November 23, 2011 / 1:49 PM / 7 years ago

Nokia Siemens baut erneut massiv Stellen ab

Helsinki/München (Reuters) - Mit der Streichung von 17.000 Arbeitsplätze versuchen Siemens und Nokia ihre Gemeinschaftstochter Nokia Siemens Networks zu sanieren - im dritten Anlauf.

A woman walks past the Nokia Siemens Networks (NSN) headquarters in Espoo November 23, 2011. REUTERS/Vesa Moilanen/Lehtikuva (Finland - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT TELECOMS) THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. NO THIRD PARTY SALES. NOT FOR USE BY REUTERS THIRD PARTY DISTRIBUTORS. FINLAND OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN FINLAND

Im Zuge der Rettungsaktion werde NSN sein Festnetzgeschäft aufgeben und fast ein Viertel seiner weltweit 74.000 Stellen abbauen, teilte Nokia am Mittwoch mit. NSN soll sich auf sein Kerngeschäft mit mobilen Breitbandnetzen und Service konzentrieren, wie Vorstandschef Rajeev Suri ankündigte. Randbereiche werden verkauft oder abgewickelt. Mit den Maßnahmen will Suri eine Milliarde Euro an Kosten bis Ende 2013 einsparen.

Wie viele Stellen in Deutschland gestrichen werden, stehe noch nicht fest, sagte Suri in einer Telefonkonferenz. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht auszuschließen, ergänzte eine Firmensprecherin. In Deutschland beschäftigt das Gemeinschaftsunternehmen knapp 10.000 Menschen. “Der geplante Stellenabbau ist bedauerlich, aber notwendig”, betonte der NSN-Chef.

Allerdings zogen selbst Analysten die Augenbrauen hoch Und vermuteten weitergehende Ziele hinter den Plänen. “Das ist ein großer Schritt. Ich glaube, das Ziel ist ein Börsengang”, sagte Jari Honko von der Swedbank. “Der kann mit der gegenwärtigen Struktur und dem Geschäftsmodell nicht funktionieren.”

Bei Beschäftigten und Gewerkschaft lösten die Ankündigungen Bestürzung aus. “Die neuerlichen Abbaupläne sind eine Kampfansage an die Belegschaft”, erklärte IG-Metall-Funktionär Michael Leppek. Betriebsratschef Georg Nasser warf der NSN-Spitze Versagen im Umgang mit Kunden und bei der Produktgestaltung vor. Auch die beiden Mütter Siemens und Nokia seien für die Entwicklung mitverantwortlich. Die Arbeitnehmervertreter verlangten einen Stopp der Abbaupläne und Verhandlungen. Zudem müsse der Firmensitz von NSN von Finnland nach Deutschland verlegt werden, damit durch die betriebliche Mitbestimmung eine “notwendige effiziente Kontrolle der Unternehmensführung” möglich werde.

FORT DIE SCHÖNEN MILLIARDEN

Die NSN-Pläne kommen Siemens erneut teuer zu stehen. Finanzchef Joe Kaeser hat für sein Haus schon vorsorglich rund eine halbe Milliarde Euro an Kosten veranschlagt. Der Münchener Technologiekonzern unterstütze NSN auf dem eingeschlagenen Weg, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, erklärte ein Siemens-Sprecher. Die Münchner haben sich vertraglich bis 2013 an Nokia gebunden, wollen über kurz oder lang aber aussteigen. Ein Anteilsverkauf an Finanzinvestoren war im Sommer gescheitert.

Seit der Gründung von NSN hat sich die Firma zu einem Milliardengrab für beide Mütter entwickelt. Erst Ende September pumpten sie eine Milliarde Euro in das Geschäft, um die Finanzausstattung zu verbessern. Zuletzt fuhr die ungeliebte Tochter bei einem Quartalsumsatz von 3,4 Milliarden Euro einen operativen Verlust von 114 Millionen Euro in den Monaten Juli bis September ein.

ENDE EINER ÄRA

Mit dem NSN-Ausstieg aus dem klassischen Festnetzgeschäft geht eine jahrhundertelange Geschichte zu Ende: Werner von Siemens war Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Zeigertelegrafen der kommerzielle Durchbruch gelungen. Im Jahr 2007 brachte Siemens das Geschäftsfeld nach einem rapiden Abwärtstrend in das Joint Venture mit Nokia ein, in dem die Finnen die Federführung haben. Mehrere zehntausend Arbeitsplätze sind seither gestrichen worden, der Netzwerkbauer kämpft allerdings weiterhin mit Verlusten. Vor allem die Billigkonkurrenz aus China setzen dem weltweit zweitgrößten Anbieter von Mobilfunknetzen zu. Die Übernahme des Netzwerksgeschäft der amerikanischen Nokia hat bislang nicht zu dem erwarteten Erfolg auf dem US-Markt geführt.

Seit September steht der dänische Telekommunikationsmanager Jesper Ovesen an der Spitze des NSN-Verwaltungsrat. Er löste in der Funktion den langjährigen Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo ab.

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