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Unternehmensnachrichten

Staatshilfe gibt Lufthansa genügend Zeit für Schrumpfkurs

München (Reuters) - Die Lufthansa will ihre Sanierung in der Corona-Krise dank staatlicher Milliardenhilfen ohne Hektik angehen.

CEO of Lufthansa, Carsten Spohr, delivers a speech during the opening ceremony of the new Berlin-Brandenburg Airport (BER) "Willy Brandt" in Schoenefeld, near Berlin, Germany October 31, 2020. Tobias Schwarz/Pool via REUTERS

Von den neun Milliarden Euro an Finanzspritzen aus Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz waren Ende September erst 30 Prozent abgerufen. Einschließlich privater Kredite hatte die Fluggesellschaft Ende September zehn Milliarden Euro Barmittel zur Verfügung, wie sie am Donnerstag mitteilte. Trotz tiefroter Zahlen und einer nicht absehbaren Erholung des Luftverkehrs betonte Vorstandschef Carsten Spohr, das Geld werde lange genug reichen: “Wir sehen uns in einer starken Liquiditätsposition - nicht nur in diesem Winter, sondern auch 2021.” Notverkäufe von Firmentöchtern werde es nicht geben.

Jede Stunde verliert die Lufthansa angesichts des brachliegenden Flugverkehrs noch immer eine halbe Million Euro. Ob die Lufthansa im Lauf des nächsten Jahres mehr Geld brauche, sei aus Sicht von Anlegern die wichtigste Frage, sagte Analyst Daniel Röska von Bernstein Research. Die Lufthansa müsse noch stärker sparen, wenn sie eine Kapitalerhöhung vor dem Sommer vermeiden wolle. Spohrs Erwartung, dass sich das Fluggeschäft 2021 auf 50 Prozent der Vorkrisen-Kapazität erholt und wieder schwarze Zahlen schreibt, sei höchst unsicher. Ohne Verkäufe oder einen Investor für Lufthansa Technik werde die Airline nicht von ihrem mit den Staatshilfen gewachsenen Schuldenberg herunterkommen.

KURZARBEIT VERSCHAFFT GELD UND ZEIT

Spohr bekräftigte, die Lufthansa wolle kleiner, weniger komplex und effizienter aus der Krise kommen, um eine der größten Airlines zu bleiben: “Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns, damit wir stärker sind nach der Krise.” Der Abbau von 27.000 Vollzeitstellen weltweit ist angelaufen. Allein im dritten Quartal verließen fast 5000 Beschäftigte den Konzern. Der Abbau fand überwiegend im Ausland statt, während die meisten Beschäftigten in Deutschland unter Kurzarbeit an Bord bleiben.

Der staatliche Lohnersatz für entfallene Arbeitszeit bringe der Lufthansa nicht nur eine gehörige Kostentlastung. Sie habe auch Zeitdruck aus den Krisengesprächen mit den Gewerkschaften für Piloten und Bodenpersonal genommen, sagte Spohr. “Kurzarbeit bringt mehr als alles, was man von Gewerkschaften kriegen kann.” Wer in Kurzarbeit ist, darf nicht gekündigt werden - so laufen Drohungen mit betriebsbedingten Kündigungen vorerst ins Leere.

Gleichwohl drängte Spohr die Gewerkschaften, bis Ende des Jahres zu Vereinbarungen zu kommen. Er sei ein “großer Fan der Mitbestimmung”, sagte er. “Das heißt aber auch Mitverantwortung.” Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi reden seit dieser Woche zum ersten Mal seit August wieder miteinander über Lösungen für das Bodenpersonal, das um 2800 schrumpfen soll. Mit der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), die nur einen Krisenpakt bis Ende 2020 abgeschlossen hat, laufen ebenfalls Gespräche. Hier stehen Entlassungen von 1100 der 5000 Piloten im Raum, die zum Ende der Kurzarbeit im April losgehen könnten.

“GROSSE SEHNSUCHT, BALD WIEDER ZU REISEN”

Im dritten Quartal versank die Lufthansa wegen der geringen Flugnachfrage tiefer in den roten Zahlen. Von Juli bis September fiel ein Verlust von zwei Milliarden Euro an - ein Jahr zuvor waren es 1,15 Milliarden Euro Gewinn. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf 5,6 Milliarden Euro. Der Umsatz brach wegen der Reisebeschränkungen im Quartal um fast drei Viertel auf 2,7 Milliarden Euro ein. “Die Menschen haben weltweit große Sehnsucht, bald wieder zu reisen”, sagte der Lufthansa-Chef und forderte eine Lockerung der staatlichen Reisebeschränkungen. Gesundheitsschutz und Reisefreiheit ließen sich durch den Einsatz von Schnelltests miteinander vereinbaren.

Im vierten Quartal bietet die Lufthansa maximal ein Viertel der Passagierflüge an, die sie vor der Krise abgewickelt hatte. Bei manchen Langstreckenflügen sind kaum Fluggäste an Bord. Das lohne sich trotzdem, weil sie mit Fracht vollgepackt seien, erklärte Spohr. Die Frachtkapazität ist wegen der vielen Passagiermaschinen am Boden geringer, die Preise steigen stark. Deshalb sollen im Winter aus einigen Jets wieder Sitze ausgebaut werden, um mehr Waren zu transportieren. Erst im Lauf des Jahres hofft die Lufthansa auf einen Anstieg der Passagierflüge auf 50 Prozent des Vorkrisen-Niveaus, im Jahresdurchschnitt werde es dafür aber noch nicht reichen. Eine vollständige Erholung sieht Spohr weiterhin nicht vor dem Jahr 2025.

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