June 23, 2020 / 2:28 PM / 22 days ago

Lufthansa und Gewerkschaften ringen weiter um Krisenpaket

FILE PHOTO: Airplanes of German carrier Lufthansa are parked at the Berlin Schoenefeld airport, amid the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Schoenefeld, Germany, May 26, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch/File Photo

Frankfurt (Reuters) - Die von der Corona-Krise hart getroffene Lufthansa will noch vor der entscheidenden Hauptversammlung am Donnerstag ein Sparprogramm für das fliegende Personal präsentieren.

Zum Wunschtermin von Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Montag war eine Einigung mit den Gewerkschaften noch nicht gelungen. Die bereits fortgeschrittenen Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Flugbegleitergewerkschaft UFO liefen jedoch weiter. Am Donnerstag steht das milliardenschwere staatliche Rettungspaket für die Lufthansa zur Abstimmung. Großaktionär Heinz Hermann Thiele hatte den Plan kritisiert und könnte ihn mit seinem 15,5-prozentigen Anteil blockieren. Die Lufthansa würde dann womöglich ein Schutzschirmverfahren beantragen, ein Insolvenzverfahren mit Sanierungsziel.

Mit einer zügigen Einigung mit den Gewerkschaften über Einsparungen würde Lufthansa-Chef Spohr den Anteilseignern ein wichtiges Argument für deren Zustimmung zum Rettungspaket liefern. Die UFO-Spitze informierte ihre Mitglieder über einen Zwischenstand und äußerte sich zuversichtlich, rechtzeitig zu einem Abschluss zu kommen. “Das ist ein wichtiges Zeichen für Aktionäre”, sagte UFO-Geschäftsführer Nicoley Baublies. “Die Kabine als größte Einzelgruppe gibt einen Krisenbeitrag für die Beschäftigung.” Die Verhandlungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Das Volumen der Personalkostensenkung bei den mehr als 20.000 Flugbegleitern der Lufthansa belaufe sich auf 700 Millionen Euro in der gesamten Krisenphase. Die Lufthansa werde im Gegenzug voraussichtlich einen Kündigungsschutz für vier Jahre zusagen. Eine Konzern-Sprecherin sagte, es gebe noch keine vorläufige Einigung. Sie wollte sich zu Inhalten der noch laufenden Gespräche nicht äußern.

BESCHÄFTIGTE WOLLEN DEMONSTRIEREN

Die Lufthansa will in der Krise ihre Flotten verkleinern und hätte nach Darstellung des Unternehmens rein rechnerisch 22.000 Vollzeitstellen zuviel an Bord. Spohr bekräftigte am Wochenende in einer Mitarbeiterinformation, möglichst viele sollten über Kostensenkungen an Bord bleiben können. Insgesamt hat die Airline-Gruppe rund 138.000 Beschäftigte. Thiele kritisierte die 20-prozentige Staatsbeteiligung an der Lufthansa - zum einen, weil durch die Kapitalerhöhung der Wert seines Anteils verwässert wird, zum anderen äußerte er Bedenken über politische Blockaden bei einer Sanierung der Fluggesellschaft.

Die rund 5000 Piloten hatten Gehaltseinbußen von 350 Millionen Euro über zwei Jahre angeboten. Ein Sprecher der VC erklärte, die Gewerkschaft wolle ebenfalls vor Donnerstag zu einer Einigung kommen. Doch es gebe noch viele offene Baustellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wartet hingegen ab, ob das Rettungspaket auf dem Aktionärstreffen durchkommt. Verhandlungen sind erst für Freitag geplant. Nach früheren Aussagen von Verdi-Vizechefin Christine Behle forderte die Lufthansa mehr als 20 Prozent Entgeltkürzung.

Die Gewerkschaften riefen unterdessen die Belegschaft zu Kundgebungen und Mahnwachen, um sich für die Rettung ihrer Arbeitsplätze einzusetzen. Die Industriegewerkschaft Luftverkehr kündigte Kundgebungen am Mittwochmittag vor der Konzernzentrale in Frankfurt sowie in München, Hamburg und Berlin an. “Wir wollen allen da draußen, die die Macht der Entscheidung über die Zukunft unserer Lufthansa, unserer Arbeitsplätze und Existenzen in der Hand haben, zeigen, wer wir sind und dass es sich lohnt die Lufthansa Group mit all Ihren Mitarbeitern zu retten!” Für den Morgen vor der virtuellen Hauptversammlung der Lufthansa am Donnerstag, die um 12.00 Uhr beginnt, hat UFO die Beschäftigten zu einer Mahnwache vor der Zentrale aufgerufen nach dem Motto: “Die Lufthansa-Belegschaft steht zum Kranich!” In einer Insolvenz drohe der wirtschaftliche und soziale Kahlschlag, den alle Gewerkschaften zusammen verhindern müssten.

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