October 17, 2014 / 9:45 AM / 4 years ago

Bundesanwaltschaft wirft kroatischen Ex-Agenten Mordkomplott vor

Defendants Josip Perkovic (R) and Zdravko Mustac (4R), former members of the Yugoslav secret service arrive for their trial in a Munich courtroom October 17, 2014. They are suspected of being involved in the murder of a Croatian emigrant in Germany. Yugoslav dissident Stjepan Djurekovic was murdered in 1983 near Munich, at a time when Perkovic was in the Yugoslav secret service in Germany. He was extradited to Germany at the beginning of this year on suspicion of masterminding the murder. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY - Tags: POLITICS CRIME LAW)

München (Reuters) - Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mord an einem jugoslawischen Oppositionellen in Bayern wird seit Freitag zwei früheren Spitzenagenten vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gemacht.

Die Bundesanwaltschaft wirft den ehemaligen Geheimdienstchefs Zdravko Mustac und Josip Perkovic die Vorbereitung des Attentats im Jahr 1983 oberbayerischen Wolfratshausen vor. Opfer war der Regimegegner Stjepan Durekovic. “Durekovic gehörte zur Gruppe in Deutschland lebender, führender jugoslawischer Oppositioneller, gegen die jugoslawische Geheimdienste seit dem Jahr 1967 systematisch mit Mordanschlägen vorgegangen waren”, sagte Bundesanwalt Wolf-Dieter Dietrich.

Durekovic wurde in der als Druckerei genutzten Garage eines Bekannten mit mehreren Schüssen und Schlägen auf den Kopf getötet. “Die Identität der Täter, die ihrem ahnungslosen Opfer in der Garage aufgelauert hatten, steht nicht sicher fest”, sagte Dietrich. Die Bundesanwaltschaft sei jedoch überzeugt, dass die beiden Kroaten Mustac und Perkovic das Mordkomplott auf Anordnung hochrangiger jugoslawischer Politiker eingeleitet hätten. Vordergründig sei Durekovics Regimekritik das Motiv gewesen, tatsächlich hätten illegale Geschäfte beim staatlichen Mineralölkonzern INA vertuscht werden sollen.

Als Geheimdienstchef der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Kroatien habe Mustac seinen Abteilungsleiter Perkovic beauftragt, den Mord zu planen, sagte Dietrich. Dafür habe sich Perkovic vom Besitzer der Garage einen Nachschlüssel geben lassen und diesen an die Auftragsmörder weitergereicht.

Der Garagenbesitzer, der in den Plan eingeweiht war, wurde als bisher einziger Beteiligter 2008 in München zu lebenslanger Haft verurteilt. Bereits damals stellte das Gericht fest, dass in den 70er und 80er Jahren in der Bundesrepublik 22 Exil-Kroaten auf Betreiben jugoslawischer Politiker ermordet wurden.

Dem 72-Jährigen Mustac und dem 69 Jahre alten Perkovic drohen im Falle einer Verurteilung ebenfalls lebenslange Freiheitsstrafen. Beide haben die Vorwürfe früher zurückgewiesen. Am Freitag machten Sie von ihrem Recht Gebrauch, vor Gericht zu schweigen. Sie verfolgten die Verlesung der Anklage ohne erkennbare Regung. Richter Manfred Dauster hat für den Prozess rund 50 Verhandlungstage bis April 2015 eingeplant.

Der Fall Durekovic hatte im vergangenen Jahr europaweites Aufsehen erregt. Kroatien lehnte eine Auslieferung der beiden Tatverdächtigen nach Deutschland ab und änderte sogar ein Gesetz, so dass der internationale Haftbefehl zunächst ins Leere lief. Erst auf Druck der EU-Kommission, die dem Land mit dem Entzug finanzieller Hilfen drohte, übergab Kroatien die Männer in diesem Frühjahr an die deutschen Behörden.

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