February 17, 2010 / 2:33 PM / 10 years ago

Lufthansa droht massiver Pilotenstreik ab Montag

Travellers queue at a Lufthansa check-in counter at Frankfurt's Airport February 17, 2010. Pilots at German flagship airline Lufthansa said they would hold a four-day strike starting on Monday in a dispute over pay and job security. REUTERS/Johannes Eisele

Frankfurt (Reuters) - Zehntausende Lufthansa-Passagiere müssen nächste Woche darum bangen, ob sie pünktlich in ihren Urlaub oder zu ihrem Geschäftstermin kommen.

Voraussichtlich ab Montag legen rund 4000 Piloten von Deutschlands größter Fluggesellschaft für vier Tage ihre Arbeit nieder. Damit dürften die meisten Maschinen der Lufthansa und der Tochter Germanwings am Boden bleiben. “Wir erwarten massive Auswirkungen auf den Flugverkehr”, sagte Thomas von Sturm, Verhandlungsführer der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), am Mittwoch. Welche Flüge konkret ausfallen, sei derzeit noch unklar. Der Ausstand solle am Montag um 0.00 Uhr beginnen und bis Donnerstag 23.59 Uhr dauern. Maschinen, die sich zu Streikbeginn im Ausland befänden, sollten aber noch nach Deutschland zurückfliegen.

Nach Gewerkschaftsangaben stimmten rund 94 Prozent der bei VC organisierten Lufthansa-Piloten für den Streik. Die VC hält sich aber weiter eine Tür zu Gesprächen mit der Arbeitsgeberseite offen. Noch habe die Lufthansa Zeit, mit einem substanziellen Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sagte von Sturm. In einer ersten Reaktion übte der Konzern scharfe Kritik an der Entscheidung der Piloten. “Ein Streik schadet dem Unternehmen, seinen Kunden und Mitarbeitern in hohem Maße”, erklärte Lufthansa. Betroffene Passagiere könnten ihre Flüge stornieren oder umbuchen. Reisende innerhalb von Deutschland sollten die Bahn nehmen und erhielten später die Differenz zum Preis des Flugtickets zurück.

Die Piloten fordern von der Lufthansa vor allem eine Arbeitsplatzgarantie unter dem bestehenden Konzerntarifvertrag. Sie werfen der Gesellschaft vor, auf angestammten Lufthansa-Strecken zunehmend Flugzeuge ihrer dazugekauften Tochtergesellschaften wie Brussels Airlines oder Austrian Airlines einzusetzen. Die Piloten dort verdienten bis zu einem Viertel weniger als ihre Kollegen bei der Konzernmutter. “Das haben wir uns zwei Jahre angeschaut, irgendwann ist Schluss”, sagte von Sturm. Die Lufthansa bezeichnete die Forderungen der VC als inakzeptabel. Eine Sicherung der Arbeitsplätze in Verbindung mit weitgehenden Mitspracherechten bei unternehmerischen Grundsatzfragen sei ein Eingriff in die Geschäftsführung.

STREIK 2001 ALS VORBILD

Die Gewerkschaft, die als gut organisiert gilt, will die Lufthansa mit der nun angedrohten Arbeitsniederlegung ähnlich hart treffen wie beim großen Pilotenstreik 2001. Damals hatten die Piloten die Arbeit für drei Tage niedergelegt. Die Lufthansa musste Hunderte Flüge streichen, was die Airline rund 200 Millionen Euro kostete.

Auch dieses Mal könnte es teuer werden. Nach Einschätzung der LBBW könnte der Streik der Lufthansa täglich einen Verlust von zehn Millionen Euro oder mehr einbrocken. Analyst Per-Ola Hellgren erklärte, gerade zum jetzigen Zeitpunkt, an dem die Branche vor einer Erholung stehe, sei ein langwieriger Arbeitskampf gefährlich für die Fluggesellschaft.

Offenbar verunsichert schon allein die Streikdrohung die Passagiere. Es gebe bereits einen Rückgang bei den Buchungen, warnte der für die Tarifverhandlungen zuständige Passagiervorstand Roland Busch unlängst. Der Konzern sehe seine Einsparziele “massiv gefährdet”, sollte es zu einem Streik und den damit erwarteten Einbußen kommen. Die Lufthansa will ihre Kosten bis 2011 jährlich um eine Milliarde Euro senken.

Die Börse zeigte sich von der Aussicht auf einen langen und teuren Streik indes unbeeindruckt. Die Lufthansa-Aktie notierte am Nachmittag 0,7 Prozent höher bei 11,05 Euro.

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