April 27, 2018 / 9:49 AM / 5 months ago

EU verbietet drei bienenschädliche Insektizide im Freien

Brüssel/Berlin (Reuters) - Drei bienenschädliche Pflanzenschutzmittel dürfen in der EU künftig nicht mehr im Freien verwendet werden.

A honeybee gathers nectar from a flower at a farm in the western Austrian village of Seefeld May 14, 2013. The European Union's food safety regulator has added a BASF insecticide to the list of crop chemicals it suspects of playing a role in declining bee populations. The European Food Safety Authority (EFSA) said in a statement May 27, 2013, that BASF's fipronil poses an "acute risk to honeybees when used as a seed treatment for maize", citing dust drift in particular. The EU last month moved to ban three of the world's most widely used pesticides for two years because of fears that they are linked to a plunge in the population of bees critical to the production of crops. Picture taken May 14. REUTERS/ Dominic Ebenbichler (AUSTRIA - Tags: ANIMALS AGRICULTURE)

Dafür stimmten am Freitag Vertreter der Mitgliedstaaten mehrheitlich im zuständigen Ausschuss, wie die EU-Kommission mitteilte. Sie folgten damit einem Vorschlag der Brüsseler Behörde. Auch Deutschland stimmte für den Antrag. Die Agrarchemikalien Imidacloprid, Clothianidin and Thiamethoxam aus der Gruppe der Neonikotinoide sollen nur noch in Gewächshäusern verwendet werden dürfen. In der Chemiebranche sowie beim Bauernverband stieß die Entscheidung auf Kritik.

Grundlage für das Verbot der Mittel auf Feldern ist eine Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit(EFSA), wonach die Anwendung der drei Wirkstoffe unter freiem Himmel Wild- und Honigbienen schadet. Der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, lobte das Votum. Die Bienengesundheit sei wichtig, weil sie die biologische Vielfalt, die Nahrungsmittelproduktion und die Umwelt betreffe. Die Verordnung soll nun in den kommenden Wochen von der EU-Kommission beschlossen werden.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner sprach von einem guten Tag für den Bienenschutz. Bienen seien “systemrelevant - auch für den Erhalt unserer Landwirtschaft”. “Was für die Biene gut ist, ist für uns alle gut, auch für die Landwirte”, sagte die CDU-Politikerin. Es sei richtig, sich auch künftig auf wissenschaftliche Grundlagen zu berufen. Umweltministerin Svenja Schulze erklärte, Neonikotinoide hätten wegen ihres Beitrags zum Insektensterben auf dem Acker nichts zu suchen. Es handele sich bei dem Verbot aber nur um einen Baustein unter vielen. In Kürze werde sie ein Aktionsprogramm zum Insektenschutz vorlegen.

BAYER: SCHLECHTER DEAL FÜR LANDWIRTSCHAFT

Bayer sprach dagegen von einem schlechten Deal für die europäische Landwirtschaft und die Umwelt. Die Entscheidung werde die Möglichkeiten für Landwirte, gegen verheerende Schädlinge vorzugehen, weiter einschränken. Für viele Schädlinge gebe es keine alternative Bekämpfungsmethode. Die Beschränkungen sind nach Ansicht des Konzerns nicht gerechtfertigt, da Neonikotinoide bei sachgerechter Verwendung sicher seien.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sagte, wenn die Landwirte eine effektive Wirkstoffgruppe verlören, sei es eine echte Herausforderung, Alternativen zu entwickeln und neue Produkte schnell zur Zulassung zu bringen. Ohne Pflanzenschutzmittel gehe es nicht, weder in der ökologischen noch in der konventionellen Landwirtschaft. Klöckner sagte, es gebe zu den drei Neonikotinoiden mechanische Alternativen. Man könne auch andere Pflanzenschutzmittel nutzen, die für die Bienen nicht schädlich seien. Alternativen seien anstrengender, aber noch anstrengender sei es, wenn die Bienen ausfielen oder geschädigt würden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnete das Verbot als überfällig, aber nicht ausreichend. Um Bienen und andere wertvolle Insekten dauerhaft zu schützen, müsse sich Deutschland dafür einsetzen, dass die EU den Einsatz aller Pflanzen- und Insektengifte schnell und drastisch senke. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte weitere Schritte.

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