August 22, 2018 / 1:26 PM / 2 months ago

Bundes- und Länderhilfen sollen Bauern vor Pleiten retten

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will nach einem der trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Landwirte mit Hilfen bis zu 170 Millionen Euro vor dem wirtschaftlichen Aus bewahren.

FILE PHOTO: A farmer harvests wheat near Usingen, Germany, August 6, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski/File Photo

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärte am Mittwoch die Dürre zu einem Notstand von nationalen Ausmaß. Rund 10.000 Bauern seien existenziell bedroht, sagte sie bei der Bekanntgabe der Ernteergebnisse. Der Deutsche Bauernverband (DBV) sprach von einer katastrophalen Bilanz. Klimaexperten warnten, auch in den kommenden Jahren sei mit Wetterextremen zu rechnen. Die Versicherungswirtschaft forderte erneut Subventionen für den Schutz vor Dürreschäden.

Klöckner betonte, Bund und Länder würden mit gleich hohen Summen helfen. Der Gesamtumfang liege daher bei maximal 340 Millionen Euro. Nur Betriebe, die nachweisen können, dass ihre Erträge um mindestens 30 Prozent unter denen der Vorjahre liegen, sollen Hilfen erhalten, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Damit soll die Hälfte der Verluste ersetzt werden.

Erst mit der Ausrufung des Notstands schaffte Klöckner die rechtlichen Grundlagen für Bundeshilfen. Sie verwies auf die höchste Temperaturanomalie für den Zeitraum April bis Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881. “Wir müssen nun schnell reagieren und den existenzgefährdeten Betrieben helfen”, sagte die CDU-Politikerin. Allein die Verluste der existenziell bedrohten Betriebe summierten sich auf 680 Millionen Euro. Die Ernteverluste insgesamt seien wesentlich höher, würden aber nicht durch Staatshilfen aufgefangen. Der DBV erklärte, allein in den acht am meisten von der Dürre betroffenen Bundesländern summierten sich die Verluste auf rund drei Milliarden Euro.

SCHLESWIG-HOLSTEIN BESONDERS BETROFFEN

Die Bundesländer sind von der anhaltenden Trockenheit unterschiedlich betroffen. Klöckner verwies darauf, dass das Saarland und Rheinland-Pfalz im Gegensatz zu den übrigen 14 Ländern keinen Antrag auf Bundeshilfen gestellt hätten. Vor allem Nord- und Ostdeutschland seien betroffen. So habe etwa Schleswig-Holstein beim Getreide Ernteeinbußen von 31 Prozent hinnehmen müssen. Bundesweit lag nach Klöckners Angaben die Getreideernte ohne Berücksichtigung von Mais um 16 Prozent unter dem Mittel der vergangenen drei Jahre.

Der DBV kam auf noch größere Verluste. Demnach fiel die diesjährige Getreideernte mit 35,6 Millionen Tonnen um 26 Prozent niedriger aus als die durchschnittliche Erntemenge von 2013 bis 2017. Die Zahlen des DBV fußen auf Angaben seiner Landesverbände, Klöckner berief sich auf Erntemeldungen der Agrarministerien der Bundesländer. Auch bei anderen Feldfrüchten lag die Ernte nach den Worten von DBV-Präsident Joachim Rukwied deutlich unter Vorjahresniveau. “Ich habe Mais gesehen, der noch nicht einmal kniehoch war”, berichtete er. Auch in Dänemark setzt die Dürre vielen Landwirten massiv zu.

Unter besonderem Druck stehen Viehhalter, weil sie nicht genügend Futter für ihre Tiere ernten konnten. Manche Bauern haben deswegen nach DBV-Angaben Milchkühe schlachten lassen oder Rinder früher als geplant zum Schlachthof gebracht. Dies habe innerhalb von vier Wochen zu einer Preissenkung von elf Prozent bei Schlachtrindern geführt. Zudem sei wegen der Hitze in Ostdeutschland die Milchproduktion um zehn Prozent eingebrochen.

KEINE GROSSE BEWEGUNG BEI LEBENSMITTELPREISEN ERWARTET

Weder Klöckner noch Rukwied erwarten, dass sich die Dürre bei den Lebensmittelpreisen deutlich bemerkbar macht. Beim Brot etwa liegt das daran, dass der Mehlpreis nur eine geringe Bedeutung für das fertige Produkt hat. Transportpreise und Personalkosten sind wesentlich bestimmender bei der Preisgestaltung. Rukwied wies allerdings darauf hin, dass die Ernte noch nicht abgeschlossen sei. Bei Kartoffeln werde mit einem Verlust von 50 Prozent gegenüber den Vorjahren gerechnet. Auch bei Rüben werde es deutliche Einbußen geben.

“Über die kommenden Jahre und Jahrzehnte hinweg nehmen die Schäden und Herausforderungen unter dem Strich ziemlich sicher zu”, erklärte der Agrarökonom Hermann Lotze-Campen am Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam. Zwar müsse auch die Landwirtschaft etwa durch Reformen der Stickstoffdüngung und der Tierhaltung dazu beitragen, die Erderwärmung zu bremsen. Gefordert sei aber vor allem der Energiesektor.

Der Versichererverband GDV schlug erneut staatliche Zuschüsse für eine Dürreschäden umfassende Landwirte-Versicherung vor. “Eine von Staat und Landwirtschaft kofinanzierte Risikovorsorge würde den Landwirten in Deutschland einen rechtssicheren Anspruch auf Entschädigung nach Wetterextremen verschaffen”, sagte Rainer Langner, der Chef der Vereinigten Hagelversicherung, des mit Abstand größten deutschen Hagelversicherers. Klöckner zeigte sich skeptisch. Sie habe Vorschläge gehört, solche Versicherungen sollten mit 300 bis 400 Millionen Euro subventioniert werden. “Das käme wohl weniger bei den Landwirten an, sondern wohl eher bei der Versicherungsbranche”, sagte sie.

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