July 3, 2018 / 9:18 AM / 3 months ago

Zschäpe geht in NSU-Prozess auf Distanz zu rechter Szene

München (Reuters) - Im NSU-Prozess hat sich die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in ihrem Schlusswort von der rechtsextremen Szene distanziert.

Defendant Beate Zschaepe waits for the continuation of her NSU trial at a courtroom in Munich, southern Germany, on July 3, 2018. Christof Stache/Pool via Reuters

Sie habe “mit diesem Kapitel abgeschlossen”, sagte die 43-Jährige am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Rechtes Gedankengut habe keine Bedeutung mehr für sie. Zschäpe bekräftigte erneut, dass sie von den Taten ihrer mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt lange nichts gewusst habe. “Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe”, sagte sie an die Richter gewandt. Mundlos und Böhnhardt hatten sich bei ihrer Enttarnung das Leben genommen. Am 11. Juli soll das Urteil in dem mehr als fünf Jahre dauernden Verfahren gesprochen werden.

Die Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Zschäpe. Die Ankläger halten sie für mitverantwortlich für die Mordserie aus rechtsextremen Motiven, die der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU) begangen hatte. Zschäpe habe sich als Mitglied einer terroristischen Vereinigung des zehnfachen Mordes, mehrerer Mordversuche durch zwei Bombenanschläge und mehrerer Raubüberfälle schuldig gemacht. Die meisten Opfer waren türkischer und griechischer Abstammung. Zschäpes Wunschverteidiger hatten maximal zehn Jahre Haft wegen besonders schwerer Brandstiftung und Beihilfe zu Raubüberfällen ihrer Freunde Böhnhardt und Mundlos gefordert. Sie habe dem NSU nie angehört.

“Ich hatte und habe keine Kenntnis darüber, warum genau diese Menschen ausgewählt wurden”, sagte Zschäpe mit Blick auf die Opfer. Sie habe Teile der Realität lange verdrängt. Sich am Ende den Behörden gestellt zu haben, sei “eine Art Befreiung” gewesen. Erst danach habe sie “Stück für Stück das schreckliche Ausmaß der schrecklichen Taten von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos” erfasst. Zschäpe hatte an mehr als 400 Prozesstagen nur einmal das Wort ergriffen. Für mehr habe ihr die körperliche und seelische Kraft gefehlt, sagte sie in der hastig vorgetragenen Erklärung. Sie habe das Gefühl, dass ihr jedes Wort falsch oder nachteilig ausgelegt werde. “Ich möchte nur noch eines: einen Abschluss finden, um irgendwann ein Leben ohne Ängste führen zu können.”

MITANGEKLAGTER: “ICH WAR DAMALS NICHT ICH SELBST”

An die Angehörigen der Opfer gerichtet, von denen viele den Prozess immer wieder im Gerichtssaal verfolgt hatten, sagte Zschäpe: “Ich bin ein mitfühlender Mensch und habe sehr wohl die Not und Verzweiflung der Angehörigen sehen und spüren können. (...) Ich entschuldige mich für das Leid, das ich verursacht habe.” Sie habe gravierende Fehler gemacht und diese eingesehen.

Auf der Anklagebank sitzen neben Zschäpe weitere vier NSU-Helfer und -Unterstützer. Sie hielten ihre Schlussworte kurz, einer verzichtete ganz darauf. Carsten S., der geholfen haben soll, die Tatwaffe zu besorgen, erklärte: “Ich war damals nicht ich selbst.”

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