August 17, 2018 / 5:31 AM / 3 months ago

Niger wünscht sich mehr Militärhilfe von Deutschland

Niger's President Mahamadou Issoufou attends a Reuters interview in Berlin, Germany, August 16, 2018. REUTERS/Hannibal Hanschke

Berlin (Reuters) - Das Flüchtlings-Transitland Niger bittet Deutschland um mehr Militärhilfe im Kampf gegen Terror und organisierte Kriminalität.

“Deutschland tut schon sehr viel, um uns zu helfen - bei der Ausbildung von Armee und Polizei, bei deren Ausrüstung und dem Bau von Infrastruktur”, sagte Nigers Präsident Mahamadou Issoufou der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in Berlin. Er wünsche sich aber noch mehr Unterstützung. Während seines mehrtägigen Deutschland-Besuchs habe er daher um mehr Ausbildung und Ausrüstung sowohl für Niger gebeten als auch für die 5000 Soldaten starke, multinationale G5-Eingreiftruppe der fünf Sahel-Staaten Mali, Niger, Burkina Faso, Tschad und Mauretanien, die seit gut einem Jahr aufgebaut wird. Wichtig sei auch, die dauerhafte Finanzierung der Truppe sicherzustellen.

Zugleich forderte Issoufou Deutschland dazu auf, verstärkt nach einer Lösung für die Krise in Libyen zu suchen. “Solange in Libyen Chaos herrscht, sind auch Sicherheit und Stabilität im Sahel in Gefahr”, warnte der Präsident. “Die Schleuser, die die Migranten nach Libyen transportieren, bringen auf dem Rückweg Waffen mit.” Wenn der Terror jedoch im Sahel Fuss fasse, dann werde die Gewalt auch auf Europa überspringen. Der Sahel sei auf die Solidarität von Ländern wie Deutschland angewiesen. Aber er führe den Kampf gegen den Terror nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Rest der Welt.

Die Wüstenstadt Agadez in Niger ist ein zentraler Knotenpunkt auf dem Weg von Migranten und Flüchtlingen in Richtung Mittelmeer. Für sie beginnt hier die letzte gefährliche Etappe durch die Sahara. Helfer schätzen, dass allein in der Wüste von Niger mehr Menschen verdursten als bei der Überfahrt über das Mittelmeer ertrinken. Früher gingen Experten davon aus, dass 90 Prozent der Flüchtlinge und Migranten, die in Libyen ankommen, Agadez passierten. Seit 2016 gehen die Behörden stärker gegen die dort ansässigen Menschenschmuggler vor.

“WIR STANDEN MORALISCH IN DER PFLICHT”

Seither hat sich die Zahl der Migranten, die Niger pro Jahr durchqueren, nach den Worten des Präsidenten von 100.000 auf weniger als 10.000 Menschen reduziert. “Wir haben das nicht getan, weil uns jemand dazu aufgefordert hat”, sagte Issoufou. “Niger hat das getan, weil es inakzeptabel ist, dass junge Afrikaner in der nigrischen Wüste sterben. Hier standen wir moralisch in der Pflicht und haben uns entschlossen zu handeln.” Obwohl sein Land das zweitärmste der Welt ist, gilt Issoufou als Schlüsselfigur im Kampf gegen die illegale Migration und das Elend im Sahel. Er ist der geistige Vater des Bündnisses G5, mit dem die Sahel-Staaten ihre Kräfte im Kampf gegen Armut, Kriminalität und Dschihadismus bündeln.

Das Vorgehen gegen die Schleuser allein reiche aber nicht aus, um die Migration einzudämmen, mahnte Issoufou. Die tiefer liegenden Ursachen seien Armut und eine schlechte Sicherheitslage. Sie müssten bekämpft werden. Es brauche Arbeitsplätze und Entwicklung, damit die jungen Leute nicht mehr ihr Glück in Europa suchen müssten. In Niger helfe Deutschland daher auch bei der Dezentralisierung. Derzeit sei das Land dabei, Befugnisse und Gelder für Bildung, Gesundheitsversorgung, Umweltfragen und Wasserversorgung an die Kommunen abzugeben. “Es ist extrem wichtig, dass die Kommunen bei diesem Prozess begleitet werden”, betonte Issoufou. Zudem baue Niger auf die deutsche Unterstützung bei der Modernisierung der Landwirtschaft und im Kampf gegen das Bevölkerungswachstum, das regelmäßig das Wirtschaftswachstum übersteigt und damit auffrisst.

Die Dezentralisierung ist in der Region ein wichtiges Thema. Im Nachbarland Mali stockt der Friedensprozess nach Aussage von Experten vor allem deshalb, weil die Regierung die versprochene Dezentralisierung und die damit verbundene Weitergabe von Geldern an die Regionen nicht vorantreibt. Ohne Schulen, Gesundheitsstationen und öffentliche Verwaltung fühlen sich die Menschen aber gerade in abgelegenen Gebieten abgehängt und sehen keine Perspektive. Armut und Unzufriedenheit bilden dort oft den Nährboden für Dschihadismus oder organisierte Kriminalität.

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