February 25, 2019 / 9:18 AM / 23 days ago

NordLB als Zankapfel zwischen Niedersachsen und Sparkassen

- von Klaus Lauer und Hans Seidenstuecker

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Erst retten, dann schrumpfen - nach diesem Motto schmieden die alten und neuen Eigentümer der NordLB Pläne für die Zukunft der Landesbank.

Nach der geplanten Kapitalspritze von rund 3,5 Milliarden Euro geht es nun darum, ein Geschäftsmodell zu erarbeiten. Dabei deutet sich ein Konflikt an zwischen dem Mehrheitsaktionär Niedersachsen und dem öffentlich-rechtlichen Lager. “Wir müssen die Fiktion aufrechterhalten, dass die NordLB groß bleibt, damit es durch die Parlamente geht”, sagt ein Vertreter aus dem Sparkassen-Lager. “Danach wird kräftig geschnitten.”

Knackpunkt dürfte sein, wie man ein Beihilfeverfahren der EU-Kommission vermeidet. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bei vielen Beteiligten, die Chancen seien umso größer, je kleiner die Norddeutsche Landesbank am Ende dastehe. Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider nahm jüngst kein Blatt vor den Mund und deutete an, wie man ungeliebte Auflagen vermeiden könnte: Man müsse Brüssel klarmachen, dass die NordLB “langfristig aus dem Wettbewerb ausscheidet”. Damit dürfte er einigen Sparkassen-Funktionären aus der Seele sprechen.

Denn alle öffentlich-rechtlichen Institute haben sich bereit erklärt, für die Rekapitalisierung der NordLB Geld in die Hand zu nehmen. Rund 1,2 Milliarden Euro hat das gesamte Sparkassenlager zugesagt - vielerorts nur unter Grummeln. Der Mehrheitseigner Niedersachsen will bis zu 2,5 Milliarden Euro beisteuern. Sachsen-Anhalt debattiert noch über seinen Beitrag. Im Raum stehen knapp 200 Millionen Euro.

“WER BRAUCHT DANN NOCH DIE NORDLB?”

Da die Sparkassen viel Kapital reinschießen, wollen sie auch beim künftigen Geschäftsmodell mehr als nur ein kleines Wörtchen mitreden. Das Land Niedersachsen wiederum, das rund 59 Prozent hält, sieht die NordLB auch künftig als wichtigen Partner der heimischen Wirtschaft. Finanzminister und NordLB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers sagte jüngst in einer Regierungserklärung: “Wir wollen eine restrukturierte, gesunde und schlagkräftige Bank in Norddeutschland.”

Die Eigentümer des Instituts ziehen aber nicht unbedingt alle am gleichen Strang, wie ein Insider betont. “Da gibt es natürlich unterschiedliche Vorstellungen.” An anderer Stelle heißt es zu den Aussichten einer deutlich kleineren Landesbank: “Wer braucht dann noch die NordLB am Markt?” Die Beteiligten basteln derzeit mit Hochdruck an den Konturen der künftigen NordLB, die Aufsicht will Finanzkreisen zufolge bis Anfang März Klarheit. “Wir arbeiten gemeinsam mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband an einer Konkretisierung eines nachhaltigen Modells”, erklärt Hilbers’ Ministerium. Aus der Politik in Hannover heißt es zudem, das Sparkassen-Lager sei in sich sehr heterogen, deshalb seien Gespräche oft nicht so leicht.

Zuletzt hatte Reuters von Insidern erfahren, dass auch eine Herauslösung des profitablen Immobilienfinanzierers Deutsche Hypo aus der NordLB durchgespielt wird. “Das werden die Träger als Verhandlungsmasse nutzen”, sagt ein Eingeweihter. Hier gebe es eine enge Verbindung mit der Berlin Hyp, die die Sparkassen bereits voll kontrollierten.

Zudem hat der niedersächsische Sparkassenpräsident Thomas Mang signalisiert, dass die Braunschweigische Landessparkasse (BLSK) bis 2022 aus der NordLB herausgelöst werden soll. In den nächsten Jahren soll die Bilanzsumme der Landesbank von rund 150 Milliarden auf 100 Milliarden Euro sinken, sagte Finanzminister Hilbers jüngst und fügte hinzu, dass es ohne die Deutsche Hypo nur rund 80 Milliarden Euro wären. Zum Vergleich: Die größte deutsche Sparkasse, die Haspa aus Hamburg, hatte Mitte 2018 einen Bilanzsumme von 44,7 Milliarden Euro. Wohin die Reise bei der NordLB geht, ist für viele Sparkassen-Manager ohnehin klar: “Da wird wohl nicht mehr viel übrigbleiben, was man Landesbank nennen kann.”

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