April 24, 2020 / 2:54 PM / a month ago

Lufthansa - Tiefe Einschnitte durch Corona-Krise

Carsten Spohr, Chairman of the Executive Board and Chief Executive Officer of Deutsche Lufthansa AG attends the Europe Aviation Summit in Brussels, Belgium March 3, 2020. REUTERS/Johanna Geron

Frankfurt (Reuters) - Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat noch schärfere Einschnitte wegen der gravierenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise angekündigt.

Bis zum Ende der Krise werde die Flotte von zuletzt rund 760 Flugzeugen um 100 Flugzeuge verkleinert, erklärte er in einem vom Unternehmen auszugsweise verbreiteten Webcast mit den Beschäftigten am Freitag. Daraus ergebe sich rechnerisch eine um 10.000 Mitarbeiter kleinere Belegschaft, ergänzte Spohr. Mit einer Normalisierung der Lage für den Luftfahrtkonzern rechnet er nicht vor 2023. Anfang des Monats hatte die Lufthansa wegen der Corona-Pandemie, durch die Luftverkehr zusammengebrochen ist, eine Verkleinerung der Flotte um etwa 80 Maschinen angekündigt. Vor Ostern sprach Spohr in einer Videobotschaft an die Beschäftigten noch von 7000 Betroffenen.

Die Lufthansa verhandelt mit der Bundesregierung sowie den Regierungen in den Heimatländern ihrer Airline-Töchter Austrian, Brussels und Swiss über staatliche Finanzhilfen. Das Rettungspaket soll sich Insidern zufolge auf fast zehn Milliarden Euro belaufen. Unklar sei noch, in welcher Form sich der Staat über Kredite hinaus am Eigenkapital des Dax-Konzerns beteiligt. Davon hängt ab, wie viel Einfluss sich der Staat, etwa zur Beschäftigungssicherung, verschafft. Spohr ist als Kritiker politischen Eingreifens in Airlines bekannt, muss die Hilfe durch den Steuerzahler aber wohl in Kauf nehmen. Das Finanzpaket soll Kreisen zufolge nächste Woche stehen.

GEWERKSCHAFTEN FORDERN FAIRNESS

Ein Lufthansa-Sprecher erklärte, ob und von wie vielen Mitarbeitern sich das Unternehmen genau trennen wird, sei noch mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Das Management wolle weiterhin darum kämpfen, möglichst alle Arbeitnehmer an Bord zu halten, etwa durch eine Umstellung auf Teilzeitjobs in größerem Umfang. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO erklärte, trotz früherer Gesprächsankündigungen habe es bisher noch keine Verhandlungen gegeben. “Wir hoffen sehr, dass es jetzt dazu kommt.” Ein Stellenabbau im Volumen von 10.000 Kolleginnen und Kollegen sei sozialverträglich möglich, also ohne Kündigungen. “Das sollte das Ziel der Lufthansa sein, um in der Krise beispielhaft zu handeln.” Die Politik solle festlegen, dass Unternehmen, die staatliche Finanzhilfe bekommen sollen, fair mit den Beschäftigten umgehen müssten. Derzeit sei den Lufthansa-Gewerkschaften das Mittel von Streiks genommen, da es fast keine Flüge mehr geben. Das dürfe die Lufthansa nicht ausnutzen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erklärte, die Lufthansa sei als nationale Airline systemrelevant. “Staatshilfen sind jetzt dringend notwendig. Allerdings muss auch die soziale und tarifliche Absicherung garantiert sein”, erklärte Christine Behle, Vize-Chefin von Verdi und stellvertretende Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzende.

Der Lufthansa-Chef ist davon überzeugt, dass die Branche durch die Krise dauerhaft schrumpfen wird. “Aber für uns als Airline Konzern ist klar: Wir waren als erste Branche von dieser weltweiten Krise betroffen und die Luftfahrt wird mit die letzte sein, die sie verlassen wird”, erklärte er. Die Lufthansa komme voraussichtlich erst 2023 zurück in ein Gleichgewicht. “Dann wird die Lufthansa Group ein anderes Unternehmen sein”, fügte Spohr hinzu.

Er ist damit pessimistischer als Michael O’Leary, Chef des Erzrivalen Ryanair. Dieser erklärte gegenüber dem “Handelsblatt”, eine Normalisierung sei bis Sommer nächsten Jahres möglich. Die Passagiere kämen zurück, auch wenn dies dauern werde. Grund der unterschiedlichen Einschätzungen ist die viel höhere Abhängigkeit der Lufthansa von Geschäftsreisen in der profitablen Business Class, die nach dem Gewöhnen an Videokonferenzen und einer wohl tiefen Rezession nicht wieder auf das frühere Niveau anziehen.

Während der Krise erwartet die Lufthansa, die zurzeit gerade noch ein Prozent der vor Jahresfrist beförderten Passagiere zählt, dass die Auslastung der Flugzeuge um zehn Prozent um zehn Prozent und entsprechend stark auch der Erlös sinken wird. Außerdem werde die Airline-Gruppe über eine Milliarde Euro pro Jahr zur Rückzahlung von Krediten aufwenden müssen. Im ersten Quartal hatte die Lufthansa-Gruppe operativ 1,2 Milliarden Euro Verlust gemacht. Da nicht absehbar ist, wann die Kranich-Airline und ihre Schwestern wieder abheben können, sei im zweiten Quartal ein erheblich höherer Verlust als im ersten zu erwarten. Der Konzern könne seine Zahlungsfähigkeit nur mit staatlicher Hilfe absichern. Die Aktie sackte um mehr als acht Prozent ab. Der Lufthansa droht im Juni der Abstieg aus dem Dax-30.

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