gefährden”, sagte die Abgeordnete zu Reuters. Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sagte, es müsse schnell aufgeklärt werden, ob türkische Todesschwadrone in Deutschland aktiv seien.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below