April 19, 2018 / 4:39 PM / in a month

Betriebsrat - Bei Opel droht massiver Stellenabbau

Rüsselsheim (Reuters) - Der Personalabbau bei Opel könnte deutlich höher ausfallen als gedacht.

Employees work at the production line on an Opel Adam car at the Adam Opel AG plant in Eisenach April 23, 2014. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)

Darüber informierte der Betriebsrat am Donnerstag die Belegschaft auf einer nichtöffentlichen Betriebsversammlung. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sagte im Anschluss vor Journalisten, die bisherigen Vorschläge der französischen Konzernmutter PSA sähen etwa für das Montagewerk in Eisenach lediglich den Bau eines Fahrzeugmodells vor. Dies wäre mit einer Halbierung der Belegschaft auf 700 bis 1000 Beschäftigte verbunden. Aktuell arbeiten in dem kleinsten Opel-Werk in Thüringen knapp 1800 Menschen. Betriebsrat und IG Metall fordern zwei Fahrzeuge, um das Werk auszulasten.

Die “WirtschaftsWoche” berichte unter Berufung auf Teilnehmer, auf der Betriebsversammlung seien Charts mit unterschiedlichen Szenarien über einen möglichen Personalabbau gezeigt worden. Daraus gehe hervor, dass das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim im Jahr 2020 nur noch Arbeit für knapp 4000 bis 5000 Mitarbeiter haben könnte, zitierte das Magazin nicht näher bezeichnete Insider. Eine Betriebsratsprecherin bestätigte lediglich, dass Charts gezeigt woren seien. Aktuell arbeiten in dem Entwicklungszentrum 7700 Menschen. Die Gewerkschaft wirft Opel vor, die Beschäftigten mit der Drohung von Arbeitplatzabbau unter Druck zu setzen, um in den laufenden Verhandlungen über die Auslastung der Werke Zugeständnisse zu erreichen.

Die Belegschaft sei geschockt, sagte Schäfer-Klug. Ein solches Verhalten hätten die Mitarbeiter selbst unter dem früheren Eigner GM nie erlebt. Bereits unter General Motors waren bei Opel Tausende Stellen gestrichen und Werke geschlossen worden, darunter in Deutschland das Werk Bochum.

PSA-Chef Carlos Tavares warf er vor, kein Konzept für die Zukunft von Opel zu haben. “Wir möchten ein nachhaltiges Standortkonzept, das über das Jahr 2020 hinausreicht.” Dazu habe PSA bisher nichts geboten. “Es geht um die Existenz von Opel. Es geht um Existenzen, um Arbeitsplätze in der Stadt, um die Sicherung der Standorte.”

OPEL SETZT AUF VERHANDLUNGEN

Vorstandschef Michael Lohscheller verwies auf die laufenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. “Wir vertrauen darauf, dass der mitbestimmungsbasierte Dialog zu einem positiven Ergebnis führen wird.” Es sei das erklärte Ziel des Managements der Konzernmutter PSA und von Opel, das Unternehmen nach fast 20 Jahren wiederkehrender Verluste und Stellenstreichungen ohne Entlassungen und ohne Werksschließungen wieder flott zu machen, betonte er. Opel und die Arbeitnehmervertretung ringen seit Monaten um die künftige Auslastung der Werke. Dabei verlangen die Franzosen von den Opel-Beschäftigten Einkommensverzicht im Gegenzug für Investitions- und Beschäftigungszusagen. Als besonders gefährdet gilt Eisenach. Das kleinste Opel-Werk steht nach Einschätzung der Gewerkschaft auf der Kippe, wenn dort nicht ein zweites Fahrzeugmodell gebaut wird. Aktuell läuft dort der Kleinwagen Adam und der Corsa vom Band. Der Corsa soll künftig in Spanien produziert werden. Wie lange der kleine Adam noch gebaut wird, ist unklar. Bisher hat Eisenach laut Insidern lediglich die Zusage für den Geländewagen Grandland.

Die IG Metall pocht darauf, dass PSA Verträge zur Auslastung der Werke einhält, die bereits mit dem früheren Opel-Eigner General Motors vereinbart wurden. Nach Darstellung der Gewerkschaft verlangt der neue Mutterkonzern jedoch Zugeständnisse, damit diese Zusagen überhaupt eingehalten werden. Die Gewerkschaft befürchtet einen Dominoeffekt. Sollte sich PSA in Eisenach durchsetzen, könnte sich die auch auf die Werke in Rüsselsheim und Kaiserlautern auswirken.

Laut Lohscheller verbucht Opel bereits erste Sanierungserfolge. Die “Erträge werden deutlich besser”, zitierte die “WirtschaftsWoche” des Vorstandschefs bei einer Mitarbeiterversammlung vom Vortag in Rüsselsheim. Ein Insider bestätigte dies der Nachrichtenagentur Reuters. Dem Magazin zufolge lief das erste Quartal für Opel dennoch nicht optimal: Es seien 25.000 Autos weniger als im Vorjahr verkauft worden. Als Gründe dafür habe Lohscheller den bevorstehenden EU-Ausstritt Großbritanniens und die schwächer wachsende Türkei genannt. Es gebe für die Mitarbeiter aber keinen Grund, nervös zu werden, sagte Lohscheller. Opel wolle in Deutschland investieren, doch man müsse die Kosten drücken. Teilweise seien die Opel-Werke doppelt so teuer wie die von PSA.

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