September 17, 2010 / 1:56 PM / 9 years ago

Lufthansa-Kronprinz setzt ehrgeizige Gewinnziele

Frankfurt (Reuters) - Der voraussichtliche Nachfolger von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber setzt der Fluggesellschaft ehrgeizige Gewinnziele.

Im wichtigsten Bereich, dem Passagiergeschäft, peilt Christoph Franz eine operative Marge von acht Prozent an, zitierte die am Freitag veröffentlichte Mitarbeiterzeitschrift “Lufthanseat” den Manager. Franz ist derzeit noch Chef der Lufthansa Passage, in der das Kerngeschäft gebündelt ist - nicht jedoch die neuen Töchter im Ausland. Kreisen zufolge soll er auf der Aufsichtsratsitzung am 22. September offiziell zum Nachfolger von Mayrhuber bestellt werden. An der Börse kamen seine Aussagen gut an. Die Lufthansa-Aktie legte knapp drei Prozent zu.

Das Passagiergeschäft ist das große Sorgenkind der Lufthansa. Während sich die anderen Sparten Technik, Cargo, IT und Catering gut entwickeln, schreibt der bei weitem größte Bereich Verluste. Allein im ersten Halbjahr 2010 lag das operative Minus bei 203 Millionen Euro.

FRANZ - “EINE WUNDERHEILUNG WIRD ES NICHT GEBEN”

Grund dafür ist auch der harte Wettbewerb durch Billigflieger, die auf Flügen innerhalb Europas seit Jahren die Preise drücken. “Wir müssen die richtigen Antworten finden, um unsere strukturellen Defizite abzubauen, unsere Kostenpositionen zu senken und dem scharfen Wettbewerb Paroli zu bieten”, sagte Franz. Die Airline dürfte sich bei der Lösung der Probleme nicht allein auf Rückenwind durch den Wirtschaftsaufschwung verlassen. Dieser werde die Herausforderungen nicht beseitigen. “Eine Revolution wird es ebenso wenig geben, wie eine Wunderheilung”, appellierte Franz an den Veränderungswillen der Belegschaft. “Unsere Organisation ist manchmal so komplex, dass wir den Wind des Wettbewerbs nicht mehr spüren.”

Franz gilt als Sanierungsexperte. Vor seinem Wechsel nach Frankfurt hatte er die Lufthansa-Tochter Swiss nach deren Kollaps wieder auf gesunde Beine gestellt. Mit seinen unverblümten Äußerungen zu den Schwächen der Lufthansa war er konzernintern häufig angeeckt. Lufthansa-Chef Mayrhuber hatte sich in den letzten Jahren vor allem auf Zukäufe im Ausland konzentriert, um dem Konzern im Fusionswettlauf eine starke Position zu sichern. Nach und nach kaufte die Lufthansa Swiss, die britische BMI, Austrian Airlines und eine Beteiligung an Brussels Airline. Die Konkurrenz durch schnell wachsende Billigflieger hatte die Lufthansa jedoch lange Zeit unterschätzt. Nun machen sie dem deutschen Platzhirschen aber vor allem auf Kurzstrecken zunehmend Marktanteile streitig.

Franz will daher vor allem die Kosten senken und das Kerngeschäft so wieder in die Gewinnzone führen. Im laufenden Jahr sollen in der Passage 230 Millionen Euro eingespart werden, bis 2011 insgesamt eine Milliarde. Nur wenn das Passagiergeschäft profitabel sei, könne es wachsen, sagte Franz. Für die Sanierung des Kerngeschäfts dürfte nach dem Aufstieg von Franz an die Konzernspitze aber ein anderer hauptverantwortlich sein. Kreisen zufolge soll dann der Chef der Frachttochter Cargo, Carsten Spohr, das Passagiergeschäft führen.

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