November 7, 2019 / 1:34 PM / in 11 days

Streik bei der Lufthansa - Schlichtung bahnt sich an

- von Ilona Wissenbach und Klaus Lauer

An information flight pannel is seen during a strike of Lufthansa airline's cabin crew union (UFO) at Frankfurt airport, Germany November 7, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Der zweitägige Streik der Lufthansa-Flugbegleiter mit mehr als 1000 Flugstreichungen bringt Bewegung in den verhärteten Konflikt des Unternehmens mit der Gewerkschaft UFO.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte sich am Donnerstag zu einer tags zuvor von UFO angeregten Schlichtung bereit. Er deutete zudem an, dass die Lufthansa das rechtliche Vorgehen gegen die Tariffähigkeit der Gewerkschaft aufgeben könnte. “Wir sind zuversichtlich, auf dem Weg zu einer Schlichtung auch einen Weg zu finden, die bestehenden rechtlichen Fragen zu überwinden”, sagte Spohr. Wie unterdessen der anhaltende Rückgang des Betriebsgewinns im dritten Quartal zeigte, käme für die von hartem Preiskampf in Europa geplagte Airline ein langer, teurer Streik zur Unzeit.

Lufthansa und Ufo wollen nun in vertraulichen Gesprächen über das Wochenende ausloten, ob sie Tarifverhandlungen beginnen oder einen Schlichter anrufen. UFO äußerte sich skeptisch. “Wir werden diesen Versuch machen. Wir wissen noch nicht, ob er erfolgreich ist”, sagte Sprecher Nicoley Baublies am Münchener Flughafen. Zumindest machte die Gewerkschaft ihre Ankündigung nicht wahr, den Streik zu verlängern oder auf die deutschen Tochter-Airlines Eurowings und Sunexpress auszudehnen. Lufthansa und UFO liegen schon seit rund einem Jahr im Streit. Nach einer Führungskrise mit Rücktritten bei UFO weigert sich die Konzernführung, den jetzt eingesetzten Vorstand als Verhandlungspartner anzuerkennen.

VIELE FLUGAUSFÄLLE - WENIG CHAOS

Zu Beginn des bis Freitag um Mitternacht dauernden Streiks vom Kabinenpersonal fielen Hunderte Flüge aus. Die Lage an den großen Airports blieb aber ruhig, weil viele Passagiere frühzeitig umgebucht oder den Zug genommen haben, wie die Airline und mehrere Flughäfen berichteten. Am Donnerstag fielen am größten deutschen Airport in Frankfurt etwa 400 und in München rund 250 Flüge aus, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Airline strich am Donnerstag und Freitag insgesamt 1300 von insgesamt rund 2200 Flügen der Haupt-Fluglinie Lufthansa. Davon sind etwa 180.000 Fluggäste betroffen. Die Auswirkungen des Streiks sind nach Darstellung der Gewerkschaft noch größer. Sie nannte eine Aufallquote von 80 Prozent statt 60 Prozent.

Die Lufthansa war mit dem Versuch, den Streik per Gericht untersagen zu lassen, gescheitert. Streiks kosten nach Worten von Finanzchef Ulrik Svensson grob gerechnet zehn bis 20 Millionen Euro am Tag. Es sei zu früh, das genau zu beziffern, weil allein schon Gerüchte über Streiks Kunden vom Buchen abschreckten, erläuterte er. Vor vier Jahren hatte UFO den bisher längsten Streik in der Geschichte der Lufthansa von einer Woche Dauer durchgefochten. Um so etwas zu verhindern, schreckte das Unternehmen vor Maßnahmen wie hohen Schadensersatzklagen gegen die Gewerkschaftsfunktionäre persönlich nicht zurück, wie bei der Verhandlung am Arbeitsgericht herauskam.

STEIGENDE KEROSINKOSTEN, HARTER PREISKAMPF

Der Dax-Konzern hat unterdessen ohnehin schon stark zu kämpfen mit Preisdruck in Europa und steigenden Kosten für Treibstoff. Im saisonal stärksten dritten Quartal ging der bereinigte Betriebsgewinn abermals zurück. Trotz leichten Umsatzzuwachses um drei Prozent auf 27,7 Milliarden Euro sank er um acht Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Nach neun Monaten lag das Betriebsergebnis 30 Prozent unter Vorjahr, der Konzerngewinn sackte mit 1,04 Milliarden Euro noch stärker um 43 Prozent ab. Die Lufthansa steigt deshalb noch stärker auf die Kostenbremse und verordnete den Töchtern Austrian und Brussels Airlines sowie der Frachtsparte Cargo Sparprogramme.

So sollen bei Austrian Airlines 700 bis 800 von gut 7000 Stellen abgebaut werden und bis 2021 die jährlichen Kosten um 90 Millionen Euro sinken. Brussels Airlines und Lufthansa Cargo sollen vor allem durch eine Vereinheitlichung und Verkleinerung der Flotten rentabler werden. In Wien sei der Konkurrenzkampf mit Billigfliegern besonders hart, erklärte Spohr. Die beiden größten Billiganbieter Ryanair und Easyjet lieferten sich hier die “Mutter aller Schlachten”, noch durch niedrige Gebühren des Flughafens angeheizt. An den anderen drei großen Standorten der Lufthansa Frankfurt, München und Zürich reduziere die Billigflug-Konkurrenz die Kapazitäten. Das zeige, dass die Lufthansa erfolgreich dagegen gehalten habe. “Wir werden unsere Heimatmärkte vehement verteidigen”, sagte Spohr.

Anleger honorierten den Sparwillen und das unveränderte Ziel des Konzerns eines operativen Gewinnrückgangs um nur 14 bis 28 Prozent auf 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro. Dass sich das Angebot am Flugmarkt insgesamt und bei der Lufthansa über den Winter verringere, könne zu einer Erholung der Ticketpreise führen, erklärte Daniel Röska von Bernstein Research. Lufthansa-Aktien stiegen um mehr als acht Prozent.

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