April 9, 2018 / 5:14 AM / 3 months ago

Ermittler vermuten persönliches Motiv für Tat von Münster

Münster/Berlin (Reuters) - Nach der Todesfahrt von Münster mehren sich die Anzeichen für ein persönliches Motiv des Täters.

Muenster Mayor Markus Lewe, German Interior Minister Horst Seehofer and North Rhine-Westphalia (NRW) Minister-President Armin Laschet place flowers at the site where, on April 7, a man drove a van into a group of people sitting outside a popular restaurant in the old city centre of Muenster, Germany April 8, 2018. REUTERS/Leon Kuegeler

“Es gibt zurzeit keinen Hinweis auf einen politischen Hintergrund”, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Elke Adomeit am Sonntag in der westfälischen Studentenstadt. “Wir wissen nur so viel, dass die Tat offenbar mit der Person des Täters im Zusammenhang steht.” Der 48 Jahre alte Deutsche litt nach Angaben aus Sicherheitskreisen an psychischen Problemen und erschoss sich nach der Tat am Samstag. Zuvor hatte er seinen Campingbus in die vor einem Traditionslokal sitzenden Gäste gesteuert und dabei zwei Menschen getötet und 20 verletzt. Drei der acht Schwerverletzten kämpften am Sonntag noch um ihr Leben. Bundesinnenminister Horst Seehofer legte Blumen am Ort des Geschehens nieder und sprach von einem feigen und brutalen Verbrechen.

Der Täter sei polizeibekannt gewesen, sagte Adomeit. In Münster habe es in den Jahren 2015 und 2016 drei und bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg ein Verfahren gegen ihn gegeben. Dabei sei es um eine Bedrohung, eine Sachbeschädigung, eine Unfallflucht sowie um einen Betrug gegangen. “Alle Verfahren sind eingestellt worden”, erklärte sie. “Auf den ersten Blick haben wir hier keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität, die wir hier bei dem Täter feststellen konnten.”

TÄTER HATTE VIER WOHNUNGEN IN MÜNSTER UND OSTDEUTSCHLAND

Die Ermittler durchsuchten in der Nacht die insgesamt vier Wohnungen des Täters, zwei davon in Ostdeutschland, zwei in Münster. Die erste Durchsicht habe keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund ergeben, sagte der Polizeipräsident von Münster, Hans-Joachim Kuhlisch. Dies gelte auch für mehrere Fahrzeuge und einen Container, die dem Täter zugeordnet würden. “Bisher gehen wir auch deshalb davon aus, dass die Motive und Ursachen in dem Täter selbst liegen.” Kuhlisch äußerte sich nicht dazu, weshalb der Täter vier Wohnungen hatte.

Im Campingbus des Täters entdeckten die Ermittler die Waffe, mit der sich der 48-Jährige erschossen hatte, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend sogenannter Polenböller. In einer Wohnung des Mannes in Münster wurde zudem ein unbrauchbar gemachtes Sturmgewehr sichergestellt. Bei den Opfern der Todesfahrt handelt es sich nach Angaben der Behörden um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken. Das Bundeskriminalamt (BKA) bat Zeugen um Mithilfe bei der Aufklärung der Tat und richtete für Video-oder Fotohinweise ein Hinweisportal ein. (www.bka-hinweisportal.de)

SEEHOFER UND LASCHET LEGEN BLUMEN AM TATORT NIEDER

Seehofer verurteilte die Todesfahrt bei einem Besuch des Tatortes als feiges und brutales Verbrechen. “Wir haben jetzt wieder erlebt, dass bei allen Bemühungen einer staatlichen Gemeinschaft, bei allem Menschenmöglichen, das wir tun und tun müssen für den Schutz unserer Bürger, leider eine absolute Sicherheit nicht möglich ist”, sagte der CSU-Politiker. Es gebe starke Hinweise, dass es sich um einen Einzeltäter handle und kein Bezug zur Terrorszene bestehe. Die Polizei arbeite nun daran, weitere Informationen über das Umfeld des Täters zu beschaffen - “um alle Eventualitäten auszuschließen, das heißt, es wird auch in alle Richtungen ermittelt”.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet lobte die Besonnenheit der Münsteraner und kritisierte Hetz-Tweets, die unmittelbar nach der Tat im Internet aufgetaucht seien. “Für die Opfer ist es egal, welche Religion der Täter hat - hier habe ich einen Menschen verloren, und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben”, sagte er. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hatte kurz nach der Tat “WIR SCHAFFEN DAS!” in Anlehnung an das Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Flüchtlingskrise getwittert und dafür Kritik geerntet. “Es gibt Menschen, die sind nicht integrierbar”, konterte der Kabarettist Dieter Nuhr ebenfalls via Twitter. “Beatrix von Storch gehört mit Sicherheit dazu.”

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